18. Rundgang der Offenbacher Hochschule für Gestaltung

Kleiderhaken und Fitnessstudio

Offenbach - Die Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG) öffnet am Wochenende ihre Türen zum 18. Rundgang, bei dem 650 Studierende aus allen Semestern und Studiengängen ihre aktuellen Arbeiten zeigen. Von Carsten Müller 

HfG-Präsident Bernd Kracke spricht von einem „reich gedeckten Tisch“, und angesichts der Fülle von Exponaten aus Produktgestaltung und Visueller Kommunikation, die an fünf Orten in der Stadt präsentiert wird, kann man ihm nur beipflichten. Den Startschuss gibt wie gewohnt die CrossMediaNight heute Abend auf dem Schlossplatz. Bevor ab 22.30 Uhr die Produktionen der HfG-Filmer über die Openair-Leinwand flimmern, werden Rundgang-Preise verliehen, darunter der erstmals ausgelobte „Nikon On Stage Photography Award“. Der Kamerahersteller honoriert damit das beste Bühnenfoto aus der Ausstellung „On Stage“, die in der Schlosskapelle zu sehen ist. So kehrt die Schau mit Bühnen- und Backstage-Fotos von Rockbands nach Stationen in vielen deutschen Bahnhöfen und mittlerweile 120.000 Besuchern an ihren Ursprungsort zurück. Mit von der Partie sind übrigens auch 30 namhafte Bühnenfotografen, die Rockstars wie Mick Jagger oder Steven Tyler in Aktion porträtierten.

Das Schloss wird zum Kino, Ausstellungsraum, Labor und Theaterbühne, wenn angehende Filmemacher in der Aula stündlich ihre aktuelle HfG-Rolle vorführen oder kommende Bühnenbildner Rauminstallationen zeigen. Heiner Müllers „Bildbeschreibung“ wurde so zum interaktiven Traumraum, und Franz Kafkas Text „Die Verwandlung“ fand seine Entsprechung in einer filigran schwebenden, farbig schillernden Skulptur, die zugleich Spielfläche ist. In Malte Sängers „Kapelle der Daten“ verbinden sich Fotos von Festplatten, die der HfG-Student zuvor kiloweise bei ebay erworben hat, mit handschriftlichen Auszügen aus daraus rekonstruierten Dateien zu Porträts ihrer früheren Nutzer.

Viel Kunst in Offenbach beim HfG-Rundgang

Beispielhaft für anwendungsorientierte Gestaltung ist eine Smartphone-App, die beweist, dass der Phantasie für Gute-Nacht-Geschichten keine Grenzen gesetzt sein müssen. Sie mischt rund 200 Symbolbilder nach dem Zufallsprinzip und regt damit neue Erzählungen an. Die Produktdesigner vollziehen den Weg guter Formgebung anhand von Kleiderhaken (Katharina-Von-Bora-Haus) oder Faltmöbeln nach. Seriennah sind teilweise patentierte Drittmittel-Projekte für Heimwerkzeuge (Bosch), Türbeschläge (Simonswerk) oder neue Ansätze zur Gestaltung von Rettungswesten. Eine kuratierte Ausstellung im Atelierhaus Geleitsstraße vereint Malerei, Elektronische Kunst, Bildhauerei, Illustration und Grafik-Design. Von einer voyeuristischen Performance in der U-Bahn bis zum Lowtech-Esoterikvideo, vom tiefgekühlten Fett-Amboss zum malerischen Media-Mix, von der Bodenskulptur bis zur fotografischen Installation reicht die Palette. Und im Keller war sogar noch Platz für einen Fitnessraum, dessen Geräte aus Beton gegossen wurden. Heiner Blum musste dafür sein Lager räumen, weitere Beispiele für experimentelle Raumkonzepte seiner Studenten sind in der Kappus Seifenfabrik zu sehen.

18. Rundgang der Hochschule für Gestaltung. Orte: Campus, Schlossstraße 31; Atelierhaus, Geleitsstraße 103; Katharina-von-Bora-Haus, Ludo-Mayer-Straße 1; Zollamt, Frankfurter Straße 91; Kappus Seifenfabrik, Ludwigstraße 61; Robert Johnson, Nordring 131. Geöffnet: Freitag 18-21 Uhr, ab 22.30 Uhr CrossMediaNight, Samstag 14-22 Uhr, danach Filmnacht, Sonntag 14-20 Uhr

Rubriklistenbild: © dpa

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