Kinderkiste sucht neues Zuhause

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Ball spielen ist hier verboten. Ansonsten hat die Kita Kinderkiste einen ganz normalen Spielplatz – nur viele Meter weiter oben.

Offenbach - „45 Kinder und ihre Erzieher brauchen neues Zuhause in Offenbacher Innenstadt: angemessen große Räume plus Außengelände; kinderfreundlicher Vermieter von Vorteil.“ Gäbe die Kita an der Ziegelstraße eine Immobilienanzeige auf, so könnte sie lauten. Von Katharina Hempel

„Wir suchen schon seit Jahren einen neuen Standort. 2006, als ich die Leitung übernommen habe, war das mein erster Auftrag“, berichtet Heike Hartmann, Leiterin des Kindergartens Kinderkiste. So heißt die Kita auf dem Dach des Toys’R’Us-Gebäudes seit Januar.

„Mit dem neuen Namen wollten wir immer warten bis wir neue Räume haben. Dann haben wir aber gemerkt, dass das eine längere Geschichte wird“, sagt Heidi Bauch, Bereichsleiterin beim Internationalen Bund (IB), dem Träger der Kita. Darum kam mit dem Jahres- auch der Namenswechsel.

Neue Räume für Betreuungseinrichtung nicht in Sicht

Ansonsten bleibt alles beim Alten: Neue Räume für die Betreuungseinrichtung sind nicht in Sicht. Gerüchte, dass das Hochhaus an der Berliner Straße 2015 abgerissen werden soll, reißen nicht ab. Und der Eigentümer, die Alzeyer Grundstücksgesellschaft Dr. K.-H. Kipp und Partner, scheint auch kein Interesse mehr daran zu haben, seine Immobilie wiederzubeleben.

„Das Aussehen des Gebäudes ist schon ein Entscheidungskriterium für die Eltern. Es ist ab der fünften Etage stillgelegt, der Aufzug bleibt immer wieder stehen, und eine Toilette hier oben friert im Winter immer ein, weil ihre Rohre am Boden offen liegen“, zählt Kita-Chefin Heike Hartmann ein paar der Probleme auf. Sie fügt hinzu: „Die Betreuung durch den Hausmeister an Ort und Stelle ist gut, da können wir uns überhaupt nicht beschweren. Die Mängel liegen in der Bausubstanz. Soweit wir konnten, haben wir unsere Räume in den letzten Jahren selbst renoviert.“

Der Mietvertrag des Internationalen Bundes für das Dachgeschoss an der Ziegelstraße 27 ist auf den 1. März 1994 datiert. „Schon seit 18 Jahren ist der Internationale Bund als Träger hier oben. Aber schon vorher war es ein Kindergarten. Als solches war die Penthouse-Etage von vornherein geplant“, weiß Heidi Bauch.

Hell und großzügig ist die Kinderkiste geschnitten: Innen spielen die Kleinen auf 360 Quadratmetern, draußen haben sie nochmal 400 Quadratmeter, um zu toben, zu klettern und im Sand zu spielen.

Haupteinzugsgebiet ist Mathildenviertel

Im Moment kümmern sich in Offenbachs höchstgelegener Betreuungseinrichtung neben der Leiterin sechs weitere Mitarbeiter um 43 Kinder, darunter eins mit besonderem Förderbedarf. „Fast 100 Prozent sind Migrantenkinder, die Hauptaltersgruppe liegt zwischen drei Jahren und Schulalter. Unser Haupteinzugsgebiet ist das Mathildenviertel“, beschreibt Pädagogin Hartmann die Struktur der Kinderkiste.

Deswegen möchten sie und Bereichsleiterin Bauch nur ungern die Innenstadt verlassen. Doch die Suche ist ein großes Problem. Ein Außengelände muss sein. Ein Vermieter, der nichts gegen Kinder hat, ebenfalls. „Wir würden unsere Einrichtung auch gern um einige Plätze erweitern, wenn wir die Räumlichkeiten dafür hätten“, sagt Bauch, „Wir sind aber flexibler geworden und würden die Kita aufteilen, wenn wir nichts finden, was groß genug für alle wäre“, fügt ihre Kollegin Hartmann hinzu.

Egal wie sie es drehen und wenden, es scheint unmöglich, etwas Passendes zu finden. „Seit fünf Jahren kann ich das gut beobachten: Auf dem Immobilienmarkt tut sich einfach nichts. Es stehen immer dieselben Gebäude leer“, stellt die Leiterin der Kinderkiste klar. Sogar andere Dächer hat sich der Internationale Bund schon angeschaut. Hilfe von der Wirtschaftsförderung bekommen sie auch. „Die Stadt ist kooperativ und würde uns helfen, aber es findet sich einfach nicht das geeignete Objekt“, so Bauch.

Heimat für Kinderkiste mss gefunden werden

Bis Ende 2015 läuft der Hauptmietvertrag der Metro AG, zu der der Spielwarenladen in den unteren Etagen gehört. „Wer weiß, was dann passiert? Wo finden wir dann Platz?“, fragen die beiden Frauen. Deswegen muss bis dahin eine Lösung beziehungsweise eine neue Heimat für die Kinderkiste gefunden werden. Ansonsten müsste sie schließen.

Heidi Bauchs Traum wäre es, wenn das Gebäude grundsaniert würde und die Kindertagesstätte das ganze Dach bekäme. Links und rechts von dem Penthouse sind noch jeweils zwei fast 700 Quadratmeter große Flächen frei. „Das wäre auch langfristig eine Perspektive“, sagt Bauch.

„Das Dach wäre dafür ausgerichtet. Das habe ich beim Architektursommer erfahren“, weiß Heike Hartmann. Dem Vermieter und dem Mitmieter Metro gegenüber haben sie diesen Wunsch schon geäußert. Aber diese seien in ihrer Planung noch nicht so weit.

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