Kirche protestiert gegen den Fluglärm

Offenbach - Das Gebet laute „Vater unser im Himmel“, sagt Ulrich Knödler, der stellvertretende Dekan der evangelischen Gemeinden Offenbachs und der Pfarrer, der an der Waldstraße in der Lutherkirche predigt. Von Stefan Mangold

Nach dem christlichen Glauben diene der Himmel, wenn auch symbolisch gesprochen, „als Wohnung Gottes“. De facto beherrscht jedoch der Frankfurter Flughafen schon seit Jahrzehnten den Himmel über Offenbach. Erst recht, seitdem die Maschinen wegen der neuen Landebahn stereo über die Stadt fliegen.

Gestern hängen Vertreter der evangelischen Kirche an der Lutherkirche ein Banner auf, welches die Ansprüche des Flughafen-Betreibers bestreitet: „Der Himmel gehört nicht der Fraport“, heißt es in gelber Schrift auf lila Hintergrund. Das gleiche rund acht Meter lange Tuch zieht auch an der Markuskirche in der Oberen Grenzstraße und an der Schlosskirche in Rumpenheim die Aufmerksamkeit auf sich .

„Die Grenzen sind überschritten“, konstatiert Dekanin Eva Reiß, „die Grenzen des Wachstums des Flughafens“. Im Nachhinein, so die Dekanin, müsse man sich fragen, ob die evangelische Kirche im Mediationsverfahren mit Vertretern der Landesregierung und der Fraport „nicht zu blauäugig war“. Auf die Mediation habe sich die Kirche durch die Erfahrungen an der Startbahn-West in den achtziger Jahren eingelassen.

„Schließlich gab es damals Gewalt und Tote“, wie Anja Harzke, Pfarrerin für Ökumene, erinnert. Letztendlich hätten die Gespräche zwar zur Ruhe im Vorfeld mit beigetragen, „doch das Ergebnis stimmt mit den Zusagen nicht überein“. Die Kirche sei davon ausgegangen, „dass die Leute meinen, was sie sagen und ihr Wort nicht brechen“. Auch die vielen Arbeitsplätze, welche es angeblich habe geben sollen, „suchen wir vergeblich“. Die meisten von denen, die tatsächlich entstanden seien, „sind die für Billiglöhne“.

Wortbruch: Zusagen nicht eingehalten

Als schlimmsten Wortbruch wertet Eva Reiß das von der Landesregierung aufgeweichte Nachtflugverbot, von dem sie hofft, es werde am 13. März durch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig nicht nur bestätigt, sondern auch verlängert: „Ich brauche jedenfalls mehr als die sechs Stunden Schlaf zwischen elf und fünf Uhr.“

Die Kirche fordere acht Stunden Ruhe und eine Limitierung der Flugbewegungen. Wie die aussähe, sei noch zu erarbeiten. „Wir sind nicht gegen den Flughafen, wollen die Verkehrstechnik nicht zu den Pferdekutschen zurückdrehen“, so die Dekanin.

Geradezu grotesk mute es an, dass im Zusammenhang mit dem Flughafen-Ausbau die den Kommunen gesetzlich auferlegten Beschränkungen „Lärmschutzzonen“ genannt würden. Die Dekanin schließt sich hier der Aussage von Offenbachs Flughafen-Dezernent Paul-Gerhard Weiß an, wonach nur der Lärm geschützt werde, nicht die Menschen.

Pfarrer Ulrich Knödler berichtet von Gemeindemitgliedern, welche die Absicht hätten, wegen des Fluglärms aus der Stadt wegzuziehen. Gerade als Pfarrer störe ihn dieser Lärm ständig. Bei Beerdigungen müsse er in seinen Trauerreden oft innehalten, „bis der Flieger vorbei ist“, auch bei Kirchenkonzerten sei der Krach permanenter Begleiter.

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