Platzmangel an Schule: Von Goethe zu Schiller

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Schilder, die den Protest der Schillerschüler ausdrücken, zieren den Eingang der Schule. Extreme Platznot und große Lärmbelastung sind die Hauptärgernisse.

Offenbach - Es ist nur eine Baustelle von vielen. Dafür ist sie besonders groß und heikel: Die Goetheschule kann die ihr zugedachten Grundschüler nicht mehr unterbringen; sie platzt seit 2011 aus allen Nähten. Von Jenny Bieniek und Konstanze Löw 

Doch die als Entlastung vorgesehene Hafenschule kommt später als erhofft – auf Grund von Schutzschirmverzögerungen frühestens zum Schuljahr 2017/18. Daher nimmt die Goetheschule in diesem Sommer wieder über ihre Kapazitäten Kinder auf, womöglich bis zu zehn erste Klassen. Das städtische Bildungsdezernat von Bürgermeister Peter Schneider hat sich inzwischen vom Plan verabschiedet, einige Goethe-Klassen mit Bussen zur Anne-Frank-Schule in Lauterborn pendeln zu lassen. Stattdessen soll es eine Interims-Lösung in unmittelbarer Nähe geben: Container auf dem Pausenhof der Schillerschule, einer Integrierten Gesamtschule.

Die Provisorien für eine halbe Million Euro sollen die Keimzelle der künftigen Hafenschule bilden – inklusive einer neuen Schulverwaltung. „Damit wäre eine vollkommene Unabhängigkeit gewährleistet“, so Schneider. Konkret ist die Rede von 50 ausgelagerten Buben und Mädchen im Schuljahr 2015/2016, im darauffolgenden noch einmal so viele. Begeistert ist von den Betroffenen niemand. An der Schillerschule regt sich Widerstand. Die Gesamtschüler protestieren gegen die Container, die ihren Hof verkleinern würden. Dem Bürgermeister halten sie Banner mit der Aufschrift „Container sind für Bananen da“ oder „Wir brauchen auch Platz“ entgegen. Er stand Schülern und Kollegium gestern Nachmittag Rede und Antwort.

Nicht die Grundschüler selbst sind das Problem: Die Entrüstung gilt vielmehr dem Fakt, dass ab Sommer Erstklässer mit pubertierenden Zehntklässlern konfrontiert werden sollen. „Ganz zu schweigen von unterschiedlichen Pausenzeiten und viel zu wenig Platz“ , sagt Schulleiterin Karin Marré-Harrak. Dass die Auslagerung der Erstklässler ausgerechnet zulasten der Schillerschule geht, ist das Ergebnis einer „intensiven Prüfung aller in Frage kommenden Schulen“, sagt Schneider. Anne-Frank- und Erich-Kästner-Schule fallen aus – wegen dann notwendiger Umbauarbeiten. Auf die Frage, warum die Leibnizschule mit ihrem großen Sportplatz als „Auffanglager“ nicht zur Debatte stehe, gibt es eine klare, ernüchternde Antwort: „Sie liegt nicht im Einzugsgebiet der Goetheschule“, erklärt der Grünen-Politiker. Dass die Situation aus pädagogischen Belangen nicht ideal sei, wisse er selbst. Dass die Grundschüler eine eigene Container-Toilette bekommen, ist da nur ein schwacher Trost.

Abi-Plakate aus der Region

Abi-Plakate 2015 aus der Region

Rechnerisch bleiben jedem Schüler nach dem Zuzug nur noch zwei Quadratmeter Hoffläche - Umstände, die die Schulgemeinde an Massentierhaltung erinnern. Auch an der Goetheschule gibt es Bedenken. Rektorin Gabriele Schranz sagt: „Ich sehe natürlich die Nöte der Stadt. Trotzdem sind wir mit dieser Lösung nicht glücklich.“ Ihre Grundschule steht inmitten vieler Neubauprojekte, das erschwert auch die Kapazitätsplanungen. Doch der Protest der Schillerschule dürfte nur ein letztes Aufbäumen gewesen sein, denn der Beschluss ist bereits gefasst. Die Sorgen des Schiller-Kollegiums bringt Lehrerin Cordula Sanzensacher auf den Punkt: „Wir haben Angst vor zu viel Lärm, zu wenig Platz und zu wenig Unterstützung beim Aufeinanderprallen der Altersklassen.“

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