Reaktionen anderer Vereine

Unter einen DFB-Schutzschirm

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Juli 2012: Auf der Tribüne des Halleschen FC verfolgen Oberbürgermeister Horst Schneider und OFC-Präsident Frank Ruhl noch Seite an Seite das Spiel der Kickers.

Offenbach - Sportdezernent Peter Schneider sieht die Problematik, dass jedwede weitere Hilfe für die Kickers bei anderen Sportvereinen der Stadt nicht ungeteilt begrüßt werden würde. Von Matthias Dahmer

„Wir müssen den anderen Vereinen transparent darstellen, was hier geschieht“, hat sich der Bürgermeister vorgenommen. Wir haben bei einigen Sportvereinen nachgefragt. Mehr oder minder offen wird deutlich, dass die Befürchtung Schneiders nicht ganz unbegründet ist. „Fair wäre ein städtisches Gesamtfinanzierungskonzept für die Vereine“, meint etwa EOSC-Chef Matthias Wörner. Der größte Offenbacher Verein, der das Schwimmbad auf der Rosenhöhe betreibt, ist von der Stadt auf einen Sparkurs eingeschworen worden, muss deshalb demnächst wohl seinen Mitgliedern eine Beitragserhöhung schmackhaft machen. Nicht nur Wörner fragt sich, ob ein städtisches Entgegenkommen bei den Stadionkosten den OFC wirklich rettet.

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Für Francesco Liotta, Vorsitzender des Judo-Clubs Samurai, ist klar: „Viele Offenbacher hängen mit ihrem Herzblut an den Kickers.“ Zudem sei viel Geld ins neue Stadion gesteckt worden. Andererseits gibt er zu bedenken, der OFC sei einer von vielen Vereinen in der Stadt, und man müsse sich fragen, mit welcher Berechtigung er besondere Ansprüche stellen könne. Seine Judoka, so Liotta, warteten seit mehr als zehn Jahren auf eine eigene Trainingsstätte, für den möglichen Aufstieg in die erste Liga sei seinerzeit von der Stadt eine Unterstützung in Höhe von 50.000 Euro abgelehnt worden.

„Es fällt uns schwer, etwas zur Forderung der Kickers zu sagen“, bekennt Thomas Daniel, Vorsitzender der SG Rosenhöhe. Grund sei die fehlende Transparenz bei den Stadionkosten. Deshalb könne die Folge nur deren Offenlegung sein. Für Daniel keine Frage, den Kickers müsse geholfen werden. Sonst habe man auf dem Bieberer Berg eine „wunderschöne Ruine“ stehen. Der SGR-Chef warnt zudem davor, eine Neid-Diskussion aufkommen zu lassen. Doch die finanzielle Unterstützung seitens der Stadt müsse nachvollziehbar sein, meint er auch mit Blick auf die TSG Bürgel.

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Was die Wichtigkeit der Kickers für die Stadt und die Region angeht, macht BSC-Vorsitzender Vero Schumacher einen bemerkenswerten Vorschlag: Er wünscht sich ein Gutachten darüber, welche Bedeutung der Verein gesellschaftspolitisch und wirtschaftlich hat. „Wenn wir dann zu dem Ergebnis kommen, es rechnet sich nicht, dann ist eben Feierabend, dann muss auch ein ungenutztes Stadion oder gar dessen Abriss in Kauf genommen werden.“ Finanziell sieht Schumacher den DFB in der Pflicht: Der müsse angesichts der Situation in der dritten Liga über einen Schutzschirm für notleidende Vereine nachdenken. Die Forderungen von OFC-Präsident Ruhlkommentiert der BSC-Vorsitzende: „Da macht es sich jemand schön einfach. Wenn es denn nur funktionieren würde.“

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