Kleines Wunderland im Hinterhof

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Schon jetzt sind Julia Büttner (links), Yasmin Eylert und ihre Schützlinge ein eingespieltes Team.

Offenbach Wer einen Blick in die Kindertagespflegestelle Pustekuchen werfen will, muss erst einmal die Schuhe ausziehen. Aus einer kleinen Holztruhe fischt Yasmin Eylert ein Paar plüschige, lilafarbene Pantoffel für die Besucherin. Von Katharina Skalli

Regeln sind wichtig, und die Kinder, die ihre Tage in dem überdimensionalen Spielzimmer in der Bleichstraße 28 verbringen, wissen schnell, was erlaubt ist und was nicht. Seit Februar betreuen Yasmin Eylert und Julia Büttner im Hinterhof mitten in der Innenstadt die Kinder berufstätiger Eltern. Die beiden Frauen haben sich damit einen Traum erfüllt.

Den Weg bis zur Eröffnung ihrer Tagespflegestelle haben ihnen das Jugendamt und die Agentur für Arbeit erleichtert. Mit Unterstützung von ihnen, der Mainarbeit und der Volkshochschule haben die Tagesmütter einen achtwöchigen Qualifizierungskurs absolviert, um sich optimal für ihre neue Aufgabe vorzubereiten.

Seit 1996 bildet die Volkshochschule Tagesmütter aus. Seit gut einem Jahr ist sie mit dem Gütesiegel für Bildungsträger zur Qualifizierung von Kindertagespflegepersonen zertifiziert. 160 Stunden umfasst ein Qualifizierungskurs. Vorher durchlaufen alle Interessierten ein strenges Auswahlverfahren.

Julia Büttner gehörte zu den ersten Offenbacherinnen, die das Angebot der Stadt annahmen. Auch Yasmin Eylert hatte ihren Bürojob satt. Dass sie als Tagesmütter nicht reich werden, stört die beiden nicht. Von 8 bis 17 Uhr können die Eltern ihre Kinder bei den beiden jungen Frauen lassen. Mit einem kurzen Begrüßungslied werden die Kleinen jeden Morgen willkommen geheißen. Es wird zusammen gefrühstückt, gespielt, gebastelt und gesungen. Ihr jüngster Schützling ist gerade mal vier Monate alt.

Durch den zart rosafarbenen Vorhang fällt das Licht der Frühlingssonne in den schmalen Anbau im Hinterhof. Auch wenn es regnet, haben die Kleinen in dem gläsernen Anbau genug Licht zum Malen und Spielen. An der Fensterscheibe tummeln sich aufgeklebte Seepferdchen und Schmetterlinge. Auf einem niedrigen Regal warten eine orangefarbene Plastikkrake und ein kleiner lilafarbener Tintenfisch mit anderem bunten Spielzeug auf ihren Einsatz. Doch die kleine Aurelia will lieber kneten. An der Wand darf mit Kreide gemalt werden, ebenso auf dem kleinen Holztisch am Fenster. Will man sich setzen, muss man sich klein machen. Fast alles in dem Raum ist passend für die Kinder arrangiert. Ein wenig sieht es aus wie bei den sieben Zwergen. Wenn es der Rasselbande in ihrem liebevoll gestalteten Domizil zu langweilig wird, macht sie einen Ausflug. Ziel ist dann ein Spielplatz oder der Wochenmarkt, der direkt um die Ecke liegt. Alles wird von den beiden Tagesmüttern dokumentiert. Am Ende der Betreuungszeit erhalten die Eltern ein Portfolio mit Fotos und gebastelten Kunstwerken. „Als meine Tochter bei einer Tagesmutter war, hatte ich keine Ahnung, was sie den ganzen Tag so treibt“, erinnert sich Julia Büttner. Das soll bei ihr anders sein.

Sie und Yasmin Eylert haben durch die Qualifizierungsmaßnahmen der Stadt viel gelernt. Auch mit ihrer eigenen Tochter geht die 30-jährige Julia Büttner heute anders um. „Man reflektiert viel und erfährt einiges über die eigene Kindheit“, sagt die 27-jährige Yasmin. Sie hat die Abschlussprüfung noch vor sich. Auch danach will sich das Duo regelmäßig weiterbilden.

Der offene, mit großer Fensterfront versehene Raum passt perfekt zum Konzept, das den Eltern jederzeit Einblicke in den Alltag ihres Kindes geben soll. Für beide Tagesmütter war schnell klar, dass sie nicht zuhause arbeiten wollen, sondern an einem Ort, der für die Eltern transparenter ist.

Infos auf der Internetseite oder 0178 / 3358937

Jedes Kind hat eine feste Bezugsperson. Das ist bei der Tagespflege so üblich. „Die Kinder wissen genau, zu wem sie gehören“, sagt Yasmin Eylert und wiegt den kleinen Maxi in ihrem Arm, der gerade von seinem Mittagsschlaf erwacht ist. Nach einer zweiwöchigen Eingewöhnungszeit nach dem Berliner Eingewöhnungsmodell, einem besonderen, pädagogischen Konzept, entwickeln die Kinder schnell eine enge Beziehung zu ihrer Tagesmutter. Das, was ihnen ihre Schützlinge zurückgeben, haben sie bei ihrem Sekretärinnenjob vergeblich gesucht. Und dennoch haben nicht alle Teilnehmer, die mit Julia Büttner das Qualifizierungsseminar besucht haben, tatsächlich eine Tagespflegestelle gegründet. Nicht jede Wohnung bietet sich als Betreuungsplatz an und nicht jeder Vermieter erlaubt eine Nutzung als Pflegestelle.

Julia Büttner glaubt, dass es genug Pflegestellen für Unter-Dreijährige gibt. „In Frankfurt suchen Eltern viel länger nach einem Platz“, berichtet sie. Dennoch will die Stadt das Betreuungsangebot weiter ausbauen. Am liebsten mit professionellen Kräften. In der Bleichstraße sind noch zwei Ganztagspflegestellen zu haben.

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