Warnstreiks der Erzieherinnen

Chance nicht ungenutzt lassen

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Gut 100 Offenbacher Erzieherinnen und Sozialarbeiter versammelten sich gestern Vormittag im Ostpol, um weitere Maßnahmen und Strategien im Kampf um mehr Anerkennung ihrer fordernden Tätigkeit zu besprechen.

Offenbach - Zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen mussten gestern viele Eltern in Offenbach umdisponieren: Wegen des Warnstreiks der Erzieherinnen blieben sechs Kitas dicht. Ihr Ziel: eine tariflich fixierte Berufsaufwertung. Von Jenny Bieniek

Es kommt nicht oft vor, dass sich Offenbachs Erzieherinnen an einem Mittwochvormittag fernab ihrer Einrichtung zur Lagebesprechung versammeln. Doch besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen. Das sehen zumindest die rund 110 städtischen Angestellten so, die gestern im Zuge des zweiten hessenweiten Warnstreiks der Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst ihre Arbeit ruhen ließen und stattdessen im Ostpol zusammenkamen.

Gerhard Abendschein, Landesfachbereichsleiter bei Verdi, ist zufrieden: „Ich hatte ferienbedingt mit weniger Beteiligung gerechnet“, sagt er mit Blick auf die voll besetzten Stuhlreihen. Dass es den Erzieherinnen bei ihrem Streik nicht allein ums Geld geht, wird in der Diskussion deutlich. Ihnen geht es vor allem um den inhaltlichen Anspruch an ihre Arbeit und die Wertschätzung durch die Gesellschaft. Der Anspruch an den Erzieherberuf wachse von allen Seiten, die Aufgaben würden komplexer, heißt es. Trotz des derzeitigen Erziehermangels seien viele Verträge befristet, der Personalschlüssel zwar gut, aber noch ausbaufähig.

Seit Ende Februar verhandeln die Gewerkschaften mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) über eine neue Entgeltordnung für die Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst. Bislang ohne Ergebnis. Heute werden die Verhandlungen in Düsseldorf fortgesetzt. Gewerkschaftsmann Abendschein spricht von einer historischen Chance: „Was da rauskommt, wird die nächsten zehn Jahre halten“, ist er überzeugt.

Umso mehr liegt den Anwesenden daran, noch mehr Mitstreiter ins Boot zu holen. Denn viele ihrer Kolleginnen hielten gestern in den Kitas die Stellung. „Wir dürfen uns nicht zurücklehnen, bei diesem Streik geht es nur um uns“, lautet der Appell einer Wortführerin. Viele von ihnen sind bereit, für ihre Forderungen diesmal länger in den Ausstand zu treten. Denn darüber sind sich gestern alle einig: Wenn der Streik schleppend verläuft, wird das Ergebnis entsprechend ausfallen.

Noch haben sie dafür den Großteil der Elternschaft auf ihrer Seite – noch. „Wenn es aber immer dieselben Kitas sind, die aufgrund des hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrads des Personals geschlossen bleiben, während andere Notdienste fahren, ist ein Ende der Solidarität absehbar“, so die Befürchtung.

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Es gilt also, mehr Kolleginnen zu mobilisieren und vorbereitet zu sein. Die Gangart verschärfen und Kitas unangekündigt geschlossen lassen wollen sie dafür jedoch nicht. Nicht zuletzt, weil sie wissen, dass sie im Kampf um eine bessere Bezahlung auf die Solidarität der Eltern angewiesen sind.

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