Für ein Kino mit Anspruch

Offenbach - Die aktuelle Kino-Kost ist leicht verdaulich oder nur schwer zu ertragen: Vor allem junges Publikum schmachtet den „Womanizer“ an oder steht auf den „Terminator“. Für eine kulturelle und kreative Stadt wie Offenbach ist das zu wenig, findet der SPD-Stadtverordnete Lutz Plaueln. Von Martin Kuhn

In einem Antrag der Koalitionsfraktionen regen die Lokalpolitiker an, über das Forum Kultur ein Kommunales Kino zu initiieren.

Plaueln wünscht ein ganzjähriges, anspruchsvolles Filmangebot: „Dabei sollte eine Zusammenarbeit mit HfG, Filmschaffenden, Hafen 2, Cinemaxx oder Volkshochschule angestrebt werden.“ Besonders wichtig ist dem Sozialdemokraten, dass ambitionierte Hobby-Filmer und HfG-Studenten die Möglichkeit bekommen, ihre Produktionen den Offenbachern vorzustellen: „Sie gewinnen Filmpreise, nehmen an Wettbewerben teil und werden in Museen in ganz Deutschland gezeigt. Nur in Offenbach selbst gibt es nur selten die Möglichkeit, sich die Filme anzuschauen“, bedauert Plaueln. So müsse künftig keiner nach Cannes fahren, um Offenbacher Filmwerke zu bestaunen.

Damit will Offenbach aufschließen zu einem bundesweiten Netzwerk. Etwa 140 kommunale Kinos sind derzeit im Bundesverband kommunale Filmarbeit zusammengeschlossen, der die Genres Spielfilm, Kurzfilm, Dokumentarfilm gleichermaßen pflegt. Es ist Kunst abseits von Hollywood. Das Programm kommunaler Einrichtungen verbindet Altes und Neues, Östliches und Westliches und kümmert sich besonders um das deutsche und europäische Filmschaffen.

Das ist alles freilich nicht neu: Anfang der 70er Jahre entwickelte der damalige Kulturamtsleiter Manfred von Keitz mit dem Offenbacher Kino-König Kurt Schreiner die Idee, ein kommunales Kino für - man höre - „künstlerisch anspruchsvolle Filme“ ins Leben zu rufen. Im Gegensatz zu heute gab es konkrete Vorstellungen, was das kosten sollte - im Jahr 20  000 Mark aus dem Stadtsäckel. Heute ist man da etwas findiger. In einer Mitteilung der SPD heißt es: „Zur Finanzierung der nichtkommerziellen Programme würden Fördergelder der Länder für Kommunale Kinos und Filmfördergelder für hochwertige Kinoprogramme herangezogen. Weitere Finanzierungsquellen seien Spenden, Eintrittsgelder und ein gastronomisches Angebot.“

Es bleibt die nicht ganz unberechtigte Frage, ob das ausreicht. Schließlich kam irgendwann Ende des 80er Jahre in Offenbach wieder das Aus des kommunalen Angebots, das anfangs in die HfG, später ins Ledermuseum lockte. Kulturamts-Vize Ludo A. Kaiser erinnert sich: „Es hat sich am Ende nicht gerechnet, weil kaum noch jemand zu den Filmen kam.“ Es mag auch daran gelegen haben, dass weder eine Hochschule, noch ein Museum über die geeigneten Räumlichkeiten verfügen.

Allerdings scheiterte Jahre später in Offenbach auch ein privater Betreiber mit einem gehobenen Programm für Cineasten. Im September 1988 öffnete das „Broadway“, setzte in der Kaiserstraße 14 fortan auf Film-Kunst und -Klassiker („Out of Rosenheim“, „Das doppelte Lottchen“) anstelle von Schmuddelstreifen im ehemaligen Sexkino. Aber dort gingen die Lichter ebenfalls aus - zum 1. Mai 1998. „Für uns hat sich das Haus noch nie gelohnt“, bekannte damals der Geschäftsführer der Georg Reiss GmbH. Im ehemaligen Kino-Saal stapelt sich heute das Angebot eines Lebensmittel-Discounters; übrigens wie eine Ecke weiter im ehemals größten Offenbacher Kino - dem Universum.

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