Verdi droht mit neuem Arbeitskampf

 Kitastreik? Würfel fallen in Offenbach

Offenbach/Berlin - Geht das jetzt von vorne los mit Streiks in den Kitas? Für Eltern ist das Gewerkschafts-Votum gegen den Schlichterspruch eine bittere Pille. Im Spätsommer könnten Kindergärten und Horte wieder dicht sein.

Die Gewerkschaft Verdi will im Kita-Tarifstreit abermals zu Streiks aufrufen, wenn die Arbeitgeber bei den Tarifverhandlungen am Donnerstag in Offenbach nicht zu „substanziellen Verbesserungen“ bereit sind, wie Verdi-Chef Frank Bsirske sagte. Eine Schlichtungskommission hatte Ende Juni einen Vorschlag im Tarifstreit des kommunalen Sozial- und Erziehungsdienstes vorgelegt, der unterschiedliche Lohnsteigerungen für verschiedene Beschäftigungsgruppen vorsieht. Verdi und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ließen ihre Mitglieder darüber abstimmen. Das am Wochenende veröffentlichte Ergebnis war eindeutig: Die Mitglieder beider Gewerkschaften lehnten den Schlichterspruch zu jeweils knapp 70 Prozent ab. „Das ist ein klarer Handlungsauftrag, den Streik fortzusetzen“, sagte Bsirske. „In der Einigungsempfehlung spiegelt sich die Aufwertung des gesamten Sozial- und Erziehungsdienst-Berufsfeldes nicht so wider, wie sie das nach vier Wochen Streik erwartet haben“, erklärte Andreas Gehrke, für Tarifpolitik verantwortliches GEW-Vorstandsmitglied.

Über das weitere Vorgehen wollen nun die GEW-Tarifkommission heute und die Verdi-Bundestarifkommission morgen entscheiden. Bsirske gab die Marschroute aber bereits vor - und stellte den Arbeitgebern im Hinblick auf die Tarifverhandlungen ein Ultimatum: „Wann und wie, werden wir jetzt miteinander bereden. Dabei werden wir auch zu unkonventionellen Streikformen greifen.“Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände kritisierte die Ablehnung des Schlichterspruchs durch die Gewerkschaften. „Sowohl die Arbeitgeber- als auch die Gewerkschaftsvertreter in der Schlichtungskommission haben der Einigungsempfehlung der beiden Schlichter zugestimmt“, so VKA-Präsident Thomas Böhle. Die Arbeitgeber hätten kein Verständnis dafür, wenn dieser „austarierte Kompromiss“ nun abgelehnt werde. „Weitere Veränderungen gegenüber dem Schlichterspruch kann es nicht geben“, fügte er hinzu. „Auch für weitere Streiks gibt es keinerlei Verständnis, Eltern und Kinder haben bereits in den vergangenen Monaten massiv unter dem Arbeitskampf gelitten.“

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund kritisierte die kämpferische Haltung der Gewerkschaften ebenfalls. Der Schlichterspruch gehe bei vielen Kommunen bereits an die „Schmerzgrenze“, hieß es. „Bei allem Verständnis für die wichtigen Aufgaben und Funktionen, die in den Kitas geleistet werden, muss auch eine Überforderung der Kommunen vermieden werden.“ (afp/dpa)

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