Abschied von Flutlichtmasten

Stählerne Erinnerung in Offenbach 

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Stück für Stück verlieren die Flutlichtmasten ihre Form. Die Fans beobachten dies mit Wehmut.

Offenbach - Beinahe verloren liegen die übergroßen Flutlichtstrahler am Boden, auf einigen klebt ein Zettel: „Verkauft“. Die Scheinwerfer sind das Herzstück jener traditionsreichen Masten vom Bieberer Berg, die im Hafen lagerten, weil für ihre Wiedererrichtung das Geld fehlte. Von Jenny Bieniek 

Beim gestrigen Abschiedstag am Hafen hatten Fans und Fußball-Romantiker Gelegenheit, ein Stück Stadiongeschichte zu erstehen. Rund 200 Einzelteile wie Kanten, Leiter- und Verbindungsstücke haben Volker Goll und seine Mitstreiter von der Interessengemeinschaft Stadionbau (IGS) nebst etlichen Schrauben und Nieten zum Mitnehmen vorbereitet. Wehmut liegt in der Luft, die Enttäuschung über die gescheiterte Rettungsaktion ist bei Fans und Organisatoren groß.

„Wir haben uns zu dieser Aktion gezwungen“, sagt Goll. Es sei deprimierend, dass es soweit kommen musste, „aber die Fans haben so viele Aktionen zur Rettung ins Leben gerufen, deshalb wollen wir ihnen hiermit etwas zurückgeben.“ Im Hof riecht es nach heißem Metall. Mit schwerem Gerät bearbeiten Helfer die Stahlträger. „Hier liegt Tradition rum, die man hätte erhalten müssen“, sagt Mattias Ruhl, der zusammen mit Sohn Justin zwischen den gelagerten Gerüsten nach Wunschelementen sucht. „Das neue Stadion ist spitze, aber ohne die Masten fehlt da oben ein Stück Nostalgie.“

Vor allem Strahler und Leiterstücke waren als Erinnerungsstücke begehrt. Wer weniger Platz hat, sicherte sich gegen eine Spende Schrauben, Nieten oder Kantenteile.

Die meisten derjenigen, die an diesem Nachmittag zum Hafen gekommen sind, sind „Wiederholungstäter“. Viele nennen bereits Sitze aus dem alten Stadion ihr Eigen. Frank Schröpel hat sich gerade ein Stück Leiter gesichert. „Es wäre toll gewesen, wenn wenigstens einer der Masten als Blickfang erhalten geblieben wäre“, findet er. Immerhin bringe die heutige Aktion die Gemeinschaft zusammen, „sonst gibt es derzeit ja nicht viel zu lachen.“

Erik Schollenberger hat einen der begehrten Strahler erstanden. Aus Verbundenheut zum Verein, wie er sagt. „Eine Erinnerung an vergangene, erfolgreiche Zeiten“, so der Offenbacher. Er habe die Rettungsaktion unterstützt, „wenn man aber an einem Punkt ankommt, an dem nichts mehr geht, muss man eben das Beste draus machen.“ Christian Reif von der IGS sieht die Aktion mit gemischten Gefühlen. „Heute ist ein trauriger Tag. Wir haben getan, was wir konnten, aber unsere Kraft ist erschöpft.“ Die Insolvenz habe das Spendensammeln erschwert, vielerorts habe das Verständnis gefehlt.

Kickers-Fans erstligareif

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„Zu einem anderen Zeitpunkt wäre es möglicherweise anders gelaufen“, glaubt er. Mit den Masten verliere die Stadt ein Wahrzeichen. „Das tut weh, vor allem, wenn man sieht, wo die Stadt andernorts Geld verbrennt.“ Auf die großen Metallträger warten nun Schrottpresse und Altmetallverwertung. Alle, die gestern nicht zum Zuge kamen, bekommen noch einmal Gelegenheit, sich ein Stück Stadiongeschichte zu sichern: 30 der kleineren Mastenlampen lagern noch in der Halle. Sie sollen – technisch aufgerüstet – in Zusammenarbeit mit unserer Zeitung neue Besitzer finden. „Die sind zwar etwas kleiner, dafür aber händelbarer“, betont SOH-Geschäftsführer Peter Walther. Auch jener Erlös kommt dem Verein zugute. Ein genauer Termin steht noch nicht fest.

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