Kirchenmusik im Gleichklang

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Als Solistin bleibt sie Offenbach vorerst noch erhalten: Die Mezzosopranistin Johanna Krell.

Offenbach - Offenbacher Kirchenmusik zeigt weiterhin viel Profil, das sah man jetzt auch bei den „Tagen der Kirchenmusik“, welche die Gotteshäuser so gut füllten wie sonst nur an Weihnachten. Von Reinhold Gries

Aber zum Ende dieser Tage verabreichte dessen Organisator, Dekanatskirchenmusiker Tobias Koriath, seinen vielen Fans und Chorsängern einen überraschenden Paukenschlag: Nach acht Jahren hervorragender Arbeit bricht der 34-jährige seine Zelte in Offenbach ab, um nach Frankfurt zu wechseln. Unter anderem wegen des dortigen Thomas-Chores. Ob Koriath gleichwertig zu ersetzen sein wird, wird sich zeigen.

Nachfolgern hinterlässt er ein gut bestelltes Feld: Aus vorhandenem Luther- und Kammerchor hat er mit neuen Stimmen die schlagkräftige „Offenbacher Kantorei“ formiert, dazu erstklassige Jugendarbeit an der Lutherkirche betrieben, von der man nun profitiert. Zur dortigen Steinmeier-Orgel von 1914 kündigt er an: „2013 wird sie restauriert, aus meiner Sicht die beste Orgel in Offenbach…Nach der Verabschiedung am 10. Dezember werde ich am 26. Dezember in der Lutherkirche noch Bachs Weihnachtsoratorium mit der Offenbacher Kantorei und Regine Marie Wilkes Offenbacher Oratorienchor aufführen“.

Gründe des länger geplanten Weggangs

Über die Gründe des länger geplanten Weggangs will Koriath nichts mehr sagen. Es sei bereits alles gesagt, meint er. Man weiß aber, dass ihm die Konkurrenz mit Dr. Ralph Philipp Ziegler, dem Leiter des städtischen Forums Kultur und Sport, oft nicht geschmeckt hat. Auch nachzulesen in Koriaths kritischem Interview mit Ziegler zu Offenbachs Kirchenmusik, vor Jahren publiziert im Gemeindebrief der Lutherkirche.

Ziegler, ja auch Manager der „Neuen Philharmonie Frankfurt“ im Capitol, bemüht sich derweil, bei knappen Kassen und durch sein Musiker-Netzwerk Qualität nach Offenbach zu holen. Auch in Kirchen, zu verfolgen an Gastspielen erstklassiger Dirigenten, Orchester und Chöre in der Marienkirche oder dem Lesekonzert „Fremde Könige“ mit Olaf Joksch in Rumpenheims Schlosskirche. Tastenvirtuose Joksch, an der Mainzer Musikhochschule wie beim dortigen Staatsorchester tätig, hatte 2011 eine Pause in Offenbach eingelegt. Nach Neustrukturierungen der Französisch-Reformierten Kirche wird er 2012 wieder voll in innerstädtische Kirchenmusik einsteigen, vorbildlich betreut vom Förderkreis „Praeludium“ um Gesangspädagogin Leonore Blume aus Rumpenheim.

Rumpenheims Kantorei

Bei Rumpenheims Kantorei hat der musikerfahrene 35-jährige Tobias Prautsch, noch „Student“ an Frankfurts Musikhochschule, für Aufbruchsstimmung gesorgt, nachdem man dort mit dem Weggang der Chorleiterin Johanna Krell zu kämpfen hatte. Von Bürgel aus ist die hochbegabte Mezzosopranistin Krell viel unterwegs – bis Amsterdam und anderswo in Europa. Als Solistin bleibt sie Offenbach vorerst noch erhalten. Rumpenheims Schlosskirchenorganist Carmenio Ferrulli hat auch mit seiner Orgel-Vorführung am ersten Sonntag des Monats viele Besucher angezogen, aber jetzt viel mit Kirchenmusikstudium und Promotion zu tun. Mit Organisatoren wie Horst Kriszio, Gisela Schorg und Holzbläser Arie Hordijk sorgt er zur Konzertreihe in der Schlosskirche für bemerkenswertes Niveau.

In Bürgels St. Pankratius hält der musikbegeisterte Offenbacher Anwalt Alois Simrock die Zügel seines Kirchenchors Cäcilia fest in der Hand und hat immer Ideen, auch mit der Männerschola. Verbindungen pflegt er unter anderem mit dem vorwiegend in Bieber wirkenden Dirigenten und Tastenkünstler Peter Kunz-von Gymnich oder auch dem komponierenden Regionalkantor Thomas Gabriel aus Seligenstadt.

An den Rand geraten ist die evangelische Lauterborngemeinde, die vor Schließung und Verkauf steht. Regelmäßig probt dort das überragende Offenbacher Vokalensemble Prophet mit dem europaweit erfolgreichen Dirigenten Christoph Siebert. Über 20 Jahre veranstaltet dort auch Pianist Werner Fürst den „Klaviermusikfrühling“ mit ausgezeichneten Pianisten. Wie es im Lauterborn weitergeht, weiß keiner.

Veränderungen bei Komponist und Musiker Jürgen Blume

Veränderungen gibt es auch bei Komponist und Musiker Professor Jürgen Blume. Aus Altersgründen fungiert er nicht mehr als Rektor der Mainzer Musikhochschule. Er wird so mehr Zeit für Offenbachs Kirchenmusik haben: „Im nächsten Herbst organisiere ich die Orgelmusiktage, habe dafür viele Nachfragen und Angebote “. Daneben bleibt er mindestens bis 2013 „20 Prozent“-Kirchenmusiker in der Johanneskirche im Nordend. Mit Ehefrau Leonore, seinen erstklassigen Rhein-Main-Vokalisten und neuem Praeludium-Programm wird er Offenbachs Kirchenmusik weiterhin prägen.

Und da gibt es noch Altmeister Hans-Wolfram Hooge an seiner Rodgers-Orgel in Bürgels Gustav-Adolf-Kirche, Gitarrist Rudolf Klemisch und Organist Jens Wolter in der Markuskirche und Altistin Hiromi Mori aus Kyoto, die zur „Accademia Sancta Maria“ in der Marienkirche auch 2012 für Opernflair sorgt.

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