Stadiongesellschaft plant zweigleisig

Spielte OFC nicht mit offenen Karten?

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Die Kickersfans können trotzigen Überlebenswillen demonstrieren: T-Shirt aus dem Online-Angebot des Fanshops.

Offenbach - Ein Drittligist als Hauptmieter scheint bei der Stadiongesellschaft Bieberer Berg (SBB) so gut wie abgehakt. Weder der Geschäftsführer noch der Vorsitzende des Aufsichtsrats gehen davon aus, dass es den Kickers gelingen wird, den DFB doch noch zu einer Lizenz für die unterste Profiklasse zu überreden. Von Thomas Kirstein

Stattdessen betet man bei der Stadt, dass es gelingt, den Traditionsverein wenigstens als Viertligisten zu erhalten und damit vor der Insolvenz zu bewahren. „Unser festes Ziel ist, dass der OFC in der Regionalliga Fußball spielt. Wir werden ihn nach Kräften und im fairen Miteinander dabei unterstützen“, sagt Peter Walther, Chef der SBB und deren Mutter Stadtwerke Holding (SOH).

Das „faire Miteinander“ verdient Betonung. Im Rathaus wird der Kickers-Führung, wohlwollend formuliert, diesbezüglicher Mangel unterstellt. Beim Einfordern städtischer Unterstützung für die Erlangung der Lizenz soll nicht mit offenen Karten gespielt worden sein.

Bürgermeister und Stadtwerkechef äußern unabhängig voneinander Unverständnis, dass die OFC-Führung versäumt habe, fristgerecht gegen diese offenbar nicht zu erfüllende Auflage Einspruch einzulegen und damit praktisch die Lizenzverweigerung provozierte. „Nach dem Aufwand, den wir betrieben haben, und unseren ganzen Anstrengungen hinterlässt das einen bitteren Nachgeschmack“, sagt Schneider.

Er erwartet, dass der OFC schnellstmöglich alles tut, um wenigstens den Spielbetrieb in der vierten Liga zu sichern. Dazu gehört auch, für die Profi GmbH rechtzeitig eine geordnete Insolvenz anzumelden. Scheitert das, geht es nicht nur für die Kickers-Firma in die Pleite, sondern vielleicht auch für den Verein ganz runter bis in die Kreisklasse C.

Sparda-Bank könnte sich bei Insolvenz zurückziehen

SBB und Stadtwerke beschäftigen sich nach den Worten ihres Geschäftsführers Walther schon seit Monaten mit der Frage, wie es mit einem niederklassigen oder ohne einen OFC weitergeht. Käme es zum Komplettausfall des Hauptmieters, müsste die städtische GmbH den Buchungswert des Stadions (gebaut für 25 Millionen Euro) und ihre Bilanz wohl um bis zu zwölf Millionen Euro senken. Fraglich werden dann auch die Einnahmen aus dem Verkauf der Namensrechte: Die Sparda-Bank Hessen hat sich nur bis zur Regionalliga verpflichtet.

Dass eine solche Entwicklung auch die SBB in die Insolvenz treiben könnte, ist für Peter Walther allerdings kein Thema. Mutter SOH würde die ohne Hauptmieter entstehenden erheblichen Verluste abdecken – wohl mit der Folge, dass weniger oder keine Erlöse an die Stadt abgeführt werden. Auf Dauer müsste ein Plan C mit sportlichen oder nicht sportlichen Alternativnutzungen greifen, beispielsweise Kooperationen mit dem DFB oder Konzerte. „Wir machen uns da schon sehr konkrete Gedanken“, sagt Walther.

Optimistische Perspektive: Regionalliga

Noch aber lautet die optimistische Perspektive Regionalliga. Dazu bietet die Stadiongesellschaft dem Verein weiter Gespräche an. Klar ist, dass die SBB bei fast gleichbleibenden Kosten Abstriche bei der bisher mit 525. 000 Euro pro Jahr vereinbarten Miete machen muss. SBB-Chef Walther macht durch die Blume deutlich, dass der OFC nicht auf einen gänzlichen Verzicht zu hoffen braucht: „Wir haben Ideen, wie der OFC seine anderen Kosten senken kann.“ Aber bislang sei der Verein nicht auf Ideen und Hinweise eingegangen, wie ihm etwa Selbsthilfe bei der Grünpflege, eine bescheidenere Geschäftsstelle außerhalb des Stadions oder eine Verschlankung des bezahlten Stabs Geld sparen könnten.

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