OFC feiert Saisoneröffnung

Rot-weiße Euphorie

+
Die deutschen Farben am Handgelenk und um den Hals, den rot-weißen Schal fest in beiden Händen. Das kommt bei den Kickers-Fans bestens an.

Offenbach - Sommer, Sonne, Kickerstag. Zur offiziellen Saisoneröffnung lädt der Traditionsverein zum zweiten Mal auf den Wilhelmsplatz. Es wird gestern kein buntes Kickersfest, wie in der jüngsten Presse-Information erhofft, sondern ein Tag ganz in Rot-Weiß. Von Martin Kuhn 

Was sonst ! Bei den helfenden Händen – vom Fan-Museum über den Fan-Club „Die Goude“ bis zur OFC-Abteilung Cheerleader – schwingt stets eine nicht öffentlich geäußerte Hoffnung mit: Aufstieg. Aber das wird nicht auf dem Offenbacher Wilhelmsplatz entschieden, leider.

Bei den Anhängern hoch im Kurs steht Trainer Rico Schmitt. Als der Übungsleiter mittags per Beschallungsanlage begrüßt wird, brandet spontan Applaus auf. Das Bad in der Menge genießen umgehend die Spieler. Fabian Bäcker, Christian Cappek und Jan Biggel sind lange vor der offiziell anberaumten Autogrammstunde umringt. Während da früher ein dicker Faserschreiber zur Signatur genügte, sind heute sogenannte Selfies mit dem Smartphone angesagt, ein Selbstportrait mit dem Kickers-Spieler der Wahl ist schnell geschossen. Die Technik macht’s eben nicht nur auf dem Platz aus...

Davon berichtet an diesem Tag auch Computergraphiker Denis Brown. Der in Berlin lebende Offenbacher entwickelt ein dreidimensionales Computerspiel rund um den Bieberer Berg und verspricht so alle möglichen Abenteuer und Rundgänge im alten Stadion, das 2011 dem Sparda-Bank Hessen-Stadion weichen musste. Am Stand des „Fan-Museums“ steht daher im Schatten bereits ein Computer bereit. So viel sei verraten: Der Videospiel-Modus soll etwa durch ein passendes Kickers-Quiz ergänzt werden.

Alle Artikel zu Kickers Offenbach finden Sie hier

Apropos neue Medienwelt: Abseits von Tagespresse oder Fanzines wie „Erwin“ tummeln sich sogenannte Blogger im weltweiten Netz, die in elektronischen und öffentlichen Tagebüchern ihre Gedanken niederschreiben – natürlich auch zu Kickers Offenbach. Das macht unter anderem Markus Horn in seinem Blog Rot & Weiß. Er bekennt ganz offen: „Der OFC ist mein Verein.“ Das führt ihn gestern zwangsläufig auf den Wilhelmsplatz. Mal abwarten, was seine Sicht der Dinge ist. Und vielleicht ist Markus Horn ja ein Beitrag wert, was Claus-Arwed Lauprecht verkündet.

Dazu bittet der OFC-Präsident gestern einen „talentierten Nachwuchsspieler“, der erst seit kurzem das rot-weiße Trikot überstreift, mit seinem Papa auf die Bühne. Was Lenny zu etwas Besonderem macht: Er ist von der anderen Mainseite nach Offenbach gewechselt, weil’s beim dortigen Klub nicht immer ganz einträchtig zugeht – so zumindest seine persönliche Einschätzung und Erfahrung. Das bringt naturgemäß einen kräftigen Applaus und einige Kickers-Rufe. „Und Lenny, wie gefällt’s dir beim OFC?“, fragt Lauprecht. „Gut.“ „Nur gut ?“„Besser als gut.“ Der Präsident verknüpft es mit einer Botschaft an die Fans: „Wir wollen unsere Jugend mit ihrem Leistungszentrum besser wertschätzen.“

OFC eröffnet Saison auf dem Wilhelmsplatz

OFC eröffnet Saison auf dem Wilhelmsplatz

Darum geht es auch bei der Interessengemeinschaft Stadionbau, die nicht nur Nieten der ehemaligen Flutlichtmasten („The Show MAST go on“) verkaufen, sondern parallel für mehr Farbe unter der Waldemar-Klein-Tribüne (WKT) sammeln. IGS-Sprecher Volker Goll klärt gerne auf. „Es geht darum, das Stadion etwas rot-weißer zu gestalten.“ Konkret: Unter fachkundiger Anleitung wurden die Stoßstufen zur WKT gesäubert, abgelaugt, grundiert, abgeklebt und zweimal lackiert. Für die 108 Tritte der sechs Aufgänge benötigten die 40 Helfer („Kollektiv 71“, „Diversity“) zusammen mehr als 500 Arbeitsstunden und für 1500 Euro Material. Und wie sieht das Ergebnis aus? Goll: „Einfach zum ersten Heimspiel kommen und ansehen.“

Spätestens zu diesem Termin (Mittwoch, 6. August, 19.30 Uhr, gegen SpVgg Neckarelz) sollte das Team, das gestern komplett auf der Bühne vorgestellt wurde, mal den Hammer kreisen lassen. Wie das gehen könnte, zeigt Stürmer Christian Cappek eindrucksvoll am „Hau-den-Lukas“. An dieser Jahrmarktattraktion, bei der Teilnehmer mit einem Hammer auf einen gefederten Kopf schlagen, um einen Metallkörper gegen eine am oberen Ende montierte Klingel zu treiben, lässt Cappek die Muskeln spielen: „ding, ding, ding, ding, ding“, geht’s im Sekundentakt. Die Fans applaudieren. „So könnte es mal im Spiel gehen“, raunt einer. Hoffentlich wird er erhört.

Saisoneröffnung auf dem Wilhelmsplatz

Kommentare