Lauterborngemeinde

Kirchenabriss steht bevor

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Statt der Kirche stehen in Lauterborn bald Reihenhäuser.

Offenbach - Die Lauterborngemeinde gibt es nicht mehr, sie fusionierte zur Mirjamgemeinde. Auch ihre Gebäude sind bald Geschichte. Kirche und Gemeindehaus machen zum Monatsende Reihenhäusern Platz. Von Veronika Schade 

„Herzlich willkommen in der Evangelischen Lauterborn-Gemeinde“ steht in großen Lettern über dem Eingang. Doch willkommen geheißen wurde dort lange niemand mehr. Der letzte Gottesdienst in der Lauterbornkirche ist am 27. Januar ein Jahr her. Möglicherweise auf den Tag genau rücken die Abrissbagger an. Das Gemeindehaus und Kirchengebäude weichen dem Bau von Reihenhäusern.

In Lauterborn geht damit eine Ära zu Ende. Eine Ära, die im Jahr 1969 begann. Die Bewohner des mit Wohnhochhäusern rasch wachsenden Stadtteils wünschten sich einen Treffpunkt für Christen, eine eigene Kirchengemeinde. Anfang 1969 wurde die Evangelische Gemeinde Lauterborn gegründet, neun Monate später wurde ihr Domizil an der Anton-Bruckner-, Ecke Richard-Wagner-Straße fertiggestellt – in der für die Zeit typischen Bauweise aus Beton und Naturstein. Erst zehn Jahre später wurde es um die Kirche erweitert. Der achteckige Pavillon-Bau war betont schlicht gehalten, lediglich das später durch eine Spendenaktion entstandene „Herzfenster“ erinnert an einen sakralen Bau.

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Lebten im Jahr 1970 noch 4750 Protestanten in Lauterborn, waren es 2011 nur noch rund 1400. Obwohl das Domizil der Gemeinde eine Anlaufstelle für Stadtteilbewohner war, unter anderem war dort die Hausaufgabenhilfe untergebracht, zog die Evangelische Kirche Offenbachs die Reißleine und fasste den Beschluss, die Gebäude zu verkaufen. Wie berichtet, verschmolz die Lauterborngemeinde zum 1. Januar mit Paul-Gerhardt-, Luther- und Schlosskirchengemeinde zur Mirjamgemeinde, die 5500 Mitglieder umfasst. Als Käufer fand sich die Wiesbadener Firma „Traumhaus“, die sich auf Projektierung und Bau von preisgünstigen Reihen- und Doppelhäusern spezialisiert.  „Unsere Philosophie ist, jungen Familien die Möglichkeit zu geben, aus der Mietwohnung rauszugehen“, erklärt Vedat Sarigül, der für den Vertrieb zuständig ist. Auf dem früheren Areal der Lauterborngemeinde entstehen 19 energieeffiziente Reihenhäuser mit fünf Zimmern und einer Wohnfläche von 141 Quadratmetern, die Raumaufteilung ist durch verschiedene Grundrissmodule variabel.

Statt der Kirche stehen in Lauterborn bald Reihenhäuser.

Sarigül wohnt selbst seit zwei Jahren in Lauterborn. „Der Stadtteil hat keinen guten Ruf, obwohl sich dort viel verändert hat. Ich lebe da gern“, sagt er. Viele Interessenten würden abgeschreckt von den Hochhäusern in der Nähe. „In Darmstadt haben wir Häuser gebaut in einem Viertel, das ebenfalls keinen guten Ruf hatte. Es zogen Leute ein, die eine neue Denkkultur mitgebracht haben, zum Beispiel Studenten von der TU“, erzählt er und vermutet einen ähnlich positiven Effekt in Lauterborn. Obwohl die Bauarbeiten bald losgehen, verläuft der Verkauf bisher eher schleppend. Neun Häuser sind reserviert, zehn sind noch zu haben. „Die meisten Käufer sind Offenbacher, aber es ist auch eine Frankfurterin dabei“, berichtet Sarigül. Er ist zuversichtlich, dass die Zahl der Interessenten steigt, sobald sich auf der Baustelle etwas tut. „Unser Schild steht schon seit einem dreiviertel Jahr, aber bisher ist dort nichts passiert, das wirkt auf viele Leute abschreckend.“

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Der Baubeginn war zunächst für Oktober 2013 vorgesehen. Er musste wegen eines Problems mit einer Versorgungsleitung und einer Überarbeitung des Aufteilungsplans verschoben werden. Sobald die Baugenehmigung vorliegt, soll es ein Jahr bis zur Fertigstellung dauern, Ende Januar kommen die Abrissbagger. Und die Lauterbornkirche ist Geschichte.

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