SPD kippt Fraktionschef

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Eingesetzt: Andreas Schneider

Offenbach - Für den Spitzenkandidaten der SPD kam es ebenso überraschend wie für seine Parteifreunde und die Öffentlichkeit: Bei der konstituierenden Sitzung der neuen Fraktion trat ein Gegenkandidat zum bisherigen Vorsitzenden Stefan Färber auf. Von Thomas Kirstein

Bei der anschließenden Kampfabstimmung votierten zehn der 18 anwesenden Stadtverordneten (eine fehlte) für Andreas Schneider. Der 41-jährige Wirtschaftsingenieur ist seit 2001 Mitglied der Fraktion.

Der Bieberer Färber, 61 und Personalrat beim Bundesamt für Außenwirtschaft, gehört dem Parlament seit 1985 an und führte die Genossen-Riege, seit sein Vorgänger Horst Schneider 2004 zum Bürgermeister gewählt wurde. 2005 brüskierte er Schneider, inzwischen OB, und SPD-Chef Stephan Wildhirt, als er sich - erfolglos - zur Kampfkandidatur gegen den als Kämmerer designierten Ex-Löbro-Manager Kämmerer Michael Beseler aufschwang.

Die Gegenkandidatur kam zwar ohne Ansage. Dass Teile von Fraktion und Partei mit Färbers eher moderatem Führungs- und Verhandlungsstil unzufrieden waren, machte indes schon länger die Runde. In der vor der Kommunalwahl siegesgewissen SPD war es offenbar schon ausgemachte Sache, als wieder stärkste Fraktion den ausgleichenden Bieberer zum Stadtverordnetenvorsteher hochzuloben. Diesen Plan machten die Wähler zunichte, in den ehrenamtlichen Magistrat mochte sich der Spitzenkandidat offenbar nicht abschieben lassen.

Auferstehung der „Stalin-Allee“?

„Mir wurde kurz vor der Wahl signalisiert, dass ich nicht die gesamte Unterstützung der Partei haben würde“, sagte Färber gestern und betonte, er sei jetzt keinesfalls am Boden zerstört. Dass es einen Gegenkandidat geben werde, sei freilich für ihn nicht abzusehen gewesen. Die Unzufriedenheit habe er schon gespürt: „Ich habe wohl zu geräuschlos gearbeitet, um die Koalition einigermaßen harmonisch hinzukriegen, manchen in der Fraktion kommt’s aber drauf an, Dominanz zu zeigen.“

Das soll jetzt der bislang eher unauffällige Andreas Schneider gegenüber den möglichen Partnern richten; nicht einfach angesichts der siegreich erstarkten und verstärkten Grünen, aber da ist ja jetzt noch als neuer Stellvertreter der gern polternde Harald Habermann. Wunschkandidat der Anti-Färber-Truppe (Genossen sprechen schon von einer Auferstehung der „Stalin-Allee“, wie die Offenbacher SPD-Linke in den 80ern hieß) war er nicht. Das war Verwaltungsrichter Holger Hinkel, der lehnte aber aus beruflichen Gründen ab, macht lieber, neben Gertrud Marx, den dritten Vize.

Hohe Fluktuation soll ein Ende haben

„Waldhof-Bürgermeister“ Peter Janat, dem man die Fraktionsführung auch zugetraut hätte, gilt als nicht mehrheitsfähig. Der Unterbezirksvorsitzende Dr. Felix Schwenke selbst wollte noch nicht an die Front - die Herausforderungen als frisch gebackener Studienrat und Parteichef reichen ihm. Vom neuen Fraktionschef erwartet er, dass er „die SPD-Positionen auch innerhalb einer Koalition deutlich macht“. Was nicht heißen solle, dass die SPD zur neuen Krawallpartei werde, meinte Schwenke. Verlässliche und seriöse Politik sei weiter geboten.

Neu-Fraktionschef Andreas Schneider legte dar, die Veränderung habe nichts mit dem Wahlausgang zu tun. Unter seiner Führung soll es in der Parlaments-SPD auch intern „in Richtung Effizienz“ gehen. Die hohe Fluktuation in der Fraktion, die er auf Unzufriedenheit zurückführt, soll ein Ende haben. Dem Genossen OB Schneider sichert er volle Unterstützung im Direktwahlkampf zu, den potentiellen Partnern kündigt er an, künftig werde mehr gegengehalten.

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