Von Kilometern und Kalorien

+
Erwartungsvoll beim Start an der E-Mobil-Station am Marktplatz: Die Gewinner unserer geführten Tour mit Elektrofahrrädern.

Offenbach - Es hat alles gepasst: Wetter, Stimmung, Kondition, der fahrbare Untersatz sowieso. Zehn Leser unserer Zeitung erfuhren gestern Vormittag die Vorzüge des Vorwärtskommens mit einem Elektrofahrrad. Von Matthias Dahmer

Einen Schnaps gefällig? Wolfgang Weisenbach schenkt Tour-Chef Hans-Jürgen Roth ein.

Zur Verfügung gestellt wurden die Pedelecs von der Offenbacher Nahverkehrsgesellschaft (NiO), als souveräner Tourenführer saß Hans-Jürgen Roth vom RSC Bürgel im Sattel. 28,5 Kilometer geschafft, 350 Kalorien verbraucht, 17,5 Stundenkilometer Durchschnittsgeschwindigkeit, noch 3,5 Kilometer zu radeln. Die Mienen zeigen eine gewisse Zufriedenheit, als Roth bei der Einkehr kurz vor Schluss die Daten bekannt gibt. Zumal einige der Teilnehmer nicht mehr die Jüngsten sind. Alfons Müller etwa. 82 Jahre ist der Bürgeler alt, das Angebot wollte er sich nicht entgehen lassen. Tapfer halten er und seine Gattin mit.

Rückblende: Aller Anfang ist schwer, merken die angehenden Elektroradler schon am Treffpunkt an der E-Mobil-Station am Marktplatz. „Beim nächsten Mal bitte an den Helm denken.“ Die Rüge von Tour-Chef Roth kommt an, betreten muss auch der Verfasser dieser Zeilen und Mitfahrer zur Seite schauen. Nur Organisatorin Silke Simon von NiO und Roth haben einen Kopfschutz.

„Schaltet mal auf High“

Jetzt noch schnell die Sattelhöhe eingestellt, die Funktionen am Lenker erklärt, fürs Foto aufgestellt, und los geht’s. Ungewohnt ist es auf den ersten 100 Metern. Wenn sich die auf die Pedale gebrachte Muskelkraft verdoppelt, der Winora-Drahtesel mit einem sanften Ruck beschleunigt. Spätestens am Mainufer bei Bürgel haben die meisten ihren teuren Stromer im Griff. Hier und da wird eine etwas zu wackelige Lenkung beklagt, bei einem Rad – unter drei Modellen konnte an der Station ausgewählt werden – muss der Elektroantrieb kurz aus- und wieder angeschaltet werden, damit die schweißarme Fortbewegung funktioniert.

Am Main entlang Richtung Mühlheim registrieren die Teilnehmer neben nervenden Mücken interessierte Blicke von an diesem Dienstagvormittag eher wenigen Fußgängern und anderen Rad-Ausflüglern. Um die 25 Sachen haben sie drauf, nur die ihnen entgegenkommenden Kampfradler auf ihren Mountainbikes dürften schneller sein. Kurz vorm Rumpenheimer Schloss ein Halt, das Fahrerfeld ist zu weit auseinandergezogen. „Schaltet mal auf High, dann geht ihr ab wie eine Rakete“, rät Manfred Köditz den Nachzüglern.

„Nur Segway-Fahren ist noch geiler“

Geduld ist zu diesem Zeitpunkt auch nicht die Stärke von Tourführer Roth. „Weiter geht’s“, ruft der fitte 70-Jährige, der am Nachmittag mit seinem Rennrad noch eine Runde im Odenwald („so um die 120 Kilometer“) drehen will, wie er später ankündigt. Silke Simon schaut, dass ihre Schäfchen alle zusammen sind.

Eine Stärkung und Infos gab’s bei der ersten kurzen Rast.

70 Kilometer ist die theoretische Reichweite der Pedelecs. Ganz so viele werden es am Ende zwar nicht sein – mit insgesamt 32 Kilometern sind alle aber länger unterwegs als geplant.

Die von NiO spendierten belegten Brötchen werden auf Steinheimer Gemarkung bei einer kleinen Rast gefuttert. Wolfgang Weisenbach schenkt einen Williams aus dem Flachmann aus, die Stimmung ist prächtig, von Ermüdung keine Spur. Weshalb der ursprüngliche Umkehrpunkt an der Schleuse Mühlheim längst passiert ist. Fast mühelos geht es es die kleine Steigung an der Steinheimer Brücke hoch. Wolfgang Weisenbach findet: „Nur Segway-Fahren ist noch geiler.“ Schloss Philippsruhe lässt die Gruppe rechts liegen, zügig führt die Tour an den Fähren vorbei, die nach Mühlheim und Rumpenheim bringen. Erst am Steg, der direkt zum Bürgeler Campingplatz führt, wird der Main wieder überquert.

Bei Weizenbier, Apfelsaftschorle und Wasser empfiehlt Hans-Jürgen Roth Fahrradhändler in der Region, plaudert kenntnisreich aus der Radsportszene.

Ob nun der Umstieg aufs E-Bike geplant ist, bleibt bis zum Ende an der Station Marktplatz offen. Das NiO-Angebot, einen weiteren Tag ein Pedelec kostenlos auszuprobieren, werden die meisten wohl nutzen. Gestern können alle nach vier Stunden auf jeden Fall bilanzieren: Es hat Spaß gemacht!

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare