„Kleider machen Leute“

+
Martin Wilhelm zeigte uns sein privates Lieblingsplätzchen: Das Sofa bietet Entspannung sowie Platz zum Schmökern, Arbeiten und zur Fischbeobachtung. 

Offenbach - „Rot ist doppelt gut.“ Martin Wilhelm ist Kickers-Fan und Juso-Vorsitzender. Da  kommt er an der leuchtenden Grundfarbe nicht vorbei. Auch seine Visitenkarte ist in einem kräftigen Rot-Ton gehalten, auf der Rückseite prangt das Rosen emblem der Jungsozialisten. Von Simone Weil

Der 23-Jährige will etwas verändern, deswegen engagiert er sich. Wilhelm glaubt: Wenn auf bestimmte Dinge aufmerksam gemacht wird, diese öffentlich diskutiert werden, lassen sich Entscheidungen beeinflussen.

Am Anfang hätte ich gern gleich in der Außenpolitik mitgemischt“, gesteht er. Inzwischen sieht Wilhelm viele lokale Betätigungsfelder. Nicht immer werde das Wohl der Stadt über Parteiinteressen gestellt, wie er es richtig fände. Denn der bekennende Offenbacher wird auch privat nicht müde, gegen die Flut von Vorurteilen anzukämpfen, die der Stadt entgegengebracht werden: „Das sehe ich als meine Lebensausgabe.“

Wir schauen bei Prominenten und auch weniger bekannten Personen in Offenbach vorbei: Haben Sie Lust, uns zu sich einzuladen? Dann melden Sie sich unter Tel: 069 85008-216 oder simone.weil@op-online.de

Vor Ort ist für mich das Thema Bildung wichtig“, sagt Wilhelm. Alle sollten die gleichen Chancen bekommen. Überhaupt liegt ihm Gleichheit am Herzen: So ist es ihm während seines Zivildienstes in der Transportabteilung des Klinikums äußerst unangenehm aufgefallen, wie unterschiedlich er – je nach Bekleidung – behandelt wurde: „Wenn ich morgens in meiner normalen Kleidung kam, wurde ich freundlich gegrüßt, wenn ich meinen Blaumann anhatte, nicht mehr.“
Weil Kleider also immer noch Leute machen, müsse gesellschaftlich viel getan werden, ist der Jung-Politiker überzeugt. „Gerade in der Wirtschaftskrise sollte das doch angesehen sein, wenn jemand ehrlich sein Geld verdient.“ Er glaubt, die Krise werde von manchen Unternehmen auch als Vorwand benutzt, um trotz schwarzer Zahlen Arbeits- und Ausbildungsplätze abzubauen.

Der Wirtschaftsinformatikstudent, der kurz vor seiner Abschlussprüfung steht, ist gerade dabei, sich zu bewerben. Ungern würde er die Stadt verlassen. Er hängt sehr an Offenbach, Freunden und seiner Familie, mit der er gerade eine Woche Urlaub am Gardasee verbracht hat: „Meine Schwester ist 25 Jahre alt und mein Bruder 18. Das ist bestimmt ungewöhnlich, dass die erwachsenen Kinder noch mit den Eltern wegfahren, aber wir verstehen uns eben alle sehr gut.“

Seine Fische verhelfen ihm zu mehr Ruhe

Deswegen wohnt er auch noch im Haus der Eltern an der idyllischen Carl-Maria-von-Weber-Straße 2. Sein privates Lieblingsplätzchen ist das Sofa in seinem Zimmer: Von dort hat er einen guten Blick aufs Aquarium mit den drei Kois und den kleinen Welsen. Die Karpfenart hat es ihm der schönen Farben wegen angetan. „Es ist sehr entspannend, die Fische zu beobachten“, findet er. Zumal sie ihn disziplinieren: „Die Tiere mögen es gar nicht, wenn man sich hektisch im Zimmer bewegt. Wenn ich Stress habe, muss ich bewusst langsam machen.“ Um das 600 Kilogramm schwere Wasserbecken überhaupt in seinem Zimmer aufstellen zu dürfen, hat der junge Mann seine Eltern mit einem Gutachten davon überzeugt, dass die Statik des Häuschens dies tatsächlich mitmacht.

Wenn der Student keine Fische beobachtet, arbeitet er vom Sofa aus am Laptop: Er lernt, kontrolliert seine Mails und chattet. „Man kann hier aber auch gemütlich zusammensitzen“, findet Wilhelm. Ganz selten wird auch mal ferngesehen.

Allzu häufig kann das wirklich nicht passieren, wenn man weiß, was der überzeugte Offenbacher sonst noch alles macht. Seiner parteipolitischen Arbeit verdankt er ein bis zwei Sitzungen pro Woche. Neben seinem Amt als Juso-Vorsitzender ist Wilhelm im Vorstand des SPD-Ortsvereins Anlagenring, außerdem im Unterbezirksvorstand.

Beim Bundestagswahlkampf muss er sich diesmal bremsen, weil der in seine letzte heiße Prüfungsphase fällt. Auch wenn das Studium vorgeht, bedauert Wilhelm, diese Zeit nicht nutzen zu können, um mit jungen Leuten in Gespräch zu kommen. Denn außerhalb der Wahlen ist es ein schwieriges Geschäft, diese für Politik zu interessieren, findet der Nachwuchs-Sozialdemokrat.

Er selbst ist übrigens noch Mitglied der Schnellschreibertruppe des Vereins für Kurzschrift, Maschinenschreiben und Bürotechnik (VKMB), die schon viele Preise abgeräumt hat. Und OFC-Dauerkarteninhaber. Außerdem gehören Joggen und das Treffen mit den Freunden zu Wilhelms Hobbys. „Beim Ausgehen in Offenbach bin ich viel mit dem Fahrrad unterwegs, das ist echt super.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare