Sauberer Main

Säcke voller Wohlstandsmüll

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Was andere wegwarfen, sammelten am Samstag Offenbacher Parlaments-Kinder auch auf dem „ Kulturgleis“ am Main ein.

Offenbach - „Wir wollen hier am Main sauber machen, damit sich alle wohlfühlen und die Natur genießen können. “ Mia und die anderen Kinder, die zum Kulturwaggon unweit des Schlosses gekommen sind, zählen zur Kinderfraktion des Offenbacher Kinder- und Jugendparlaments (KJP). Von Harald H. Richter

Ihr gehören Delegierte aus der 3. bis 6. Klassenstufe aller Offenbacher Schulen an. Ihre Aufgabe sehen sie darin, dass in der Stadt die Interessen Gleichaltriger stärker beachtet werden und Offenbach zu einem Ort wird, an dem auch die junge Generation zufrieden leben kann.

In den vergangenen Wochen haben die Kinder sich eingehend mit dem Thema „Sauberer Main“ beschäftigt. Nach einer Ortsbegehung ging ein Brief an den Dienstleister ESO mit dem Verlangen nach mehr Reinigungen. Denn gerade in der wärmeren Jahreszeit nutzen viele Einwohner Damm und Uferweg für Spaziergänge, zum Spielen und Sport treiben, zum Entspannen oder fürs Picknick. Doch nicht alle entsorgen ihre Hinterlassenschaften in die dafür aufgestellten Behälter, so dass allerhand Abfall die Gegend verschandelt. „Viele Leute ärgern sich über den Dreck, und wir auch“, sagt der kleine Taosif und fügt hinzu: „Dabei soll man doch Respekt vor der Umwelt haben.“

Müllsau-Mentalität den Kampf angesagt

Etwa 20 Mädchen und Jungen sowie einige Eltern, die ihre Sprösslinge bei der Reinemacheaktion unterstützen, sagen nun der Müllsau-Mentalität auf den Mainwiesen den Kampf an. Beherzt greifen sie zu Greifzangen und schwärmen in beide Richtungen aus, ihre noch leeren Abfallbeutel geschultert. Zwei Stunden später zeugt eine stattliche Anzahl aufgehäufter Säcke davon, wie viel Wohlstandsmüll sich angesammelt hat.

Yasin (9) und sein kleiner Bruder Tarik nehmen sich die Treppenstufen am Hang vor, auf denen reichlich Kronkorken verstreut liegen, die von manchem Zechgelage künden. Auch zerbrochenes Flaschenglas spüren die beiden Jungen auf und befördern die gefährlichen Scherben in ihren Müllsack. Andere Mitstreiter aus der Kinderfraktion haben Rückstände eines Lagerfeuers und einen kaputten Regenschirm entdeckt.

Kai (13) und seine jüngere Schwester Katja erklimmen die Uferböschung zwischen Kulturgleis und Spielplatz. Die beiden Bieberer staunen nicht schlecht, was sich da alles zutage fördern lässt. Nach und nach wandern Getränkedosen und Imbissverpackungen, dazu gehörenden Plastikbestecke und Essensreste in den Müllsack. Sogar ein Paar Socken findet sich unweit einer Ruhebank. Die neunjährige Katja rümpft die Nase: „So was ist echt eklig.“

Unrat zieht Getier an

Der Unrat zieht allerlei Getier an. Daher mussten in jüngster Zeit, vor allem nahe der Spielanlage, Rattenfallen aufgestellt werden, um der Nagerplage Herr zu werden. Eine bei der Aktion mithelfende Mutter empört sich: „Unglaublich, dass manche Leute einerseits ihre Kinder unbesorgt auf dem Platz spielen lassen und es gleichzeitig nicht fertigbringen, ihren Abfall ordentlich zu beseitigen.“

Und ist erst einmal eine Ratte da, lassen die nächsten nicht lange auf sich warten. Die jungen Umweltschützer stochern derweilen im Sand und ziehen mehrere Zigarettenpäckchen und einen Faserstift daraus hervor. „Wenn den ein kleines Kind in den Mund steckt, ist das bestimmt nicht gesund“, ist Katja überzeugt.

Einzelne Passanten werden auf die jungen Umweltaktivisten aufmerksam. Daher scheuen die Kinder auch nicht das Gespräch mit den Erwachsenen, um ihr Anliegen zu erklären und das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass ein Naherholungsgebiet wie das Mainufer nur dann seinen Zweck erfüllt, wenn alle, die es nutzen, ein paar Spielregeln einhalten.

Bilder von der Aktion „Sauberhaftes Dietzenbach“

Dietzenbach wieder „sauberhaft“

Am Ende der Sammelaktion werden die Kinder vom Ehrenamtsbeauftragten der Stadt, Reinhard Knecht, mit süßen Überraschungen belohnt. Jeder Helfer bekommt unter anderem einen goldenen Schokotaler mit der Prägung „Stadt der starken Typen“ und weitere Leckereien. „Eure Aktion beweist, dass es sich lohnt, gemeinsam etwas für seine Heimatstadt zu tun. Daran kann sich mancher Erwachsener ein Beispiel nehmen“, lobt Knecht.

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