Louisiana Red: Erinnerung mit E-Gitarre

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Versunken ind er Musik: Michael Koch und Manfred Häder.

Offenbach - Ein rauchiger Club in New Orleans, beseelte Musiker und Gäste, die gedankenverloren an ihrem Bourbon nippen. Das ist das klischeehaftes Bild, das man beim Begriff „Blues“ im Kopf hat. Dieser kann aber aus Hannover kommen. Von David Heisig

Dort hat lange Zeit eine Ikone des Blues, Louisiana Red, gebürtig Iverson Minter, gelebt. Der aus Alabama stammende Musiker war mit der Arbeit im Kinder-, Jugend- und Kulturzentrum Sandgasse (KJK) verbunden, erzählt Michael Koch vom Jugendamt.

Mit dem zweiten „Tribute to Louisiana Red“ will man das feiern. Er ist der erste große Star gewesen, der 2004 in der Sandgasse gespielt hat und damals auf die Macher des KJK zugekommen ist. „Das hätten wir uns nie träumen lassen“, so Koch. Durch Zufall habe Red erfahren, dass das KJK ein Musikprojekt mit indianischen Jugendlichen in den USA organisiert. Das fand er toll, wollte es unterstützen. „Er war aufgrund seiner Vita sehr authentisch“, erzählt Koch. Mutter kurz nach der Geburt gestorben, Vater von Rassisten ermordet, in Waisenhäusern groß geworden. Das spiegelt sich in seinen Texten und seiner Art zu spielen wieder. Schlimmen eigenen Erlebnissen wird Hoffnung und Stärke entgegengesetzt.

Geburtstag des Musikers

Bei der Terminsuche ist ihnen aufgefallen, dass der 23. März genau der Geburtstag des Musikers ist. In diesem Jahr wäre er 81. Also ist das Konzert im Jugendzentrum eigentlich eine Geburtstagsfeier. Da macht es auch nicht so viel aus, dass nur rund 40 Gäste den Weg in die Sandgasse gefunden haben. Für ein kräftiges Geburtstagssständchen ist das allemal genug. So sitzt „die Blues-Familie“ zusammen und lauscht als erstem Manfred Häder, einem der bekanntesten Musiker der Szene. Der gebürtige Darmstädter lebt in Frankfurt, das KJK ist „fast schon ein Zuhause“. Er beginnt mit einem Gitarrensolo von Freddie King und stellt dann die Frage: „Was kann man heute spielen?“ Er orientiert sich an dem, was Louisiana Red ausgemacht habe: „Ein Mann, eine Stimme, eine E-Gitarre.“ So setzt er in seinen Liedern viel von den Emotionen um, die jeder kennt. „Manchmal geht’s mir dreckig, manchmal geht’s mir gut“, singt er.

Dann geht Koch selbst auf die Bühne, nimmt sich seine Gitarre und fällt gekonnt mit seinen Akkorden ein. Er spielt einen eigenen Song: „Georgia“. Darin geht es um einen Mann, der in diesem US-Bundesstaat hingerichtet wurde. Koch erzählt, er habe, als er von der Hinrichtung erfuhr gegrübelt, wie er seine Wut hierüber verarbeiten könne. Das Resultat ist dieser Song. Als nächstes spielen beide „Red’s House“ – passend zum Abend eine leichte Abwandlung des gleichnamigen Hendrix-Klassikers.

Die Übergänge sind fließend

Danach wird das Duo auf der Bühne durch weitere Musiker ergänzt. Die Übergänge sind fließend. Alles erinnert an eine Jam-Session, das improvisierte Aufeinandertreffen von Musikern, aus dem oftmals große Konzerte entstehen. Klaus Kilian von den Down Home Percolators nimmt sich seine Bluesharp. Sein Partner Bernd Simon greift sich seine E-Gitarre. Anschließend gehört die Bühne ganz den Percolators. Drei Songs von Red spielt das Duo neben eigenen Stücken. „Too Poor To Die“ etwa vom ersten Album. Nach Ansicht von Kilian und Simon hätte das schon den Durchbruch bedeuten müssen. Manchmal sei das aber so im Musikgeschäft. Qualität setze sich nicht immer durch, „Genau wie bei uns“, wie beide schmunzelnd betonen. Den Abschluss bildet die Band Juke & The Blue Joint. Wie es sich für einen Geburtstag gehört, wird bis spät angestoßen und Musik gemacht. Lousiana Red hätte sich gefreut.

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