Kiloweise Marihuana holt Polizei ans Telefon

Offenbach (mcr) - Drogenhändler müssen nicht viel können. Ein bisschen Addieren und Multiplizieren auf Grundschulniveau, das reicht für die Kalkulation des Preises für verbotene Substanzen.

Und der 44 Jahre alte Türke, den das Offenbacher Schöffengericht gerade zu zwei Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt hat, hätte beizeiten sogar nur eins und eins zusammenzählen müssen, um sein Schicksal vorauszuberechnen. Man lässt sich nun mal nicht ungestraft mit einem Dealerring ein, den Fahnder längst ins Visier genommen haben.

Was der Vorsitzende Richter Manfred Beck aus den Aussagen des Angeklagten und des vehement das Gegenteil behauptenden Hauptzeugen rekonstruierte, beginnt im Jahr 2009. Da kommen Bundespolizei und Zoll einer Bande auf die Schliche, die von Kassel aus operiert. Von einem Großdealer aus Belgien kaufen die Türken etwa 100 Kilogramm ursprünglich aus den Niederlanden importiertes Marihuana. Aus dieser Lieferung stammen möglicherweise die mindestens drei Kilo, die der in Offenbach verknackte Türke nach Becks Überzeugung vor zwei Jahren von einem Mitglied der Bande kauft, um sie im Rhein-Main-Gebiet wieder zu Geld zu machen.

Unbemerkt bleibt das nicht

Unbemerkt bleibt das nicht. Dank einer Telefonüberwachung kann die Polizei mithören, dokumentiert das Geschäft zwischen Nord- und Südhessen gründlich und greift schließlich zu: Anklage! Die ist so wasserdicht, dass der 44-Jährige zumindest gesteht, zwei Kilo Marihuana aus Kassel von einem Mann namens Ibo erstanden zu haben. Der allerdings habe ihn zu dem Handel regelrecht gezwungen, indem er im Gegenzug für einen privaten 2000-Euro-Kredit die Gefälligkeit einforderte, beim Drogenverkauf rund um Frankfurt zu helfen.

Zu einem Treffen mit zwei Dietzenbacher Arabern und einem weiteren Vermittler, die die zwei Kilo kaufen wollten, sei er auch nur gegangen, um Ibo mit den Männern bekannt und sich dann ein selbstverständlich legales Leben zu machen.

Zu vier Jahren Haft verdonnert

Von dieser Geschichte glaubte das Gericht keine Silbe. Denn der inzwischen zu vier Jahren Haft verdonnerte und als Zeuge geladene Kasseler Ibo bezichtigte seinen hiesigen Landsmann, dass der von sich aus auf ihn zugekommen sei, um sich mit immer mehr leeren Versprechungen, aber meist zu leerem Portemonnaie kiloweise Marihuana zu ergaunern. Mehrfach habe der 44-Jährige die Drogen nicht oder nur teilweise bezahlen können. Und auch einige vom Angeklagten an Ibo vermittelte Drogenhändler, die angeblich zehn Kilo kaufen wollten, hätten nicht mal genug Geld für die erste Zwei-Kilo-Lieferung gehabt.

Diese Aussage, da unterschätzte der 44-Jährige den Wissensstand der Fahnder, deckte sich mit den Mitschnitten der Telefonüberwachung. Das kostete ihn in letzter Konsequenz die Glaubwürdigkeit – und die Freiheit.

Rubriklistenbild: © Pixelio.de/Chris

Kommentare