Beispiele aus Langen, Rodgau, Offenbach

Was die Kirche in der Region für Flüchtlinge macht

Offenbach - Wie der Aufruf des Papstes in den Pfarreien in Rhein-Main aufgenommen wurde und wie sehr sich viele Pfarreien bereits engagieren, zeigen einige Beispiele aus der Region: Von Peter Schulte-Holtey

Während in vielen Pfarrgemeinden Kleiderspenden für Asylbewerber gesucht werden, setzen andere auf Sozialarbeit. So sieht sich das „Cafe Welcome“ der evangelischen und katholischen Kirche in Langen als Brücke zu Flüchtlingen. „Täglich suchen verzweifelte Menschen einen Weg nach Europa und riskieren dabei ihr Leben. Wer es bis zum sicheren Hafen schafft, ist noch lange nicht am Ziel. Und wer eine Wohnung gefunden hat, der hat vielleicht ein Bett - aber noch lange kein Zuhause“, heißt es dort. Zur Förderung der Begegnung zwischen Einheimischen und Neubürgern gibt es seit Juli eine Möglichkeit zu Austausch und Kennenlernen anderer Kulturen in Langen. Die Kirchen laden Einheimische und Neubürger an jedem 1. und 3. Donnerstag im Monat von 15 bis 18 Uhr in den Pfarrsaal von St. Albertus Magnus herzlich ein.

Peter Eckstein, Pfarrer in Nieder-Roden: „Im Pfarrheim wird jeden Mittwoch ein Mittagessen angeboten.“

Peter Eckstein, Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Matthias in Nieder-Roden, weist unterdessen auf bereits bestehende erfolgreiche Projekte hin: „Das Thema Migration ist für uns nicht neu. Seit über 20 Jahren arbeitet unsere Kindertagesstätte Seestraße, die inzwischen zum Familienzentrum avanciert ist, mit Migranten- und Flüchtlingsfamilien zusammen.“ 80 Prozent der dort aufgenommenen Kinder haben Migrationshintergrund. Dank des Engagements des unabhängigen Vereins „5 und2 - Die Suppenküche e.V.“, mit dem die Pfarrgemeinde kooperiert, wird im Pfarrheim jeden Mittwoch ein Mittagessen angeboten, zu dem auch Flüchtlingsfamilien kommen. „Durch die Taufe eines Kindes eines albanischen Ehepaares, das gegenwärtig in der Flüchtlingsunterkunft Borsigstraße wohnt, gibt es zusätzlich Kontakt zu betroffenen Familien, der zum Beispiel über die Taufpaten weiterhin besteht“, berichtet der Pfarrer. Zum Appell des Papstes, in Pfarrhäusern Flüchtlinge aufzunehmen, sagt Eckstein: „Da unsere Pfarrgemeinde mit Ausnahme des Pfarrhauses keine Mietwohnungen bzw. Wohnhäuser besitzt, haben wir als Pfarrei wenig Möglichkeiten, Flüchtlinge aufzunehmen. Im Pfarrhaus selbst müssten einige aufwändige Umbauten veranlasst und Büro- bzw. Diensträume ausgelagert werden, bevor dort eine Flüchtlingsfamilie einziehen könnte. Dieses ist faktisch jedoch nicht durchführbar.“

In Offenbach hat der katholische Dekanatsrat bei seiner jüngsten Sitzung beraten, wie die Ressourcen der Ehrenamtlichen in den Kirchengemeinden zur Unterstützung der Sozialarbeiter bei der geplanten Erstaufnahme-Einrichtung „ermittelt und abgerufen“ werden können. Es geht um Freizeitgestaltung, Unterstützung bei Deutschkursen und die Verwaltung der Sachspenden. Dekan Michael Kunze: „Er einigte sich auch darauf, das Spendenkonto des Caritasverbandes Offenbach in Anspruch zu nehmen. Außerdem sollen die vielen Hilfsangebote gebündelt werden - in Absprache und Zusammenarbeit mit den vielen anderen Initiativen in Offenbach.“

Merkel beschwört Deutschlands Stärke in der Flüchtlingsfrage

In Frankfurt hat Stadtdekan Johannes zu Eltz gestern den Blick auf das „drängendste Thema, die Unterbringung, gerichtet. An die Gemeinden schreibt er: „ Bisher ist es der Stadt Frankfurt gelungen, Asylbewerbern, die aus den Erstaufnahmestellen kamen, in Zimmern und Wohnungen unterzubringen. Dies wird nun schwierig. Immer mehr Flüchtlinge müssen zunächst für einige Wochen in einer Turnhalle, später vielleicht in Messehallen oder womöglich in Zelten unterkommen. Können wir als Kirche hier nicht helfen und Flüchtlinge aufnehmen?“

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Der Stadtdekan schlägt vor, Wohnungen für Flüchtlinge bereitzustellen und er fragt: „Hat Ihre Gemeinde eine freie Wohnung, die sie an Flüchtlinge zu ortsüblichen Mieten vermieten kann? Oder kann ein Gemeindemitglied mit Unterstützung der Pfarrei eine freie Wohnung an Flüchtlinge vermieten? Vielleicht gelingt es der Pfarrei auf dem Wohnungsmarkt eine Wohnung zu finden, die sie Flüchtlingen anbieten kann? Es könnte sich in der Pfarrei eine neue Gruppe gründen, die sich, unterstützt vom Caritasverband und von Referenten für Sozialpastoral, um die Flüchtlinge kümmern kann.“ Johannes zu Eltz kann sich zudem vorstellen, dass in Frankfurter Pfarrgemeinden kirchliche Räume als Notfallreserve bereitstehen. Die Unterbringung in einem Sitzungsraum, einem Gemeindesaal und eventuell auch in einem Gottesdienstraum sei gerade im Winter angenehmer als ein Zelt oder eine Messehalle.

Rubriklistenbild: © dpa

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