Ärger um Pokalspiel

OFC: Die Fans haben’s in der Hand

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Erste Runde des DFB-Pokals gegen die Spielvereinigung aus Fürth: Im Offenbacher Block 2 zünden sogenannte Fans ein Bengalo – nicht gern gesehen von Polizei und allen Offiziellen. Sanktionen sind die Folge. Polizeipräsident Roland Ullmann betont: Bei sogenannten Risikospielen wird ein Teil von Block 1 gesperrt.

Offenbach - Endlich mal ein Fußballabend vor großer Kulisse. Und schon gibt es Ärger. Die Kickers-Anhängerschaft ist vor der Pokalpartie am Dienstag, 18. Dezember, gegen Fortuna Düsseldorf sauer – auf die Polizei, auf die Kickers, auf die Stadionbauer. Von Martin Kuhn

Grund: An diesem Abend bleibt ein „Sicherheitspuffer“ im Block 1 frei. So wird im ausverkauften Stadion nicht annähernd die maximale Zuschauerkapazität im Sparda-Bank-Hessen-Stadion von 20 500 erreicht. Peter Schäfer meint dazu: „Die latente Drohung mit Pufferzonen dürfte eine Offenbacher Erfindung sein.“ Und zwar im nagelneuen Stadion. „Ein schlechter Witz“, pflichten ihm andere OFC-Fans bei.

Fußball, Fans, Polizei: eine Konstellation, die in jüngster Zeit für Zündstoff sorgt und vermehrt die Politik fordert. Nicht wenige sagen: Konfrontation statt Diskurs. Und mittendrin sind plötzlich wieder die Kickers; wobei die üblen Krawalle am Himmelfahrtsnachmittag 1999 in Offenbach wohl immer noch als schwere Bürde zu betrachten sind. Aber inzwischen gibt es ja den Stadionumneubau. Eine Fehlplanung bezüglich der Fantrennung?

Polizei: Konsequente Trennung der Fans

„Nein“, sagt Regina Preis. Die Sprecherin der Offenbacher Stadtwerke-Holding, deren 100-prozentige Tochter Stadiongesellschaft Bieberer Berg (SBB) den Bau verantwortet, betont: „Im Vorfeld gab’s viele Wünsche, die zu berücksichtigen waren. Wohl der wichtigste: Erhaltung der Gegengeraden als reine Stehplatztribüne. Dem sind wir auch nachgekommen.“  In der Stadt wird’s weniger politisch korrekt formuliert: „Gerade diejenigen, die es wollten, beschweren sich jetzt.“ Das zumindest bundesweit einmalige Merkmal gerät so zum Bumerang.

Für Regina Preis bildet die Pokalpartie gegen Düsseldorf ohnehin die Ausnahme: „Wie oft kommt es denn vor, dass das Stadion ausverkauft ist?“ Vorrangig sei dann die Sicherheit; die jeweiligen Bedingungen werden vor jedem Spiel definiert. Falls bessere Zeiten für die rot-weiße Fußballkunst anbrechen und es somit gesteigertes Zuschauer-Interesse gibt, ist die SBB gewappnet: „Die Ausbauvariante ist jederzeit möglich.“

Das akzeptiert die Fanszene so nicht. Dort heißt es: Die Positionierung der stehenden Gäste in unmittelbarer Nähe zu Block 1 sei ausdrücklicher Wunsch der Polizei gewesen. „Dies ist nicht so“, widerspricht Polizeipräsident Roland Ullmann. Die jetzige bauliche Situation sei ein Kompromiss, „der von allen am Stadionbau Beteiligten einvernehmlich so getragen wurde“. Eine Forderung der Ordnungshüter: Konsequente Trennung der Fans im Stadion, „aber auch schon bei der Anmarschphase“.

Unüberbrückbar scheinen die Positionen vor allem beim Puffer in Block 1. So meint Leser Stefan Liebke: „Die Tribünen sind Solitäre und durch einen breiten und tiefen Puffergraben getrennt, der mit Security und Polizei nach Bedarf leicht und unsichtbar gefüllt werden kann.“ Dem hält Roland Ullman entgegen: „Da sich Stehplatz-Zuschauer aus Block 17 (Gast) und Block 1 (Heim) bis auf drei Meter nahe kommen können, wird bei Risikospielen mit erhöhtem Konflikt- und Gewaltpotenzial ein Teil des Blocks 1 gesperrt, um eine größere Distanz zu schaffen.“ Diese „niederschwelligere Maßnahme“ werde der kompletten Freihaltung des Blocks vorgezogen.

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Dass es auch anders geht, habe das Pokalspiel gegen Borussia Dortmund im alten Stadion gezeigt. 25000 Fans erlebten einen tollen, gewaltfreien Fußballabend. Und Polizeipräsident Ullmann gibt den Schwarzen Peter, der der Polizei anhaftet, weiter: „Besondere Sicherheitsmaßnahmen im Stadion werden nur durch das Verhalten der Besucher ausgelöst. Unsere Wunschvorstellung bei einem Fußballspiel ist ein friedliches Miteinander im Stadion ohne eine Vielzahl von Ordnungsdienst und Polizei.“

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