Eine anregende Irritation

+
Der Wetterpark ist bereits ein Renner. Hier hat Rolf Degel einen Versuch zum Treibhauseffekt aufgebaut und interessierte Forscher gefunden.

Offenbach ‐  Man kann’s nicht anders sagen:  Der Wetterpark auf dem Buchhügel ist ein echter Gewinn für Offenbach. Nun erhält die Stadt ein zweites, überregional beachtetes Projekt – den Klimapfad. Von Martin Kuhn

Ohne zu wissen, was sich hinter dem vom Planungsverband angeschobenen und von der EU geförderten Vorhaben konkret verbirgt, genehmigte das Stadtparlament vor einem Jahr 120 000 Euro für das Projekt. Im Bauausschuss referierte Stadtplanerin Hanne Münster-Voswinkel über den Stand. In einem Jahr soll der Klimapfad fertig sein. Diese Euphorie teilt Ausschuss-Vorsitzender Bernhard Schönfelder nicht: „Da wird es Diskussionen geben...“

Es bleibt offen, ob da das gesamte Projekte oder doch nur einzelne Stationen gemeint sind. Wie auch immer: Es bleibt ein ungewöhnliches  Projekt, bei dem mit Offenbach, Frankfurt, Mühlheim, Kelsterbach und Raunheim gleich mehrere Städte im Main-Boot sitzen und das zudem in ein EU-Projekt eingebunden ist: „C-Change - Changing Climate, Changing Lives“. Kooperationspartner ist die hiesige Hochschule für Gestaltung, die den Klimapfad zu einem zweisemestrigen Projekt macht. Sicher ein Grund: Schwerpunkt des Pfades ist Offenbach mit fünf Stationen, die Münster-Voswinkel präsentiert. Aber: „Es sind bislang nur Ideen...“

Ein Planentwurf, mehr noch nicht. Die zentrale Station des Klimapfads dient als „Nukleus für eine Vielfalt von Ansprüchen und in vielfältigen Kontexten“, so die HfG-Studenten.

Vorgesehen ist eine Reihe von Stationen, die verschiedene Phänomene des Klimawandels für Flüsse auf der Welt zum Thema machen; „attraktive Aufenthaltsorte, die zum Verweilen einladen und zugleich auf spielerische Art der Öffentlichkeit Einsichten zum Klimawandel vermitteln“, umschreibt es die Stadt. Damit man beim Thema bleibt, wird jeweils die „Klimatauglichkeit“ geprüft. Geplant sind fünf Ufer-Plätze: in Höhe der Herrnstraße, am neuen Mainuferpark, am Bürgeler Reichstag, am Gelände des Wassersportvereins Bürgel, am Arthur-von-Weinberg-Steg. Zentraler Punkt der Klimaroute soll die Herrnstraße sein – mit einer Art Ponton (oder: Haus auf dem Boot) und einer Station, die das zentrale Thema Stadtklima aufgreift. „Die hauptsächliche Funktion ist die Übermittlung von leicht verständlichen Informationen zum Thema Klimawandel für Interessierte aller Altersgruppen“, schreibt HfG-Professor Georg-Christof Bertsch, der mit einem regelmäßigen Bulletin („Rivers of knowledge“) über das Projekt berichtet.

Die Betrachter finden Informationen über alle im Projekt einbezogenen Flüsse immer in Verbindung mit Aspekten, die sich in Beziehung zum Main bringen lassen. Die Zentralstation erläutere die Auswirkungen des Klimawandels aufs Stadtgebiet. Sie diene somit als Nahtstelle zwischen Stadt und Fluss, gleichzeitig sei sie Bühne und werd sicher ein Treffpunkt aller Offenbacher, „wenn man ein kleines Café einrichtet“. Das kleine Haus trägt innen und außen eine Serie von Instrumenten und Displays – natürlich mit klimarelevanten Daten und Messwerten.

Ein „Fataromana“ verknüpft ein paar Meter weiter den Main und Indus und schärft somit den Blick für globale Zusammenhänge. Die Mischung aus Fatamorgana und Panorama soll am Mainuferpark als anregende Irritation die Menschen ansprechen. Am Bürgeler Reichstag, der auch eine kleine Schiffsanlegestelle beherbergt, soll ein Steg von Main auf die Wiese führen – sozusagen ein erleb- oder begehbarer Übergang. Ein ehemaliger Strommast auf dem WSV-Gelände soll zu einer Installation werden, eine Art Kunstbaum als Rast- und Nistplatz für Vögel. Da wird vor allem der CDU-Abgeordnete Michael Maier aufhorchen – und später wohl auch aufschreien. Seiner ursprünglichen Idee ist somit das endgültige Aus beschert: Eine Aussichts-Plattform auf dem zurückgebauten Energieträger.

Der Weinberg-Steg, viel genutzter Übergang nach Fechenheim, erhält nach den Vorstellungen der HfG-Studenten künstliche Patina. Der Steg selbst dient als Informationsplattform über den weltweiten Zustand von Flüssen. Hintergedanke: Die Brücke markiere einen historischen Schritt, nämlich die Genesung des Main von massiven Verschmutzungen.

Kommentare