Stundung der Stadionmiete?

OFC: Spielt Stadt künftig mit?

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Die Kickers werben dafür, dass sie ihren Heimvorteil im Stadion auf dem bebenden Bieberer Berg noch lange nutzen können – indes gegen geringere Miete.

Offenbach - Den Kickers und ihrer Profi-GmbH könnte städtischerseits geholfen werden. Aber nur, wenn die Stadt im Gegenzug intensive Kontroll- und Vetorechte erhielte, wäre über Stundung etwa der Stadionmiete nachzudenken – kaum aber über Minderung derselben. Von Thomas Kirstein und Martin Kuhn

So lässt sich die Position zusammenfassen, die Bürgermeister Peter Schneider als Aufsichtsratschef der Stadiongesellschaft Bieberer Berg (SBB) und Sportdezernent in Verhandlungen mit der OFC-Spitze vertritt. Die hatte vorgestern in Gestalt von Dr. Frank Ruhl deutlich Hilfe von der Stadt eingefordert und insbesondere den Oberbürgermeister in die Pflicht nehmen wollen. Horst Schneider hat nach Ruhls öffentlicher Förderung wohl morgens schon geschluckt. Er sagt jedenfalls: „Ich bin nicht glücklich über seine Äußerung.“ Der persönliche Aufruf („Ich setze auf den Oberbürgermeister!“) irritiert den bekennenden OFC-Fan Schneider: „Es bedarf keiner öffentlichen Erwartungshaltung an den Oberbürgermeister.“ Ansonsten vermerkt er lediglich: „Die Stadt steht in intensiven Verhandlungen mit den Kickers.“

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Das übernehmen Bürgermeister Schneider und Peter Walther, Geschäftsführer der Stadtwerke-Holding und der SBB. Jedwede direkte Unterstützung schließen beide aus. Schließlich haben Stadt und Land und damit der Steuerzahler dem Verein schon ein Stadion für 25 Millionen Euro gebaut. Dabei spricht der OB gern von einem „strukturellen Mehrwert“. Zudem wird der Regierungspräsident als Aufsichtsorgan angesichts der desolaten Haushaltslage der Rettungsschirm-Kommune Offenbach keine Großzügigkeit zulassen. Auf jeden Fall wäre jedes Zugeständnis an die Kickers keine Sache des Magistrats oder der Stadtwerke, sondern bedürfte eines Beschlusses der Stadtverordneten.

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„Wir loten aktuell aus, was haushaltsrechtlich darstellbar ist“, sagt Peter Schneider, „aber wir müssen sehen, dass der OFC eine nachhaltige wirtschaftliche Situation herstellt, in der nicht nur das Geld für die nächste Situation zusammengekratzt wird.“ Um das zu gewährleisten, will die Stadt künftig stärker auf dem Bieberer Berg mitregieren. Das widerspricht ein wenig der Intention von Präsident Ruhl, der allein das bestimmende Vereinsorgan als eine Art Hemmschuh erachtet. Im OFC-Verwaltungsrat hat unter anderem die SBB einen Sitz. Peter Walther sieht den Verwaltungsrat als zwingend geboten: „Wir wollen einen Aufsichtsrat, der auf wirtschaftliche Entscheidungen einwirken kann.“ Diese Konstellation sei bundesweit „marktüblich“.

Etwas irritiert ist der SOH-Geschäftsführer über die etwas freie Interpretation von Ruhl, der in der Stadthalle vorgerechnet hat, dass die Stadt mit dem Stadion eine Million im Jahr verdient: „Die SBB plant ein Null-Ergebnis.“ Diese sogenannte schwarze Null werde aber noch nicht geschrieben. Also: Kein Miet-Erlass für den OFC. Mithin sieht Walther das Stadion als Sonderimmobilie. „Steht ein solcher Mieter vor der Insolvenz, überlegt man gemeinsam: Was ist zu tun? Genau das machen wir.“

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Das alles ist von Anfang an vertraglich fixiert; schon seit ersten gemeinsamen Überlegung mit dem inzwischen verstorbenen Ehrenpräsidenten Waldemar Klein, wie ein Stadion-Neubau hinzubekommen ist. Walther sagt: „Wir haben alles geleistet. Es kann jetzt keiner überrascht sein, was da unterschrieben wurde.“ So ist etwa geklärt, dass die Einnahmen aus Logen und zweiter Bandenreihe als Sicherheit für die Mietzahlungen dienen.

Verhallt also der öffentliche Hilferuf? Wohl eher nicht. Angestrebt ist wohl eine einvernehmliche Lösung, auch seitens der Verwaltung und Politik. Die schlimmste Variante wäre das Aus für den Profifußball am Bieberer Berg. „Die SBB hätte auf Jahre keine Einnahmen mehr“, so die düstere Prognose im Rathaus. Ein denkbar schlechtes Ende. Schließlich soll die SBB-Mutter Stadtwerke-Holding nach den derzeitigen Vorgaben pro Jahr einen Gewinn von drei Millionen Euro erwirtschaften. Andererseits bleibt festzuhalten: Es ist kein kommunaler Auftrag, Profifußball zu subventionieren. Und auch an der schlechten sportlichen Entwicklung und dem damit verbundenen Zuschauerminus ist die Stadt schuldlos...

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