Kleine, aber feine Diplomandenrunde

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Nur ganze vier Studenten erhielten diesmal ihre Diplome verliehen, sicherlich ein quantitativer Rekord im negativen Sinne, nicht jedoch in qualitativer Hinsicht.

Offenbach - Ein Zitat des aus Wiesbaden stammenden Industriedesigners Dieter Rams prangte auf der Einladung zur Diplompräsentation der Hochschule für Gestaltung. Es lautete „Weniger, aber besser“ und passte perfekt zur minimalen Anzahl an Diplomanden des Fachbereichs Produktgestaltung. Von Claus Wolfschlag

Nur ganze vier Studenten erhielten diesmal ihre Diplome verliehen, sicherlich ein quantitativer Rekord im negativen Sinne, nicht jedoch in qualitativer Hinsicht. Sieben Studenten hatten sich zum Diplom angekündigt, davon hatten aber drei dann doch um Verlängerung bis zum nächsten Prüfungstermin gebeten.

Da die nächste Diplomverleihung als letzte nach der alten Prüfungsordnung läuft, wird bei dieser wiederum ein Rekordergebnis erwartet, wenngleich in die andere Richtung. „Die nächste Fuhre wird riesig“, prognostizierte Diplomandin Barbara Pigisch, diesmal die einzige Frau im Reigen der Produktgestalter.

Pigisch hat ein sinnliches „Orientierungssystem für Alzheimerpatienten“ entwickelt. Es handelt sich dabei um ein mit Handlauf ausgestattetes fest installiertes System befüllbarer Schalen. Die Schalen dienen als Erfahrungsfelder, in die unterschiedlichste Dinge gefüllt werden können, die zur Erinnerung und Anregung der Demenzkranken dienen sollen: Kräuter, Blumen, Kochlöffel, Servietten oder auch biographisch bezogene Objekte. Pigischs Motivation war schlicht der Wunsch, eine Hilfe für Menschen zu entwickeln, die nichts mehr lernen, statt dessen täglich erinnert werden müssen.

Martin Wenzel hingegen dokumentierte seine „reinformativen Objekte“ in einer Schau großformatiger Fotografien. Bei dieser primär künstlerisch verstandenen Arbeit waren irgendwo vorgefundene Holzstücke direkt vor Ort zu Objekten umgezimmert worden.

„Das Material wird durch Arbeit von jemandem zu etwas neuem. Hierbei spielt Improvisation eine große Rolle“, erklärte Wenzel. Auf den Fotos war unter anderem ein „Eiffelturm“ aus Schreinereiresten, ein „Fels“ aus umgeformten Holzpaletten und eine Verbretterung der Fensterfront von Offenbachs „Deephouse“-Diskothek „Robert Johnson“ zu sehen. Ein in einem ausgetrockneten Kiesgrubensee gefundenes Boot diente als Zierrat der Präsentation.

Sebastian Reuthal hatte sich mit der effizienten Herstellung von Reisetaschen beschäftigt. Während Männer statistisch zirka 3,5 Taschen in der Woche nutzten, wären dies bei Frauen 5,53, davon allein 3,2 unterschiedliche Handtaschen, verlautbarte Reuthals theoretische Arbeit. Sein Materialexperiment schuf aus einem Schnitt-Rohling mittels unterschiedlicher Faltung vier verschiedene Taschentypen für den Alltagsgebrauch.

Rochus Jacob hingegen hatte sich der Gestaltung energiesparender Hausgeräte gewidmet. Seine Versuche für eine häusliche Niedrigverbrauchs-Kultur überzeugten durchaus. So entwickelte er einen mobilen Heizkörper von kleinem Gewicht. Mittels eines Schnappventils direkt angeschlossen an die Warmwasserleitung ermöglicht das Gerät, die Wärme bequem zum Bewohner zu bringen, ohne dass dieser, wie heute noch, das Thermostat in der anderen Zimmerecke aufdrehen muss. Einziger Nachteil: Während die jetzigen, fest installierten Heizkörper raumsparend in die Zimmer integriert sind, nimmt das mobile Gerät etwas zusätzlichen Platz weg. Jacobs zweites Objekt, ein Schaukelstuhl, der durch Wippbewegungen den Strom einer Leselampe erzeugt, hat wohl vor allem skurrilen Charme. Hingegen dürfte das vasenförmige Kühlgerät für Obst und Gemüse durchaus Zukunft besitzen. „Das Gefäß kühlt allein durch Verdunstungskälte und ohne Strom“, erläuterte Jacob. Er hatte sich dabei von traditionellen Tongefäßen Afrikas inspirieren lassen und auch bereits einen funktionierenden Prototyp entwickelt. Dieser Minikühlschrank ist angesichts des Klimawandels und steigender Strompreise eine wahrlich wegweisende Idee.

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