Kleiner We(h)rmutstropfen

+
So soll das neue Bürgeler Domizil der Freiwilligen Feuerwehr Rumpenheim am Mainzer Ring aussehen, wenn es im Juni nächsten Jahres fertig ist.

Bürgel ‐ Gerd Lang lässt seinen Blick über das Gelände des neuen Mainzer Rings schweifen. Der Wehrführer der Rumpenheimer Freiwilligen Feuerwehr steht vor dem Rohbau des neuen Feuerwehrhauses. Von Veronika Szeherova

Vorgestern ist hier nach nur knapp viermonatiger Bauzeit das Richtfest gefeiert worden. Doch trotz aller Vorfreude auf das moderne künftige Domizil muss Lang einen Wermutstropfen loswerden: „Ein bisschen schade ist nur, dass wir hier nicht in Rumpenheim sind!

Im Jahr 1981 war die Freiwillige Feuerwehr in das denkmalgeschützte Marstallgebäude am Rumpenheimer Schloss gezogen. Ein Ort mit Charme und Flair. Und dennoch hegte man schon seit langer Zeit Umzugspläne. Denn die Rumpenheimer Wehr hat bislang den längsten Weg zu den Einsatzorten, die meist in der Innenstadt liegen. Sowohl die Kameraden in Bieber als auch in Waldheim gelangen nach dem Ausrücken schnell auf eine der Hauptverkehrsstraßen. „Wir müssen immer zuerst die engen Gässchen rund ums Schloss durchqueren“, erzählt Lang. Außerdem sei die Feuerwehrausfahrt häufig durch parkende Autos verstellt, vor allem bei Festivitäten rund ums Schloss.

Kaum Platz zum Rangieren

Auch das historische Gebäude an sich barg Probleme hinsichtlich der heutigen Nutzungsanforderungen der Feuerwehr. Vor allem wegen der Flügeltore mit Rundbögen war kaum Platz zum Rangieren. Auch für neue Feuerwehrfahrzeuge wurde es zu eng. „In den letzten Jahren sind die Serienfahrgestelle an Feuerwehrfahrzeugen immer größer geworden“, erklärt Branddirektor Uwe Sauer. Das habe die Fahrzeugbeschaffung für die Rumpenheimer sehr problematisch gemacht. „Manchmal musste millimetergenau nachgemessen werden.

Vor zwölf Jahren habe Wehrführer Lang zum ersten Mal an offizieller Stelle den Wunsch nach einem Umzug vorgetragen. „Damals bin ich nur belächelt worden“, erinnert er sich. Vor fünf Jahren trug er erneut das Anliegen der Amtsleitung vor. „Seitdem brummt´s“, lobt er.

Im Jahr 2006 hat die konkrete Suche nach einem potentiellen Baugrund für den neuen Standort angefangen. Als das Angebot für das Grundstück am Mainzer Ring kam, der als wichtige neue Verkehrs-Entlastungsstraße für Bürgel geplant ist, überlegten die Rumpenheimer Blauröcke nicht lange. „Vom Taktischen her ist das der optimale Standort“, findet der stellvertretende Wehrführer Björn Kloe.

„Das ist eine Sache der Tradition“

Und angesichts eines so schönen, modernen Feuerwehrhauses verzeihen die Rumpenheimer auch gerne, dass es von der neuen Dienststelle einige hundert Meter Luftlinie bis zur Ortsgrenze Rumpenheims sind. Bürgeler Gemarkung! An eine Umbenennung etwa in „Freiwillige Feuerwehr Rumpenheim und Bürgel“ sei dennoch nicht zu denken. „Das ist eine Sache der Tradition“, sagt Lang.

Der alte Schloss-Standort bleibt den Brandschützern auch in Zukunft erhalten. Aber mit veränderter Funktion. Der Stadtbrandinspektor Heinz Walter, die Brandschutzerziehung und die Jugendfeuerwehr Offenbach ziehen ein.

Das neue Domizil werde die Attraktivität und Anziehungskraft der Freiwilligen Feuerwehr steigern, hofft der Wehrführer. Es seien bereits einige neue Aufnahmeanträge eingeflattert, verkündet er zufrieden.

Jeden Tag besucht er die Baustelle, und immer gäbe es Neues zu entdecken. „Man kann förmlich zugucken, wie´s hier wächst“, sagt er begeistert und lobt die „Topfirmen, die am Bau beteiligt sind.“ Der Raum- und Qualitätsgewinn sei enorm. In die neue Fahrzeughalle passen fünf Einsatzfahrzeuge und zwei Boote der Wasserrettung, auf die sich die Rumpenheimer Wehr spezialisiert hat. Der daneben liegende Fahrzeugraum kann ohne großen Aufwand zu einem sechsten Einstellplatz umgenutzt werden. Daneben gibt es ein weiteres Lager und eine Werkstatt. Im Erdgeschoss findet man außerdem den Funkraum, die Kleiderkammer, drei Büros, Umkleideräume, Duschen und Toiletten. Im Obergeschoss sind ein Unterrichts- und ein Aufenthaltsraum für die Bereitschaftskräfte. Das Dach ist so für die nachträgliche Installation von Photovoltaik- also Solaranlagen ausgelegt. Der Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser soll laut Gebäudeplanung um mehr als 30 Prozent unter den Anforderungen der Energiesparverordnung bleiben.

Auf dem Außengelände droht ebenfalls kein Platzmangel. Park- und Übungsareale, ein Waschplatz für die Einsatzfahrzeuge und ein Grill sind vorgesehen. „Das ist wunderbar, wir haben so viel Raum für Übungen und Geselligkeit“, schwärmt Lang. „Da geht das Herz auf.

Kommentare