Kleider-Frei erfindet sich neu

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Die Computersimulation zeigt, was nächsten Herbst nicht so glatt, aber schön sein soll.

Offenbach ‐ Zweiter planungsrechtlicher Endspurt für den Komplettumbau von Kleider-Frei: eine neue Version des sogenannten Städtebaulichen Vertrags steht auf der Tagesordnung. Von Marcus Reinsch

Fast exakt ein Jahr, nachdem die Kommunalpolitik dem Modehaus große Pläne für den grundlegenden Umbau seines Traditionsdomizils an der Ecke Bieberer Straße/Marktplatz genehmigt hatte, steht eine neue Version des sogenannten Städtebaulichen Vertrags auf der Tagesordnung.

Der eigentliche Vertrag beschränkt sich zwar auf nur wenige architektonische Anpassungen gegenüber dem Ursprungs-entwurf. Er verweist nun aber auch auf massive konzeptionelle Veränderungen.

Im Kern: Das Modehaus Frei wird wohl zu Gunsten anderer Geschäfte auf seinen Namen an der Fassade und Verkaufsfläche im Innern verzichten. Stattdessen gilt bei den Planern momentan „Geschäftshaus Marktplatz Offenbach“, kurz: GMO, als passender Titel für ein neues, kleinteiligeres Geschäftsmodell. Dieses sieht auf den unteren zwei Etagen neben dem verbleibenden Modesortiment auch einen Frisör, ein Café und einen Laden für Wohnaccessoires und in den oberen drei Stockwerken Arztpraxen vor.

Bestimmte Sortimente werden ausgelagert

Außerdem bestätigte Modehaus-Gesellschafter Thomas Keck gestern unserer Zeitung, dass bestimmte Sortimente - möglicherweise die Herrenbekleidung - in eine Dependance in unmittelbarer Nähe ausgelagert werden: in das Gebäude auf der Kleider-Frei genau gegenüber liegenden Ecke der Waldstraße. Das frühere Bekleidungshaus Schmülling, das bis zu deren Umzug ins Einkaufszentrum KOMM die Buchhandlung Thalia beherbergte, war anfangs nur als 1 000 Quadratmeter großes Ausweichquartier für die Zeit der Umbauten am und im Stammhaus ausgeguckt gewesen. Mittlerweile aber spricht Keck von einem dauerhaften Doppelstandort.

Im künftigen GMO laufe die Rekrutierung künftiger „strategischer Partner“ bereits erfolgreich, sagte Keck, der auch Geschäftsführer der „Geschäftshaus Marktplatz Offenbach Unternehmergesellschaft & Co. KG“ ist. Für weitere Interessenten sei es aber nicht zu spät.

Eröffnung im Herbst nächsten Jahres

Die GMO-Projektgesellschaft ist als Tochter der „Frei Verwaltungsgesellschaft“ ein Eigengewächs des Modehauses. Daran beteiligt ist wiederum die für den Umbau des Stammhauses zuständige Aschaffenburger Dreßler Bau GmbH. Das macht Thomas Keck „sicher, dass der Zeitplan - Baubeginn im Januar oder Februar, zehn Monate Bauzeit, Eröffnung im Herbst - passen wird“.

Mit Externen hatte Kleider-Frei keine guten Erfahrungen gemacht. Der anfängliche Projektpartner sprang ab. Das verschaffte dem Streben nach einem zukunftsfähigen Konzept eine Zwangspause, die für den konzeptionellen Kopfstand genutzt wurde. Architektonisch wird sich die Ecke Bieberer Straße/Marktplatz rundumerneuert präsentieren. Und trotz der im Vergleich zur eigentlich angestrebten Dimension größer als heute, was einen Städtebaulichen Vertrag überhaupt erst nötig macht. Denn die teils gläserne, teils mit rechteckigen Aussparungen ausgeführte Fassade des „geschwungenen, organischen Baukörpers, der die Nutzung des Gebäudes unterstreichen soll“ (Architekt Marlon Mathis), wird einen Teil des heutigen Gehwegs beanspruchen. Und auch eine Verkleinerung der dreieckigen Verkehrsinsel am Marktplatz nötig machen, damit Linienbusse die Kurve noch kriegen.

Oberbürgermeister Horst Schneider gibt gegen Bezahlung gerne etwas öffentlichen Raum hinzu. Frei sei „an ganz strategischer Stelle“; der Umbau bedeute eine Öffnung zum Marktplatz. Und dem falle, spätestens mit der gewollten Verkehrsberuhigung in einigen Jahren, eine Verteilfunktion auf der von Städteplanern erträumten Innenstadt-Achse vom Wilhelmsplatz bis zu KOMM und Frankfurter Straße zu.

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