Klingspormuseum feiert 60. Geburtstag

Schätze von Weltrang

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Wer sich für Schriftkunst interessiert, gerät beim Besuch des Klingspormuseums ins Schwärmen. Seine Sammlung hat hohes internationales Niveau. Der 60. Geburtstag ist Anlass für einen Veranstaltungsreigen.

Offenbach - Es ist eine Institution von Weltrang, mitten in Offenbach und eng mit der Stadtgeschichte verwoben. Trotzdem ist es für viele Offenbacher ein Buch mit sieben Siegeln: das Klingspormuseum. Seine Schätze erschließen sich vermeintlich nur Eingeweihten, Fachkundigen. Von Veronika Schade

Buch- und Schriftkunst ist kein massentauglicher Publikumsmagnet. Wie spannend sie sein kann und wie vielfältig die Offenbacher Sammlung ist, möchte das Museum anlässlich seines Jubiläumsjahrs zeigen. Zum 60. Geburtstag bietet es mehrere Veranstaltungen an. Höhepunkt ist das Symposium am 6. und 7. November, zu dem sich hochkarätige Gäste aus dem In- und Ausland angekündigt haben. Museumsleiter Dr. Stefan Soltek und sein Team haben viel Zeit, Herzblut und nicht zuletzt Geld in die Vorbereitungen investiert. Doch Rest-Nervosität bleibt. Werden genug Besucher kommen? „Das Symposium hat keine spezielle Fachausrichtung, das macht es schwieriger, Fachpublikum anzulocken“, weiß Soltek. Er hofft deshalb darauf, dass auch Nicht-Spezialisten den Weg in den Südflügel des Büsingpalais finden. „Der Freundeskreis natürlich. Und Menschen, die einfach aus Interesse kommen und en bloc Universitätsgeschehen erleben möchten, das an einen anderen Ort verlegt wurde.“ Wer sich bis zum 30. September verbindlich zum Symposium anmeldet, das pro Tag 15 Euro kostet, bekommt eine Freikarte für die Frankfurter Buchmesse. „Mit ihr haben wir eine neue Kooperation“, freut sich der Museumsleiter.

Denn Kooperationen versprechen mehr Bekanntheit. Das Klingspormuseum in der Öffentlichkeit stärker zu positionieren, sei es durch Publikationen oder auf Plakatwänden, wäre Solteks Wunsch zum Jubiläum. Doch er traut sich kaum, ihn auszusprechen. Mangelt es doch im chronisch klammen Offenbach an Geld. Zufrieden ist er indes mit der Entwicklung der Besucherzahlen, die kontinuierlich steigen. Pro Jahr kommen rund 9 000 Besucher, allein 3000 in die Bibliothek, darunter hauptsächlich Fachleute und Schulklassen.

100 Exponate in Wort und Schrift

Einen auch für Laien verständlichen Zugang zu den Schätzen des Museums ermöglicht die Publikation „Einhundert Einblicke“, die anlässlich des 60-jährigen Bestehens erschienen ist. In alphabetischer Reihenfolge werden in Wort und Schrift 100 Exponate vorgestellt, die einen Eindruck verschaffen über die Vielgestaltigkeit sowie die Systematik und Struktur der Sammlung. Diese umfasst mittlerweile 75 000 Bände. Als das Museum am 7. November 1953 eröffnet wurde, waren es 3 000 Bände. Den Grundstock bildeten die Schenkungen des Offenbacher Schriftgießers Karl Klingspor, dessen Wunsch es war, dass die Stadt ein Museum für Schriftkunst bekommt. Nach und nach kamen wertvolle Stücke wie die Guggenheim-Sammlung, die Nachlässe von Rudolf Koch und Rudo Spemann, die Chagall-Bibel oder Werke des niederländischen Druckers und Typografen Hendrik N. Werkman hinzu, die dem Museum Weltrang verleihen.

Ein Meilenstein in der Museumsgeschichte war der Wiederaufbau des im Krieg zerstörten Mansarddachs. Im Dezember 2011 wurde das Dachgeschoss nach 16-monatiger Bauzeit der Öffentlichkeit übergeben. Das Museum hat damit einen 90 Quadratmeter großen Funktionsraum erhalten. Die Baukosten beliefen sich auf knapp 1,5 Millionen Euro. Allein 450.000 Euro wurden von privaten Spendern gesammelt. Eigens dafür gründete sich 2004 ein Förderkreis. Das beweist: Den Offenbachern ist an ihrem Klingspormuseum gelegen. Und kann es einen besseren Anlass geben, es mal wieder zu besuchen, als sein Jubiläum?

Nacht der Museen in Offenbach

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