Faschingsball für Kickers-Fans

Spaß – egal in welcher Liga

Offenbach - Premiere feiert der Faschingsball für Kickersfans: „The Red-White Party“ im Bürgerhaus Rumpenheim macht 400 Besucher froh und den OFC mit dem Erlös vielleicht etwas solventer. Von Stefan Mangold

Die Idee funktioniert. Die Anhänger feiern, und in die Kasse fließt Kohle. Hinten sitzt Gisela Kaczmarek (75). Als „Kaszy“, wie sie im OFC-Fanclub „Die Goude“ alle nennen, am Samstag ins Bürgerhaus Rumpenheim einläuft, heißt es: „Kaszy, rück‘ die Frikadelle raus!“ Mit denen versorgt sie den Bus, wenn es zu Auswärtsspielen geht – nach Freiburg oder Kassel. Immerhin, ansonsten sind die Touren in der Regionalliga kürzer geworden. „Es ist egal, wohin wir fahren“, drückt Kaszy das Wesen des Fans aus, der zu einem Verein hält, welcher für mehr Leid als Freud sorgt.

„Beim Abstieg 1976 heulte ich als Zehnjähriger“, erinnert sich Organisator Frank Schwarzhaupt, ehemaliger Kickers-Fanbeauftragter, der den 1. OFC-Faschingsball „The Red-White Party“ mit Barbara Klein, bis vor kurzem Vizepräsidentin, eröffnet. Der Saal ist knallvoll. An die 400 Gäste dürften es sein. Viele mussten sich nicht lange überlegen, was sie anziehen. Sie kommen wie zu Spielen im Trikot, auf dem Kickers-Sponsor EVO steht, und rot-weißem Schal um den Hals.

OFC-Hymne laut im Chor

Den halten sie erstmals hoch, als die Melodia Boys und Girls aus Neu-Isenburg die OFC-Hymne nach der Melodie von Robbie Williams‘ „Angel“ anstimmen. „Der OFC wird wieder deutscher Meister, des is a Sach’, die weiß mer“ lautet die Vision. Die Mannschaft schaut vorbei, die mit zwei Siegen vor der Winterpause für ein relativ entspanntes Weihnachten sorgte. Reiner Grimm (45) singt mit. Dessen Kickersliebe erinnert an einen, der jenseits der 30 mit dem Rauchen anfing. Früher habe er sich gar nicht für Fußball interessiert. Dann gingen er und seine Frau Silvia ins Stadion, weil ihr damals zehnjähriger Sohn mit einlief. Die Hainburger packte es. Silvia ist mittlerweile Vorsitzende des Fanclubs „Ostkreis-Power“.

Auch auf schöne Frauen (rechts Barbara Klein) kann der OFC bauen.

Der Erlös der Party kommt dem OFC zugute. Was bei einem närrischen Eintrittspreis von 11,11 Euro am Ende herausspringt, reicht vielleicht, das Gehalt von Bayern-Kapitän Philipp Lahm für einen halben Tag zu finanzieren. Zum einen braucht der Club jedoch jeden Cent, zum anderen bedeutet die pekuniär und sportlich trübe Lage: Wer jetzt kommt, hängt am Club. Einer, der abwartet, wer gewinnt, um dann für den Sieger zu jubeln, den zieht es zum FC Bayern, nicht zum OFC. „Egal welche Liga, wir bleiben treu“, postuliert Thorsten Franke vom Kickers-Fan-Museum, das am nächsten Samstag sein neues Domizil (Aschaffenburger Straße 65) eröffnet.

Zu den Kickers halten Leute wie Erika Zentarra und Brigitte Hellwig, deren Dienst an der Garderobe kurz nach sechs beginnt und weit nach Mitternacht endet. Bei den meisten Heimspielen sind sie dabei. „Frank Schwarzhaupt fragte uns, ob wir das übernehmen. Na klar!“

Bilder des ersten Faschingsballs des OFC

Hochbetrieb beim ersten OFC-Faschingsball

Den Tipp mit dem Bürgerhaus bekam Schwarzhaupt von Andreas Bohn, dem Macher der Fastnachtssitzung „11 unner einer Kapp“. Fürs Essen sorgt im Hof das Team vom Bürgerhaus. Die Getränke an der Sektbar und am Bierstand dürfen die Kickersfans verkaufen. Nur wenige beherrschen nicht die Kunst, sich präzise an dem Punkt entlang zu trinken, an dem die Beine noch gehorchen. Die Stimmung ist friedlich und ausgelassen.

DJ Bob spielt „Keine Atempause, Geschichte wird gemacht“. Ein Lied von 1982, als für den OFC die letzte Aufstiegssaison zur Bundesliga begann. Außerdem tritt die Sängerin Sadeva auf, erinnert mit Songs wie „Mamma Mia“ von Abba viele an die eigene Jugend, so wie Andreas Metz + Nina. Der Mann mit dem orangenen Hut intoniert „Schmidtchen Schleicher“ von 1976, dem Jahr, als Frank Schwarzhaupt die Tränen kamen. Mirko Kerscher singt „Nur der OFC“ und Andreas Mengler „Forever OFC“. Der Saal trägt Rot-Weiß.

Rubriklistenbild: © Eyssen, Sascha

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