Kinder der Sonne trotzen Schnee und Eis

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Nicht etwa ein tanzender Vorgarten erfreute die Gäste der Fremdensitzung des Gesangvereins Heiterkeit mit einer choreographischen Darbietung, sondern die Uschi-Garde aus Bornheim.

Offenbach ‐ Gar nicht heiter: Der starke Schneefall am Samstagnachmittag zwang die Organisatoren der Fremdensitzung des Gesangvereins zu Programmänderungen. Von Denis Düttmann

Sängerin Caro aus Tirol meldete bereits am frühen Abend, dass sie bei München im Stau feststecke und auch die Majoretten aus Rödermark sagten ihren Auftritt wegen der schwierigen Verkehrslage ab. Wer es jedoch trotz vereister Straßen in das Bürgerhaus Rumpenheim geschafft hatte, erlebte einen fröhlichen Karnevalsabend mit Tanz, Gesang und humoristischen Vorträgen. Nach dem Einzug des Elferrates unter dem Vorsitz von Präsident Wolfgang Dubrall stimmte die Uschi-Garde der Bornheimer Stutzer das närrische Publikum mit einem klassischen Gardetanz auf die fünfstündige Sitzung ein. Die Mädchen ließen in ihren orange-blauen Kostümen die Beine fliegen und wirbelten zum Takt der Musik über die Bühne.

Bereits beim Auftritt der Berjler hielt die Zuschauer nichts mehr auf ihren Stühlen. Die vierköpfige Band lockte das Publikum zunächst mit einem Ernst-Neger-Medley aus der Reserve und forderte dann mit „Hölle, Hölle, Hölle“ und „Ein Stern“ vollen Einsatz zwischen den Sitzreihen. Mit „Rumpenheimer Nächte sind lang“ formulierte Sänger Lothar Maul dann auch gleich das Motto für den Abend.

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Sitzung des Gesangvereins Heiterkeit

In einem roten Pailletten-Jacket und mit einer Melone auf dem Kopf näselte und stotterte sich Charly Engert als „Bodoooo“ durchs Programm. Bereitwillig teilte er seinen umfangreichen Erfahrungsschatz mit den Gästen und gab so manche Lebensweisheit zum Besten. „Lieber Himbeergeist als gar kein Verstand“, findet der Karnevalist, denn: „Halb besoffen ist raus geschmissenes Geld.“ Die Freuden der Ehe und der Kampf der Geschlechter bieten traditionell ein schier unerschöpfliches Repertoire an Scherzen für die Bütt – auch Bodo bedient sich hier großzügig und macht so manchen Witz auf Kosten seiner Frau. „Meine Frau hat kürzlich auf einer Schönheitsfarm eine Schlammpackung bekommen“, erzählt Bodo. „Zwei Tage lang sah sie ganz toll aus – dann ist die Maske abgebröckelt.“

Doch bei allen Sticheleien ist es auch in langjährigen Beziehungen wichtig, dem Partner zu sagen, was man am anderen eigentlich mag. Und so antwortet Bodo auf die Frage seiner Frau, was ihm an ihr gefalle - ihr guter Charakter oder ihre tolle Figur - mit entwaffnender Offenheit: „Dein Humor.“ Auch bei Agathe und Egon kriselt es manchmal und das nicht erst seit kurzem. „Unseren ersten Ehekrach hatten wir schon auf dem Standesamt“, erinnert sich Egon. „Weil meine Frau unbedingt mit aufs Hochzeitsfoto wollte.“ Doch auch den schlimmsten Streit kann man beilegen - wenn es nicht anders geht, eben mit einem großzügigen Geschenk. Zur silbernen Hochzeit will Egon seiner Agathe deshalb eine Reise auf die Malediven schenken. „Spätestens zur goldenen Hochzeit hole ich dich wieder ab“, verspricht er.

Sitzung mit den bewährten närrischen Zutaten

Das ganz große Thema – den Kampf zwischen Gut und Böse – brachten die Tänzerinnen der Uschi-Garde zu monumentalem Vangelis-Sound auf das Parkett. Die Kinder der Sonne rangen mit den düsteren Schergen der Unterwelt um die Herrschaft – ein choreographischer Schlagabtausch, den letztlich keiner gewinnen konnte. Nach der Pause erzählte Peter Margel als „Dappes“ die eine oder andere Anekdote aus seinem Alltag und Jens Niklas gab den strengen „Müllsheriff“. Die Frauengarde der Blau-Weiß-Roten Mozart-Husaren zeigten noch einmal einen traditionellen Gardetanz, bevor das Männerballett der Bornheimer Stutzer als Höhepunkt das närrische Finale einläutete.

Die Gäste der Heiterkeit erlebten am Samstagabend eine abwechslungsreiche Sitzung mit den bewährten närrischen Zutaten: Tanz, Gesang und Büttenreden. Der Weg durch Schneeverwehungen und über vereiste Straßen hatte sich für die wetterfesten Narren wirklich gelohnt.

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