Kleiner Teich, große Probleme

Nach Schilfbrand wieder Diskussion um Bavaria-Gelände

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Begutachten den zerstörten Schilfgürtel: Thomas Zeisberger von der Polizei, Werner Zahn vom Kleintierzuchtverein Bavaria, die Bieberer CDU-Stadtverordnete Christel Reichenbach, Bürgermeister Peter Schneider, Umweltamtschefin Heike Hollerbach sowie ihre Kollegen Justus Sergej und Helmut Teichmann.

Bieber - Das Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz ermittelt derzeit in der Sache Bavariateich: Der Schilfgürtel wurde zerstört. Eine Ortsbegehung zeigt, dass es auch an anderen Stellen Redebedarf gibt. Von Christian Wachter

Es will einfach keine Ruhe einkehren rund um den Bavariateich: Einmal mehr trifft man sich zur Ortsbegehung. Mit Bürgermeister Peter Schneider an der Spitze ist eine Delegation von Stadt- und Polizeivertretern anwesend. Der Anlass ist ein diesmal ein besonders unerfreulicher: Wie das Umweltamt Anfang Februar bei einer Routinekontrolle feststellte, wurde der Schilfgürtel am Rand der Teichanlage zuerst gemäht und dann mithilfe eines Brandbeschleunigers abgefackelt. Umliegende Bäume wurden in Mitleidenschaft gezogen. Für Umweltamtschefin Heike Hollerbach ist das ein Delikt mit Folgen. Das Röhricht diene zahlreichen Vogel- und Insektenarten als Winterquartier. „Sind diese Tiere erst einmal vertrieben, kommen sie nicht wieder. Das ist ein artenschutzrechtliches Problem“, gibt sie zu bedenken. Wie verschiedene Amphibienarten wie Erdkröte oder Moorfrosch reagierten, lasse sich noch nicht abschätzen. „Der Teich ist ein wichtiges Laichgewässer für diese Tiere“, so Hollerbach.

Umso überraschender ist es, dass Werner Zahn, Vize-Vorsitzender und seit 1951 beim Kleintierzuchtverein Bavaria, bereitwillig erzählt, es könne sein, dass andere Vereinsmitglieder den Röhricht in Brand gesetzt hätten. Zwar sei dies keinesfalls eine Anordnung des Vereins, das Schilf nehme aber manchmal überhand und wachse außerdem schnell nach. „Das ist auch nicht zum ersten Mal passiert“, so Zahn. Bei Bürgermeister Schneider stößt er damit auf wenig Verständnis: „Man muss sich das Schilf wie einen Filter vorstellen, der das Wasser sauber hält.“

Schneider betont: Der Teich ist als Teil eines Erbpachtgeländes dem Verein zum Schutz überlassen, womit dieser für die Pflege zuständig ist. Eine nicht genehmigte Nutzung wäre deshalb zu unterbinden gewesen. Und das betrifft nicht nur das Schilf. Schließlich hat man auch eine illegale „Entwässerungsverrohrung“ festgestellt, was gerade wegen der niedrigen Wasserstände im Sommer bedenklich sei. Dass aus dem Teich tatsächlich Wasser abgeführt wird, ist verwunderlich. Schließlich wurde die Stadt im letzten Jahr überhaupt erst durch eine Beschwerde des Vereins bei der Offenbach-Post auf den Plan gerufen. Die Kleintierzüchter monierten damals, dass sich in der Stadt niemand für eine Wiederbefüllung des ausgetrockneten Teichs zuständig fühle. Nun kann der Bürgermeister nicht nachvollziehen, warum auf dem Gelände ein Abfluss eingerichtet wurde: „Stehende Gewässer verlanden mit der Zeit, so geht das deutlich schneller.“

Auf der Beanstandungsliste sind damit aber längst nicht alle Punkte abgehakt. Ebenfalls problematisch sei „der Eintrag von Tieren“ - so heißen die Exkremente im umweltamtlichen Fachjargon - berichtet Hollerbach. Die am Ufer stehenden Häuschen der Enten müssten deshalb endlich abgebaut werden: „Das Gewässer wird so verschmutzt, auch der Misthaufen nebendran hätte schon längst entfernt werden müssen.“ Außerdem müsse die Kleinkläranlage wieder einmal überprüft werden.

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Zahns Einwände, die Entenhäuschen stünden schon ewig auf dem Areal, die Kläranlage sei wie festgeschrieben geprüft, stoßen da auf wenig Gehör. Gesprächsbedarf gibt es also durchaus, weshalb Peter Schneider die beteiligten Ämter und den Verein nocheinmal an einen Tisch bringen möchte. Für die Zukunft wird nämlich auch zu klären sein, ob der Teich, der mit dem Gelände an die Bavaria verpachtet ist, aus dem Pachtvertrag ausgeklammert wird. „Wir wollen nichts, was uns die Natur geschenkt hat, vernichten. Hier geht es um die Summe des Ganzen“, sagt Heike Hollerbach.

Geklärt werden muss auch, ob eine strafrechtliche Verfolgung angesagt ist. Eine Ordnungswidrigkeit nach Bundesnaturschutz- und Wasserhaushaltsgesetz stellt die die Zerstörung eines Biotops auf jeden Fall dar. Zumindest Thomas Zeisberger von der Umweltgruppe der Polizei dürfte es nach dem Treffen ein wenig einfacher haben mit seinen Ermittlungen. Dass das Schilf nämlich Vereinsmitgliedern zum Opfer gefallen sein könnte, kam auch für ihn überraschend.

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