Klimaroute

Offenbach ist die Hauptstation

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Manfred Ockel, Horst Schneider, Ludger Stüve und Daniel Tybussek lassen zur Klimarouten-Eröffnung Luftballons steigen.

Offenbach - Die schweißtreibende Witterung passte zum Anlass: Gestern wurde am Offenbacher Mainufer die Klimaroute eröffnet. Von Veronika Szeherova

Die Klimaerwärmung lässt grüßen? Frank Tekkilic vom Regionalverband Frankfurt Rhein-Main beugte gleich möglichen Spekulationen vor: „Wetter und Klima sind verschiedene Dinge, heute ist es einfach nur heiß. “ Doch was es wirklich mit Klima und Klimawandel auf sich hat, wie sich dies auf Flusslandschaften auswirkt und wie es um die Region bestellt ist, das zeigen die acht Stationen der neuen Klimaroute auf künstlerische und informative Art.

Die Landschaftsausstellung zieht sich 25 Kilometer entlang des Mains von Kelsterbach im Westen über Frankfurt und Offenbach bis Mühlheim im Osten. Gut ein Jahr dauerte der Bau der Stationen, die von Studenten der Hochschule für Gestaltung entworfen wurden. Die Klimaroute ist Teil des EU-Projekts C-Change, das sich mit Klimawandel und dem Wandel der Lebensbedingungen beschäftigt. Die Kosten belaufen sich auf 600.000 Euro, wobei 400.000 Euro Fördermittel der EU waren. In die Stationen selbst flossen davon 240.000 Euro. Projektpartner sind neben den vier beteiligten Städten der Regionalpark Rhein-Main und beratend der Deutsche Wetterdienst.

Offenbach ist also stark vertreten – nicht nur in Planung und Umsetzung. Vier der acht Stationen sind am Offenbacher Mainufer, darunter am Mainuferpark die Zentralstation „Flussstadt“ mit Info-Tafeln zu Themen wie Stadtklima, „Klimaschutz und ich“ und „Flüsse aus aller Welt“ in Bezug auf den Klimawandel. Oberbürgermeister Horst Schneider ließ sich bei der offiziellen Eröffnung einen kleinen Seitenhieb nicht nehmen. „Das tut gut, in Offenbach ist die Hauptstation, nicht in Frankfurt“, zwinkerte er seiner Frankfurter Kollegin, Umweltdezernentin Rosemarie Heilig, zu. Um direkt danach zu betonen, wie wichtig die interkommunale Zusammenarbeit und die Klimaroute als eines ihrer Ergebnisse sei. „Wir möchten die Region noch mehr zusammenführen, denn wir begreifen sie leider oft zu kleinräumig und manchmal auch -kariert.“ Der Meinung schlossen sich auch die weiteren Redner an – Mühlheims Bürgermeister Daniel Tybussek, Regionalverband-Direktor Ludger Stüve und der Kelsterbacher Bürgermeister Manfred Ockel.

Protest gegen Kunstwerk

Eine der vier Offenbacher Stationen sorgte schon im Vorfeld für einige Aufregung. Ein eingerüsteter, ehemaliger Strommast am Bootsclub Bürgel stößt bei einigen Bürgeler Vereinen und Anwohnern auf Widerstand. Sie sehen darin ein Symbol für politische Willkür und arrogante, am Bürger vorbeigehende Planung. Sie protestierten mit einem Banner gegen das „hässliche“ Werk des Künstlers Martin Wenzel, bei dessen Errichtung sie keinerlei Mitspracherecht gehabt hätten. Schon seit Baubeginn kursieren „Klo des Kaisers“, „Vollpfosten“ und „Jahrmarktgestell“ als wenig schmeichelhafte Bezeichnungen, die sich die Station „Flussvögel“ gefallen lassen muss. Diese befasst sich mit dem Einfluss der Klimaveränderung auf den Vogelflug und soll mit ihrer erhöhten Plattform als „Vogelhotel“ dienen Störche und Kraniche anlocken. Doch es gibt auch zustimmende Stimmen aus Bürgel, etwa vom lokalen Raumausstatter Frank Mottscheller. Er sieht die „monumentale, künstlerisch überzogene Darstellung“ von komplexen, naturwissenschaftlichen Themen als „den richtigen Weg, um sich damit auseinanderzusetzen, und zwar offensichtlich, plötzlich und nicht hinter musealen Wänden“.

Am Bürgeler Reichstag befindet sich die Station „Flussatmosphäre“, ein Steg mit gelben Pfosten, der den Aufbau der Atmosphäre und die Lebensformen in den verschiedenen Schichten erläutert. Die vierte Offenbacher Station zum Thema „Flusskultur“ ist am Mainuferpark und trägt den Titel „Fatamorama“. Industrie- und Mainlandschaft verschmelzen in einer Collage, es entsteht eine surreale Landschaft.

Ein Besuch der Station „Flussfische“ in Mühlheim lohnt sich besonders im Dunkeln. Die Infotafeln über Fische im Main und im Amazonas sind mit Nachtleuchtfarbei angemalt. Die Spundwand im Nachenhafen ist begehbar. Am Frankfurter Hafenpark zeigen überdimensionale Windhalme der Station „Flusswind“, wie wichtig Durchlüftung für die Stadt ist. In Niederrad ist die Station „Flussfluten“ Starkregenereignissen und Fluten gewidmet, eine Sitzgelegenheit erinnert an Strandgut. Wer weiter nach Westen geht, gelangt in Kelsterbach an der Mündung zur Kelster zu der sich noch im Bau befindlichen Terrassenstufen-Station „Flusswälder“, die sich mit Auenwäldern befasst.

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