Brief von Waldemar Klein ruht in der Zeitkapsel

Offenbach (mk) - Die typische Zeitkapsel konserviert; zwar nicht die Zeit, aber Zeittypisches. Sinn und Zweck der feierlichen Prozedur: Die nächsten Generationen sollen sich erinnern, wenn die Kapsel, fest eingemauert ins Fundament eines Gebäudes, dereinst geöffnet wird.

Es ist klar, dass eine solche Kapsel ganz besonders gefüllt werden muss, wenn ein neues Fußballstadion wächst – erst recht an einem solch traditionsreichen Ort wie dem Bieberer Berg. Und gestern Morgen wird so einiges im Untergrund versenkt. Aber der Reihe nach: Die wohl persönlichste Beigabe kommt von Thomas Kalt. Der Geschäftsführer der Profi-GmbH des OFC hält einen Umschlag in der Hand; ein persönliches Schreiben des Ehrenpräsidenten Waldemar Klein vom 12. Mai 2005, versehen mit dem Hinweis: „Zu öffnen, wenn ich nicht mehr da bin.“

Im Brief, den Kalt erst einige Zeit nach dem Tod Kleins aufmacht, schildert er seine Sicht der Dinge zum Skandal in der Bundesliga-Saison 1970/71, „der dem Verein und der Person Waldemar Klein sehr, sehr geschadet hat“, so Kalt, der die Zeilen nicht öffentlich macht. „Hier gehört er rein“, sagt er und steckt ihn in die Kupferhülse – ein Stück bewegte Offenbacher Fußballgeschichte, beerdigt und doch bewahrt...

Bilder von der Grundsteinlegung

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Da können die anderen kaum mithalten, auch wenn sich alle der Bedeutung des Tages bewusst sind. Originell sind Fans und Leser unserer Zeitung, die aufgerufen waren, Vorschläge zur passenden Zeit-Revue zu unterbreiten: eine Miniatur des DFB-Pokals als Erinnerung an den Finalsieg 1970; der Geist des Bieberer Bergs; eine Bratwurst aus der Metzgerei des OFC-Idols Hermann Nuber; eine Locke von Rudi Völler. „Alles schwer bis gar nicht zu realisieren“, so Verlags-Geschäftsführer Thomas Kühnlein.

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Die Leser, die gestern etwas besteuern dürfen und extra auf den Berg kommen sind Florian Büttner und Bernd Leffler. Büttner hat eine Schraube mitgebracht. die auf der alten Haupttribüne eine Sitzschale gehalten hat. Und Leffler hat eine Ausgabe des ehemaligen Fanzines „Erwin“ dabei. „Gibt’s da einen besonderen Bezug?“ „Na ja, ich bin mit einer ehemaligen Redakteurin des Erwin verheiratet...“ Na, das ist doch was. Leider ziert unsere beigepackte Montag-Ausgabe weder Jubel-Bilder noch Aufstiegs-Überschrift...

Was geben die anderen? Horst Schneider hat den Auszug der Niederschrift der Stadtverordnetenversammlung vom 2. Juli 2009 dabei, der Sitzung, als das Parlament dem Projekt zustimmt. Sozialminister Stefan Grüttner legt einen Hessen-Pinn bei, der daran erinnert, dass das Projekt mit finanzieller Unterstützung des Landes gestemmt wurde, zudem eine prägefrische Zwei-Euro-Münze, „damit das Geld nie ausgeht.“ Und Jürgen Weber, Vorstands-Vorsitzender der Sparda-Bank Hessen, rollt den Geschäftsbericht 2009 zusammen und gibt ihn in die Hülse. Der Zeitpunkt, als die Genossenschaftsbank ihr Engagement im Stadion und im Verein bekanntgibt.

Rubriklistenbild: © Georg

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