Nicht nur Essensausgabe

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Die Geschenke verteilt Christine Sparr auf dem Weihnachtsmarkt an Kinder, die sonst keine bekommen.

Offenbach - Die Liste ist lang, die Christine Sparr noch abzuarbeiten hat bis zum Kinder-Weihnachtsmarkt der Tafel am kommenden Samstag. Aber lästige Mühe macht ihr nicht, was zu erledigen ansteht. Im Gegenteil, es ist ihr Kinderfest. Von Bettina Link

Die Seele des Offenbacher Ablegers der Frankfurter Tafel zückt den Block, auf dem sie sich notiert hat, wo sie noch die übrigen Spenden abholen muss: „Halb Offenbach beteiligt sich und macht es möglich, dass wir wieder einen Weihnachtsmarkt für die Kinder auf die Beine stellen können.“

Das Kerntechnikunternehmen AREVA hat 5000 Euro an die Offenbacher Tafel gespendet. Die Spende wird zu einem wesentlichen Teil für die Nutzung der drei Fahrzeuge benötigt, die die Offenbacher Tafel betreibt. Allein die Benzinkosten dafür belaufen sich auf rund 400 Euro monatlich.

Und dabei kriegt sie professionelle Hilfe. Klaus Kohlweyer, der Organisator des Offenbacher Weihnachtsmarktes organisiert die Zelte und spricht mit den Beschickern, ob sie etwas zum Markt der Tafel beisteuern können. Auch der ESO, die EVO und das THW leisten ihren Beitrag, dass der Weihnachtsmarkt zu einem schönen Ereignis für die Kinder wird. Denn ein Weihnachtsmarkt gehöre einfach zur Vorweihnachtszeit, befindet Christine Sparr: „Und ich möchte, dass es sich jeder leisten kann, über einen Markt zu bummeln, ohne dabei ständig das Portemonnaie im Blick zu haben.“ Die Organisatorin, die mit 16 Helfern den Markt für arme Offenbacher Kinder organisiert, sammelt schon seit Oktober für die Tombola.

Jedes Kind soll ein Geschenk mit nach Hause nehmen können

Jedes Kind soll ein Geschenk mit nach Hause nehmen können. „Jedes Los gewinnt, es gibt keine Nieten“, verspricht sie. Nicht nur private Haushalte, sondern auch verschiedene Firmen unterstützen den Weihnachtsmarkt mit Sachspenden. „Alle helfen bereitwillig mit. So müsste es das ganze Jahr sein“, wünscht sich Christine Sparr. Denn die Tafel ist ganzjährig für immer mehr Menschen eine wichtige Anlaufstelle geworden, und die Spenden sind nicht immer so umfangreich wie zur Weihnachtszeit.

Das Kaufhaus M. Schneider hilft helfen. Es hat Weihnachtskarten drucken lassen und verkauft sie für je einen Euro: Der Erlös geht direkt und zu 100 Prozent an die Kinder der Offenbacher Tafel. Aus dem Gesamterlös werden Geschenke für die Weihnachtsmarkt-Tombola gekauft.

Aus Offenbach unterstützt ein Drittel der Lebensmittelmärkte die Essensausgabe. Das reicht nicht aus, deshalb steuert dienstags und donnerstags die Frankfurter Tafel zwei Drittel zum Offenbacher Bedarf zu. „Wir brauchen immer mehr“, sagt Christine Sparr. Zu ihr kommen nicht nur Arbeitslose, sondern auch Menschen, die trotz Jobs nicht über die Runden kommen. An einem Tag werden oft 263 Haushalte mit Lebensmitteln versorgt. Doch das sind längst nicht alle, die auf die Hilfe angewiesen sind. „Es gibt sehr viele, die sich schämen zu uns zu kommen“, weiß die Leiterin. Deswegen hat sie mit Pfarrer Hans Blamm in der Marienkirche noch eine weitere Ausgabestelle eingerichtet. „Den Menschen fällt es leichter, zum Pfarrer zu gehen“, sagt sie. Sie und ihr Team bringen Lebensmittel auch zu jenen Menschen nach Hause, die nicht zur Ausgabe kommen können, aber auf die Hilfe der Tafel angewiesen sind.

„Die Tafel ist längst nicht mehr nur Essensausgabe“

„Die Tafel ist längst nicht mehr nur Essensausgabe“, betont Christine Sparr. Es geht auch darum, Familien mit Sachspenden zu versorgen. Ein offenes Ohr für die Sorgen der Menschen muss immer sein: „Wir versuchen immer eine Lösung zu finden – für alles.“

Über jede Spende ist die Tafel dankbar. Vor allem über großzügige Menschen, die – aufgerüttelt von einem Artikel unserer Zeitung –einmal im Monat für bedürftige Kinder oder Rentner einkaufen gehen, freut sich Christine Sparr. Bei der Spendenverteilung macht sich das Team die Entscheidung nicht leicht. „Wir prüfen immer wo der Bedarf am größten ist.“

Die Organisatorin ist täglich unterwegs, um Spender zu finden und Lebensmittel einzusammeln: „Mir sitzt dabei immer die Angst im Nacken, dass ich eine Absage bekomme.“ Doch bisher habe immer alles geklappt. Vor allem für den Weihnachtsmarkt. „In meinem Keller sieht es aus wie beim Weihnachtsmann“, jubelt Christine Sparr. Jeder gibt, was er kann. Das ist auch das Motto des Weihnachtsmarkts. Die Besucher zahlen für Würstchen und Punsch das, was sie können.

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