Ein neuer geschrumpfter Kleider-Frei

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Kurz vor der Eröffnung: Junior-Chef Markus Frei packt in den künftigen Räumen mit an.

Offenbach - Aus dem Bekleidungs- ist ein Geschäftshaus geworden, dessen großzügige Glasfassade das Bild des südlichen Marktplatzes grundlegend verändert hat. Die meisten Offenbacher sagen: zum Besseren. Von Thomas Kirstein

Für Generationen seit den frühen 50er Jahren war das in die Bieberer Straße reichende Eckanwesen „der Kleider-Frei“. Das Neun-Millionen-Euro-Projekt der Geschäftshaus Marktplatz Offenbach Unternehmergesellschaft & Co KG (GMO, Gesellschafter sind die Familien Keck und Frei sowie Dreßler Bau Aschaffenburg) hat mit dem früheren Traditionshaus wenig zu tun. Der sogenannte Ankermieter ist mit 1000 Quadratmetern die Wohnaccessoires-Kette Depot, Friseur Peter Caligari kommt mit Salon und Café hinzu, Mitgesellschafter Thomas Keck betreibt mit Partnern auf 850 Quadratmetern eine Intersport-Filiale, Praxen und Büros können noch gemietet werden.

Dass es einen Kleider-Frei in der gewohnten Form eines großen Bekleidungshauses nicht mehr geben würde, stand außer Frage. Gegenstand von Wetten war aber die Frage, ob Frei überhaupt aus seinem Textil-Exil gegenüber dem Heusenstammer Toom-Markt nach Offenbach zurückkehren sollte. Die Antwort lautet nun: als Name ja.

Kleider-Frei mit neuem Schriftzug und kleinerer Verkaufsfläche

Junior-Chef Markus Frei kündigt an, die Erdgeschoss-Fassade zur Bieberer Straße werde bald den entsprechenden Schriftzug tragen. Allerdings nicht allzu groß, sondern den neuen Dimensionen hinter den Schaufenstern gerecht werdend. Denn, wenn die Frei-Tradition in Offenbach weiter besteht, dann nach einem deutlichen Schrumpfungsprozess: Gut ein halbes Jahrhundert fand die Kundschaft Ware auf mehreren Stockwerken, zuletzt auf 1200 Quadratmetern. Davon bleiben jetzt nur 140 Quadratmeter übrig. Was darauf möglich ist, wird nun dem regelmäßig in Studien und Umfragen erkannten Defizit im Offenbacher Modeangebot für Herren kaum entscheidend entgegenwirken können.

Die Verkaufsfläche teilen sich drei renommierte Markenhersteller aus dem „mittelmodischen Segment“, wie Textilbetriebswirt Frei sagt. Mehr Platz sei im neuen Geschäftshaus nicht gewesen: „Aber wir bin mit der Marke Kleider-Frei ja nicht nur an diese Immobilie gebunden, es gibt etliche Lieferanten, die an Offenbach interessiert wären, es müssen sich nur geeignete Räume finden.“ Am Marktplatz sieht sich Markus Frei „in der Mitte von Mono-Label und Multi-Label“.

Kunden sollen „moderne Klassik“ kaufen

Ab heute finden alte und neue Frei-Kunden bei ihm Herren- und Damenmode von Brax, Männermode vom Anzugspezialisten Roy Robson und Damenmode von Olsen. Das zeigt die Einengung der Zielgruppe auf ein Publikum, das sucht, was Frei „moderne Klassik“ nennt. Vom einstigen Jugend-Angebot hat er sich bewusst getrennt, Marken wie S.Oliver oder Esprit finden junge Leute an anderer Stelle in der Stadt. Jetzt soll die Auslage besonders die Mittagspause auf dem Wilhelmsplatz verbringende „Business“-Menschen und Wochenmarktbesucher ansprechen. „Leute, die Wert auf Qualität und Passform legen und nicht extrem preissensibel sind“, sagt Markus Frei. Die Frei-Dependance in Heusenstamms Industriegebiet bleibt, weil auch dank günstiger Parkmöglichkeiten längst etabliert und lukrativ, bestehen.

Wie die Offenbacher Verkaufsfläche ist auch das Personal von Kleider-Frei deutlich geschrumpft. Noch im Januar 2010 hatte Markus Frei erklärt, die damals 21-köpfige Belegschaft nach dem Umbau wieder in Offenbach zu beschäftigen. Das erwies sich zwischenzeitlich aber als nicht realistisch, war nicht zu halten. Im Gegenteil, es bleibt lediglich ein Drittel. Einige Mitarbeiter gingen in Ruhestand, von anderen trennte sich die Firma. „Eine Reduzierung von Verkaufsfläche hat Folgen“, sagt Markus Frei. In Offenbach werden zwei Mitarbeiter tätig sein, in Heusenstamm sind es fünf.

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