Kleider tauschen Leute

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Shoppen ist zu schön – verschlingt aber viel Geld. Zu neuen Klamotten kommt man aber auch gratis: Swapping-Partys sind dafür die ideale Methode.

Sammeln Sie Bonus-Punkte? Ob an der Tankstelle oder im Supermarkt: Immer häufiger fragen Verkäufer an der Kasse, ob man am „Swapping“-System teilnimmt. Die gesammelten Punkte können dann gegen andere Waren eingetauscht werden. Von Mareike Palmy

Doch statt Handtücher oder Topf-Sets tauschen deutsche Trendsetter seit kurzem auch gebrauchte Klamotten. Swapping-Partys nennen sich die Kleidertauschpartys, die ausgemusterten Kleidungsstücken und tief im Schrank vergrabenen Schätzchen zu neuem Glanz verhelfen.

Lisa trägt ein neues Shirt, Hannah einen schicken Pullover, Marcel hat ein Paar Sneakers ergattert, und Lydia hat sich sogar ein Boss-Kleid geschnappt. Und das Beste daran: Ihr neues Outfit hat die Offenbacher Freunde nicht einen Cent gekostet. Möglich machen das die so genannte Swapping-Partys.

„Swappen statt Shoppen“

Die Idee ist uralt. Tauschen – in Englisch „to swap“ – statt Bezahlen. In Modemetropolen wie Paris und New York ist das Konzept „Swappen statt Shoppen“, also „Tauschen statt Kaufen“, längst etabliert. Was sich in England und den USA inzwischen zum absoluten Renner entwickelt hat, findet auch in Deutschland seine Fans. Das Prinzip ist einfach: Jeder bringt Accessoires und Kleider, die er nicht mehr anzieht, mit und erhält dafür – je nach Qualität und Zustand der Ware – eine bestimmte Anzahl von Swap-Punkten, für die er wiederum selbst einkaufen kann.

Lisa und Hannah veranstalten öfter Kleidertausch-Partys im Freundeskreis. „Ist eigentlich fast wie eine Tupper-Party, nur besser. Wir schmeißen alle mitgebrachten Klamotten in die Mitte, und dann darf sich jeder draufstürzen und mitnehmen, was gefällt“, sagt Hannah. „Dazu trinken wir jede Menge Prosecco.“

Für lau die Frühlingsgarderobe aufpeppen

Prickelnder als eine Tupper ware- Party sind die Klamotten-Tausch-Feste allemal. Und dazu eine gute Gelegenheit, für lau seine Frühlingsgarderobe aufzupeppen. Schließlich hat jeder Mensch in seinem Schrank Dinge, die er nicht mehr trägt, die aber zum Wegschmeißen zu schade sind. Entweder ist es der klassische „Fehlkauf“ oder etwas, das einem nicht mehr passt. Oder vielleicht passt, aber einem anderen besser gefällt oder steht. Die Swapping-Party bietet also zum einen die Gelegenheit, seinen Kleiderschrank auszumisten, aber auch die, ihn wieder mit neuen, schönen Dingen anzureichern – ohne sein Konto zu belasten.

Im Tauschrausch gibt’s neben dem Wühlvergnügen natürlich angesagte Sounds auf die Ohren. Ist ja schließlich eine Party. Aber solche Klamottentauschpartys sind gar nicht so einfach ausfindig zu machen. Da niemand mit dieser Art von Veranstaltungen Geld verdient, sind sie auch nicht kommerziell organisiert, die Werbung dafür läuft anders. „Man muss in die jeweiligen Stadtmagazine gucken, auf Flyer oder Plakate achten, und viel läuft über Mundpropaganda“, erklärt die 26-jährige Lisa aus Rumpenheim. In Zeiten, in denen sich die Kleider-machen-Leute-Regel durch alle sozialen Schichten zieht, ist der etwas andersartige Konsum Swapping vor allem ein Szene- und Shopping-Kult. Doch statt zu warten, bis so eine Party in die eigene Stadt kommt, ist es am einfachsten, selbst eine zu organisieren.

Stücke werden gegen Swap-Punkte eingetauscht

Und so geht’s: Alle, die teilnehmen möchten, müssen ihre Tauschgegenstände vor der Party abgeben. Dann werden die Stücke nach Art und Zustand bewertet und gegen Swap-Punkte eingetauscht. Die Punkte dienen auf der Swapping-Party als Währung. Getauschte Ware kann nicht zurückgetauscht oder in Geld ausbezahlt werden. Diejenigen, die keine Kleider oder Accessoires abgeben, dürfen natürlich auch nicht mitmachen. Wie beim Sommerschlussverkauf gilt es dann, die oder der Erste zu sein.

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