Besuch des Kletterparks Fun-Forest

Jane - mit Sicherungsgurt

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Offenbach - Rolle vor den Karabiner, mit Schwung in die Tiefe stürzen und dann genau das Ziel anpeilen. War ja klar, dass etwas schief geht. Statt auf der nächsten Plattform finde ich mich in der Mitte der Seilrutsche wieder. Von Sonja Achenbach

Ein Mitarbeiter vom Kletterpark Fun-Forest muss mich wieder in Richtung des eigentlichen Ziels befördern. Gut, dass der Parcours nur knappe fünf Meter hoch ist – und selbst das nur an seiner höchsten Stelle. Meine Fotografin Lena Jörger amüsiert sich währenddessen prächtig. Auf den abenteuerlichsten Wegen versuchen wir beide im Leonhard-Eißnert Park am Bieberer Berg von einem Baum zum nächsten zu gelangen. Ganz so schnell wie ich es gerne hätte, geht es aber nicht, denn das Sicherungssystem nimmt viel Geschwindigkeit weg: Einen Karabiner aushaken, in das nächste Sicherungsseil einklinken und dann verschließen. Nur so kann der zweite Karabiner wieder bewegt werden.

Die Sicherheit der Parkbesucher spielt eine große Rolle. Ohne Einweisung eines Klettertrainers darf sich niemand in die Lüfte vorwagen. Wir erhalten sie von Eddy. Er ist eigentlich Student und arbeitet schon seit mehreren Jahren im Fun Forest. Jedem seiner Schützlinge zeigt er zuerst den richtigen Weg in den Klettergurt. In einem Übungsparcours geht es dann ans Praktische. Wirklich passieren kann in anderthalb Metern Höhe noch nichts – aber wer den generellen Umgang mit der Ausrüstung hier nicht beherrscht, dem gibt Eddy solange Tipps, bis alle Unklarheiten aus dem Weg geräumt sind.

13 unterschiedliche Streckenführungen

Danach kann es endlich losgehen. Gleich neben unserem Übungsparcours beginnen die einfachen Strecken. Profis finden ihre Herausforderung ein Stück weiter links. Bei der Auswahl der nächsten Route helfen Übersichtskarten am Boden. Höhe, Dauer und Schwierigkeitsgrad sind aufgelistet.

Bei 13 unterschiedlichen Streckenführungen und nur einem halben Nachmittag Zeit zum Ausprobieren müssen Lena und ich uns ein paar Beispiele herauspicken. Aber zunächst sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht. Die Übersichtstafel für eine der Plattformen steht ein Stück abseits der Leiter und so irren wir zunächst etwas orientierungslos von einer Ecke in die andere, bevor sich ein Angestellter des Parks unser erbarmt und uns sanft in die richtige Richtung schiebt.

Unsere Entscheidung fällt auf Parcours fünf. Kletterhöhe bis fünf Meter, das klingt machbar für den Anfang. Also auf in das Abenteuer. Das erste Element ist eine Sprossenleiter, quer von einem Baum zum anderen gelegt. Wirklich kein Problem. Die nächsten Hindernisse werden aber schon wackliger. Ein Problem mit Höhenangst hatte ich zwar noch nie, jedoch wird mir recht schnell schwindlig. Wenn ein Trittbrett wackelt, wackelt der Boden schonmal mit. Da nehme ich die Hilfe der Stahlseile rechts und links sehr gerne an.

Diverse Schwierigkeiten zu überwinden

Bei der zweiten Seilrutsche habe ich mir schon einen Plan zurecht gelegt, damit mir nicht wieder in der Mitte der Schwung ausgeht: Mit Anlauf in die Tiefe stürzen und am Zielelement möglichst schnell zugreifen. Wer dann noch während der Fahrt mit den Füßen Fahrrad in der Luft fährt, bei dem kann eigentlich nichts schief gehen. Jetzt kann ich auch zum ersten Mal den Fahrtwind halbwegs genießen.

Als nächstes ist ein einfaches Stahlseil zu überwinden. Auf dem ganzen Gelände sind zwölf Kilometer dieser Seile verlegt. Als Sicherungsseile für die Karabiner, zum Befestigen der Elemente – und in diesem Fall als einzige Möglichkeit von einem Baum zum nächsten zu gelangen. Gut, dass in kurzen Abständen von oben Holzstöcke herunterhängen. Die machen die Aufgabe plötzlich nur halb so schwer. Stolz sind wir zwei auf der anderen Seite trotzdem.

Auf zur nächsten Plattform. Die Podeste sind nicht mit den Stämmen verschraubt, sondern so angebracht, dass sie mitwachsen, wenn sich deren Umfang vergrößert. Das nächste Hindernis erinnert an eine Treppe, mehrere Holzstufen sind in unterschiedlichem Abstand übereinander angebracht. Die Erfahrung der letzten Kletterelemente hat mich vorsichtig gemacht, und so steige ich mit Bedacht auf das erste Brett. Richtig so, denn es schwingt nicht nur vor und zurück, sondern dreht sich auch in sich. Da bin ich richtig froh, dass die Entfernung zum nächsten Baum nicht groß ist.

Anstrengender als gedacht

Das Ganze ist doch anstrengender als gedacht. Drei Hektar Gelände sind nicht zu unterschätzen. In einer kurzen Verschnaufpause fällt mir auf, dass es sich mittlerweile doch etwas geleert hat im Park – oder verteilt. So genau habe ich die Bewegungen der einzelnen Gruppen nicht verfolgt. Vormittags war der Park mit 200 Schülern gut gefüllt.

Jetzt haben nur noch wenige Mitarbeiter mehr zu tun, als in Bereitschaft zu sein. Meine Bein- und Armmuskeln brennen zwar, aber irgendwann muss ich ja am Ende ankommen. Gut, dass das Ziel schon in Sicht ist. Dahin bringt uns eines meiner Lieblingselemente: die Seilrutsche. Da fühle ich mich fast wie Tarzans Jane – nur mit Sicherungsseil. Die Seilrutsche, um die es jetzt geht, ist etwas ganz besonderes. Aus dem Wald, über eine Lichtung, bis hinüber zur Plattform führt die Route. Das Beste dabei ist der Springbrunnen, der nur knapp neben dem Stahlseil kühles Nass in die Luft befördert. Viel zu schnell ist die rasante Rutschbahn vorbei. Das Fazit von Lena und mir lässt sich in zwei Worten zusammenfassen: Spaß pur. Die Preise fallen zwar für einen Kletterpark nicht aus dem Rahmen, sind aber hoch. Besonders auffällig und in unseren Augen unnötig ist der Aufpreis, für die Profiparcours.

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