Saisoneröffnung auf dem Wilhelmsplatz

Zuversicht bei OFC-Fans noch verhalten

+
Fußballbegeisterung auf dem Wilhelmsplatz bei der Saisoneröffnung der Offenbacher Kickers - auch bei den jungen OFC-Fans.

Offenbach - Einmal Kickers, immer Kickers. So eindeutig lässt sich die gestrige Stimmungslage auf dem Wilhelmsplatz fassen. Von Martin Kuhn 

Der OFC hat erneut angestammtes Terrain verlassten, um gut zwei Kilometer entfernt vom Bieberer Berg für sich im Allgemeinen und den Fußball im Besonderen zu werben. Kurz: Auch im dritten Jahr Regionalliga darf sich der Verein auf treue Anhänger verlassen. Obwohl: Die Zuversicht ist im Vergleich zum vergangenen Jahr, als eine gewisse Vorfreude und Euphorie nahezu greifbar war, eher verhalten. Und wird das was mit dem Aufstieg 2016? „Nein“, legt sich ein ausgewiesener Fan schnell fest, „ganz sicher nicht!“ „Vielleicht ja doch“, keimt nur ein paar Schritte weiter schwache Hoffnung auf. Tja, die rot-weiße Seele ist hin und her gerissen nach dem Relegations-Tiefschlag gegen FC Magdeburg und dem damit verbundenen dritten Jahr in der Regionalliga Südwest. Zumal umliegende Mitbewerber scheinbar Lichtjahre weiter sind.

So ist und bleibt die neue Saison voller Fragezeichen. Daher ist Frank Schwarzhaupt, allgegenwärtiger Leiter Marketing und Vertrieb, zur Mittagszeit angetan vom regen Zuspruch – trotz Ferienstarts, trotz brütender Sommerhitze: „Das lässt sich doch gut an.“ Man mag ihm nicht widersprechen, während auf der Bühne deutscher Pop erklingt. Die Band Effekt hat passendes im Gepäck: „Träumer.“ Und eine Textzeile steht stellvertretend für alle OFC-Fans, die am kommenden Freitag zum Saisonstart nach Kassel fahren: „Immer weiter – egal wohin, egal wie weit...“

In diesem Sinn stets dabei bei Kickerstagen ist das Fan-Museum. Das Team um Thorsten Franke hat eine Torwand aufgebaut. Wie im Sportstudio: sechs Schuss, drei oben, drei unten. Am Mittag liegt ein Quartett mit je zwei Treffern vorn - aber unter erschwerten Bedingungen: Die Teilnehmer zielen mit einem Schaumstoffball, der noch stärker flattert als der bei Torhütern berüchtigte WM-“Jabulani“. Grund: „Wir müssen ein bisschen auf den Verkehr aufpassen“, so Thorsten Franke. Dabei sind östliche und westliche Wilhelmsplatz-Seite gestern für Autos gesperrt. Interessant: Für die Kickers sind sogar heißdiskutierte verkehrspolitische Tabus zu brechen.

Fans und Mannschaft starten gemeinsam in die Saison

Gleich daneben präsentiert der Fan-Shop seine Auslagen. T-Shirts und Trikots gibt’s in dutzendfacher Auswahl. Dabei kommen die neuen Leibchen der Fußballer ausgesprochen gut - das rotweiße für die Heimspiele ebenso wie das dunkelblaue für die Auswärtsfahrt. „Das hält sich nahezu die Waage“, sagt Stefan Weigand, der zur hochsommerlichen Witterung stylische Sonnenbrillen anbietet - selbstverständlich mit Kickers-Schriftzug. Ein Siebenjähriger hat anderes im Auge: „Was kostet die Mütze?“

Derweil wird’s auf und vor der Bühne athletisch, als sich weitere Abteilungen präsentieren. Dabei ist auch das Boxcamp von Peter Meister. Die Verbindung zum Verein ist geebnet und liegt nahe, schließlich hat der Faustkampf Tradition beim OFC, der in den 50er-Jahren eine Reihe guter Athleten hervorbrachte – wie den legendären Heini Freytag. Meister macht kräftig Werbung: „Es ist nicht nur Schlagen, sondern ein breit gefächertes Programm – zwei Drittel Aufwärmen und Kondition. Und es ist erlernbar.“ Für Anfang 2016 verspricht er eine erste große Veranstaltung.

OFC-Saisoneröffnung auf dem Wilhelmsplatz: Bilder

Zeitlich deutlich näher liegen die Footballer. Die „Rockets“ sind eine junge Abteilung, nachdem die Cheerleader bereits seit Jahren aus Amerika stammenden Sport in Rot-Weiß absolvieren. Vorsitzender Thorsten Kruppka, selbst jahrelang Spieler und Trainer, wirbt ebenfalls im Minutentakt für den Trainingsauftakt am 10. Oktober: „Wir sprechen alle an, mit Herz, Spaß und Mut mal was Neues kennenzulernen.“ Die Bedingungen stimmen: Zwölf Trainer warten auf Interessierte, allen voran Cüneyt Topcu, von 1999 bis 2005 bei Galaxy Frankfurt selbst einer der besten „Linebacker“ des NFL-Ablegers in Europa.

Aber wie lange hält man ein Football-Training durch? „Das werden wir sehen“, lacht er. „Nur so viel: Überfordert wird keiner.“ Dann muss er sich bremsen: Angekündigt sind die Fußballer des Viertligisten mit Trainer Rico Schmitt. Allen amerikanischen Einflüssen zum Trotz bleiben sie der Herzmuskel des Vereins: Und dann heißt es wieder: „Steht auf, wenn ihr Kickers seid...“

Mehr zum Thema

Kommentare