Pandabär im Parlament

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Der Vorstand des Kinder- und Jugendparlaments (von links): Can Sancak (Vize-Vorsitzender), Mohamed Guemmi (Beisitzer), Hasan Afsin (Kassenwart), Lisa Lorbeer (Beisitzerin), Iman Bardaa (Vizevorsitzende), Sven Nagel (Vorsitzender) und Gülsüm Erbey (Schriftführerin).

Offenbach - Selten dürfte eine Zusammenkunft im Stadtverordnetensitzungssaal so unpünktlich begonnen haben: Mit mehr als 20 Minuten Verspätung begann die Versammlung des achten Kinder- und Jugendparlaments (KJP), bei der die Wahl des neues Vorstands oben auf der Tagesordnung stand. Von Jenny Bieniek

Knapp 70 Delegierte aus allen 26 allgemeinbildenden Schulen waren ins Rathaus gekommen, auch, um ihre künftigen Themen zu besprechen. Spiel- und Sportplätze, Veranstaltungen und Freizeitangebote für Offenbachs Jugend werden kommendes Jahr ihr Tun bestimmen. Was die aktive Beteiligung angeht, erinnert vieles an Szenen aus dem Berliner Bundestag: Hier werden munter private Schwätzchen gehalten, dort wird hingebungsvoll mit dem Handy gespielt.

Im Saal: Ein Querschnitt der Offenbacher Schulhofgesellschaft. Die Coolen hängen in letzter Reihe etwas abseits auf ihren Stühlen und posieren mit einer an den Rapper Cro erinnernden Pandabär-Mütze geduldig für die mobile Digitalgalerie. Die Kleineren sitzen etwas unsicher in den ersten Tischreihen und warten gespannt auf weitere Anweisungen.

Eine Woche zuvor hatten sich die Nachwuchspolitiker bei einem Wochenendseminar kennengelernt und sich ausführlich mit der Organisation und den Aufgaben des KJP beschäftigt. Damit auch die Vertreter des Kinderparlaments, das von Delegierten der Klassen 3 bis 5 gestellt wird, genau über die einzelnen Posten Bescheid wissen, hatten sie sich in einer separaten Sitzung zusätzlich Gedanken über politische Funktionen gemacht.

Reden wie die Großen

Dann geht es endlich los. Dennis Lat, ehemaliger Vorsitzender des am Mittwoch aufgelösten siebten KJP, begrüßt die Delegierten. Lat selbst steht für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung. „Ich mache im nächsten Jahr mein Abitur und bin dann weg“, erklärt der Leibnizschüler seine Entscheidung. „Der Vorsitzende sollte für die Mitglieder aber über die Schule erreichbar sein.“ Simon Isser, selbst ehemaliger KJPler und inzwischen Vorsitzender des CDU-Stadtbezirkverbands, beobachtet das Treiben von den Rängen aus.

Dann geht es ans Wählen, und schnell wird klar, dass die Nachwuchspolitiker eins schon können wie die Großen: Reden schwingen. Im Lauf der Sitzung kramen gleich mehrere Kandidaten Zettel mit sorgfältig vorbereiteten Reden aus den Hosentaschen. „Ich werde all eure Interessen im Parlament vertreten und immer für euch da sein“, lässt einer wissen.

Wöchentliche Treffen ab 28. November

Die Wahl des Vorsitzenden fällt eindeutig aus: Sven Nagel, bereits im Vorstand des siebten KJP aktiv, gewinnt das Votum klar mit 46 Stimmen. Bei der Wahl seiner Stellvertreter geht es schließlich in die Stichwahl. Das Auszählen kostet Zeit. „Das sind ja alles wirklich sehr liebevoll zusammengefaltete Kunstwerke, aber leider kostet das bei der Auswertung sehr viel Zeit“, gibt Bildungsreferentin Sabine Greilich zu bedenken.

Später gratuliert Reinhard Knecht vom Referat Ehrenamt dem neuen Vorstand und lobt den ehrenamtlichen Einsatz: „Es wird ja heute oft geschimpft über fehlendes Engagement unter Kindern und Jugendlichen. Diese Jung-Delegierten aber wollen im parlamentarischen Wesen etwas für ihre Stadt verändern. Was da vorgetragen wird, geht später auch in die große Politik“, betont er. Ab 28. November treffen sich die Jung-Parlamentariar wöchentlich, um Vorhaben und Ziele zu diskutieren.

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