Klebrige Fototermine

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Von „Kaugirl“ Vanessa animiert, üben Amina (links) und Yasmin gestern auf dem Marktplatz schon mal für den Fototermin im hinter ihnen stehenden „Gib-Gummi-Mobil“.

Offenbach ‐ Alfonso kaut wie der Teufel. „Einer geht noch“, feuert Andreas Schmidt ihn an. Die Blase wird größer und größer, bevor sie zerplatzt und der Kaugummi großflächig auf Mund und Nase des 12-Jährigen klebt. Von Matthias Dahmer

Wir stehen gestern Mittag in einem zum Fotostudio umfunktionierten Mercedes-Sprinter, der auf dem Marktplatz Station gemacht hat. Die Winterkälte macht sich langsam wieder breit in der Stadt, die Türen zur Ladefläche sind aufgeklappt, eine graue Wolldecke sorgt dafür, dass Schmidt ungestört Fotos von Jugendlichen mit möglichst großer Kaugummiblase schießen kann. Die Bilder werden voraussichtlich bis Ende Februar vertont und zusammengeschnitten sein und dann ins Internet-Videoportal „YouTube“ gestellt.

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Kreativ gegen Kaugummis

Die Aktion ist Teil der groß angelegten Kampagne „Gib Gummi“, die sich die städtischen Initiative „Besser leben in Offenbach“ gegen das achtlose Wegwerfen von Kaugummis ausgedacht hat. Zielgruppe sind die 10- bis 20-Jährigen. Das auf sie zugeschnittene kreative und alles in allem rund 30.000 Euro teures Programm beinhaltet außer den Fototerminen im „Gib-Gummi-Mobil“ noch aufklärende Plakate an insgesamt 54 Bushaltestellen und auf 200 städtischen Dreiecks-Ständern sowie Abreißheftchen mit einem Packen Papierblätter, in die der Kaugummi eingewickelt werden kann, bevor er idealerweise in den Mülleimer wandert.

„Was geht’n hier ab?“

Die Heftchen und Kaugummis verteilen draußen Vanessa, Aljoscha und Angelos. Die beiden „Kauboys“ und das „Kaugirl“ sind von einer extra für die Kaugummi-Wochen engagierten Werbeagentur. Der Andrang vor dem Stand der drei symphatischen jungen Leute wird langsam größer. „Was geht’n hier ab?“. Es ist genau die Zielgruppe. Angelos erklärt kurz, worum es geht, drückt zwei Mädels jeweils eine Gummi-Rolle in die Hand und die fangen an, sich schon mal warm zu kauen für den Termin nachher im Sprinter.

Die Pflicht übernimmt Aljoscha: Mit stoischer Ruhe erklärt er, warum für die Fotoaufnahmen und fürs Reinstellen in „YouTube“ eine Einverständniserklärung ausgefüllt, von den Eltern unterschrieben und dann an die Macher zurückgeschickt werden muss. Die Bürokratie stört keinen. Schließlich ist’s „voll geil“, wenn man sich später Kaugummi kauend im Internet angucken kann.

„Die 200 schaffen wir locker“

Um die 150 Jugendliche, schätzt Andreas Schmidt, hat er bislang aufgenommen. „Die 200 schaffen wir locker“, sagt er. An den drei Schulen (Edith-Stein-, Bach- und Leibnizschule), an denen man in den vergangenen Tagen ebenfalls Aufklärungsarbeit in Sachen klebrige Ärgernisse geleistet hat, war der Andrang riesig, berichtet Gabriele Klußmann von der Pressestelle der Stadtwerke Offenbach Holding, die bei der Kampagne mit im Boot sitzt.

Die Aktion läuft präventiv und parallel zur Nachsorge. Denn der Kampf gegen die Kaugummis auf Straßen und Plätzen - oder wenn’s dumm läuft an der an der Schuhsohle - ist ein schon lange währender. So hat der Stadtdienstleister ESO seit dem Frühjahr 2010 die Fußgängerzone zwischen Kaiserstraße und Marktplatz von den unschönen Hinterlassenschaften befreit. Mit einem Druck von bis zu 130 Bar wurden die betroffenen Flächen mit Wasserdampf bearbeitet, damit verabschiedeten sich nur Kaugummireste, sondern auch andere Verfärbungen.

Die Kampagne, speziell der fotografische Teil lockt nicht nur die Zielgruppe. Andreas Schmidt hatte auch schon eine 60-Jährige vor der Linse, die sich freute: „Endlich kann ich mal was Verbotenes tun.“

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