Kinderherzen erwärmen

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Im Wichtel-Zelt, eines von mehreren, das die Tafel zum Weihnachtsmarkt auf dem Mathildeplatz aufgebaut hat, basteln die Kleinen Geschenke.

Offenbach - Zu Dutzenden drücken Kinder sich ihre Nasen platt am großen Schaufenster des Stadtteilbüros am Mathildenplatz und blicken staunend auf das, was sich ihnen offenbart. Von Harald H. Richter

Drinnen ist das wohl schönste Spielwarensortiment Offenbachs aufgebaut: ein halbes Dutzend funkelnagelneue Fahrräder, zwei Bobbycars, grellbunte Skateboards, Baby- und Kinderpuppen inmitten unzähliger großer und kleiner Pakete, alle liebevoll verpackt und mit Geschenkanhängern versehen, auf denen das empfohlene Alter der späteren Empfänger vermerkt ist.

Mit Hilfe unzähliger Förderer hat die Offenbacher Tafel Hunderte Präsente und Süßigkeiten für Kinder Bedürftiger sammeln können. Zu einem symbolischen Lospreis von einem Euro werden diese zum Höhepunkt der zweitägigen Veranstaltung ausgeteilt. Kein Kind wird leer ausgehen. Doch noch ist es nicht soweit.

Da Vorfreude bekanntlich die schönste Freude ist, wird erst einmal an und in den im Halbrund um die Bühne gruppierten Pavillons miteinander gefeiert. Institutionen wie das Starthaus, die Italienische Mission, die Caritas und Soupreme sind zum wiederholten Mal dabei, das Kinderhospiz Frankfurt und die Seniorenhilfe Offenbach erstmals. Angeboten werden Basarartikel aller Art – von bemalten Stoffbeuteln über Gestricktes und Gehäkeltes bis zu lustigen Zugluftstoppern und selbstgemachten Konfitüren.

Mittendrin im Geschehen die gute Seele der Veranstaltung, Christine Sparr, auf deren Initiative dieser Weihnachtsmarkt zurückgeht. Ihr ist es auch bei dieser vierten Auflage wichtig, bei den Besuchern für einige Stunden materielle Not vergessen zu machen und Kinderherzen zu erwärmen. „Mit unserem Weihnachtsmarkt wollen wir jene Menschen erfreuen, die nicht das Geld für Präsente aufbringen können, die sie ihrem Kind zu Weihnachten schenken möchten“, sagt sie.

Viele Wohltäter haben einen Beitrag zum Gelingen geleistet, allen voran Gönner Klaus Kohlweyer. Ebenso Jörg Groh und sein Audiologic-Team, das die Technikanlage auf der Bühne stellt, auf der Marcus Schenk vom Quartiersmanagement den Moderator gibt. Aber auch EVO und ESO, das THW und der Arbeiter Samariter Bund reihen sich ein in die Schar der Unterstützer.

Christine Sparr deutet auf über 120 Spielwaren-Päckchen, die diesmal wiederum von Mitarbeitern der Bad Homburger Lilly Pharma gespendet worden sind. Offenbachs Rotary Club hat die sechs Fahrräder als Hauptpreise gestiftet. Und während der Weihnachtsmarkt bereits in vollem Gange ist, werden noch Geschenke von Mitbürgern abgegeben, denen es ein Anliegen ist, Gutes zu tun.

Der diesmal besonders üppige Geschenkeberg erklärt sich dadurch, dass die Tafel in Offenbach Anfang des Jahres vom Spielwarenhersteller Mattel eine Spende von 18.000 US-Dollar erhielt, von der zunächst ein Kühlfahrzeug für die Auslieferung der Lebensmittel an Bedürftige finanziert werden konnte. Für umgerechnet 6000 Euro besorgte Christine Sparr noch Spielzeug und Geschenkgutscheine.

An beiden Tagen des Wochenendes wird in den Pavillons auf dem Platz gemalt und geschminkt, entstehen Glitzer-Tattoos und bunte Zeichnungen. Im winterlich-weißen Frau-Holle-Zelt sind Kinder dabei, Kissen und Bezüge zu bekleben und zu verzieren. Im Wichtel-Zelt werden kleine Schachteln aus Pappe gebastelt, um damit Eltern oder Großeltern an Weihnachten eine Freude zu machen. Ein weiterer Anziehungspunkt ist das beheizte Bücherzelt. Dort erwartet Derya Ugurluay in wohlig-warmer Atmosphäre junge Leseratten zum Schmökern, teilt Bilderbücher aus und liest auch gern das eine oder andere Kapitel vor.

Obwohl besonders für Kinder aus andersgläubigen Familien das christliche Weihnachtsfest nicht die herausragende Bedeutung hat, sind ihnen die Symbole vertraut. Das wird auf zahlreichen Zeichnungen erkennbar, die im Malzelt entstehen. Ein Steppke weiß zu berichten, dass jener Bischof mit Namen Nikolaus alles, was er besaß und darüber hinaus noch erbetteln konnte, an Arme und an Kinder verschenkte.

Genau das ist die Botschaft auf dem Mathildenplatz. Und so herrscht zur Verteilung der über 600 Präsente an die riesige Schar erwartungsvoller Mädchen und Jungen ein einziges Lärmen und Drängen, wird klopfenden Herzens entgegengenommen und ausgepackt, was auch diesmal Kinder glücklich macht. Für Christine Sparr sind es die schönsten Momente im Jahr.

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