Ende der Spendenbereitschaft?

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Wenn’s schlecht läuft, sind die Zeiten bald vorbei, in denen Hermann Schoppe (rechts) regelmäßig Spendenschecks fürs Klinikum entgegennahm. So wie hier eine Spende des Lions-Clubs Offenbach-Lederstadt für die neue Palliativstation, die Hans-Peter Kloppenburg übergab.

Offenbach - Für wen oder was wird eigentlich noch Geld gesammelt? Diese Frage stellen sich inzwischen viele, die bislang das städtische Krankenhaus unterstützt haben, das nun ein privates wird. Von Fabian El Cheikh

Mit vielen Spenden zum Wohle der Patienten beigetragen hat der Förderverein des Klinikums. Ob er noch eine Zukunft hat, ist unklar.

Selbst Vereinsvorsitzender Hermann Schoppe kann den 175 Mitgliedern sowie privaten Geldgebern nicht sagen, ob und wie es künftig weitergeht. „Wir stecken zwischen Rinde und Borke“, lautet seine metaphorische Antwort. Kern der Unsicherheiten um Verein und Klinikum ist dessen rechtlicher Status: Kann und wird das Haus unter der Regie der Sana Kliniken AG weiterhin gemeinnützig betrieben oder nicht? Möglich wäre es unter Umständen, sagt Schoppe.

Unterstützung für den neuen Dachgartenspielplatz

Unter den 48 betriebenen Sana-Häusern befinden sich auch einige wenige gemeinnützige GmbHs. „Die künftige Zielsetzung, die von den Gesellschaftern, der Sana und dem Magistrat der Stadt noch nicht näher erörtert wurde, ist für uns entscheidend.“ Denkbar wäre eine Anpassung der Vereinssatzung. „Letztlich hängt aber von der Gemeinnützigkeit des Klinikums auch die Gemeinnützigkeit unseres Vereins ab“, bringt es der Vorsitzende auf den Punkt.

Schoppe versucht zu unterstreichen, dass der Verein weiterhin eine Existenzberechtigung habe, auch wenn der neue Betreiber Profit aus dem Klinikum ziehen wolle: „Den Patienten interessiert die Rechtsform doch nicht, er braucht einfach nur Hilfe.“

Bislang hat der Förderverein, den Bürger, Freunde, Förderer und Mitarbeiter des Klinikums im Mai 2008, in Zeiten leerer öffentlicher Kassen, aus der Taufe gehoben hatten, vor allem in die Ausstattung der einzelnen Kliniken investiert. Die Anschaffung von bequemen Sitzgruppen, Leuchten und die Farbgestaltung der neuen Palliativstation sowie die Ausgestaltung der Kapelle im Neubau sind nur zwei der jüngst abgeschlossenen Projekte. Aktuell bemüht sich der Verein um finanzielle Unterstützung für den neuen Dachgartenspielplatz, für den unter anderem weitere Spielgeräte angeschafft werden sollen.

Großteil wird in die Psychiatrie investiert

Ob Spendengelder für Ausstattungsgegenstände nach der Privatisierung noch in ähnlicher Höhe fließen werden wie bislang, ist jedoch eher unwahrscheinlich. Vielleicht könnte sich der Verein in Zukunft eher auf humanitäre Projekte konzentrieren. So wie er derzeit die medizinische Versorgung des neunjährigen Bilal aus Pakistan finanziell unterstützt, damit dessen schwere Behinderungen nach früheren Brandverletzungen behandelt werden können.

Dass der Vorstand ein baldiges Ende der Vereinsarbeit für durchaus realistisch hält, zeigt sich auch daran, dass er begonnen hat, die restlichen 160.000 Euro des Vereinsvermögens unverzüglich auszugeben, darunter Sponsorengelder und Mitgliedsbeiträge. Ein Großteil davon wird in die Psychiatrie investiert. Die Klinik erhält unter anderem Niederflurbetten für psychisch Schwerstkranke. Ventilatoren sollen in den drei Raucherräumen der geschlossenen Anstalt für etwas frischere Luft sorgen, außerdem soll der Innenhof der Psychiatrie saniert werden, „um den Patienten einen Aufenthalt in angemessenem Umfeld zu ermöglichen“.

Darüber hinaus bekommt die Dialysestation ein drittes Kleinosmosegerät, womit Leitungswasser so gereinigt werden kann, dass es für die Dialyse verwendet werden kann. Der bislang kaum genutzte offene Raum im Empfangsbereich des Klinikums wird mit Sitzgruppen und Tischen ausgestattet, „die Blumen stehen schon“, und „weil die Rollstühle gelegentlich Beine bekommen“, werden neue angeschafft, darunter Neuro-Rollis für Schwerbehinderte mit Kopfstützen. Das übrige Geld reicht dann sogar noch für weitere Falttrennwände für die Kardiologie, in der es „ab und an bei Notfällen noch eine Überbelegung mit Flurbetten gibt“. Zu guter Letzt soll die Einrichtung einer neuen Aufnahmestation in der zentralen Notaufnahme ermöglicht werden.

Während die Zukunft des Fördervereins ungewiss ist, ist es die eines weiteren großen Benefiz-Projektes nicht. Die Reha- und Behinderten-Sporthalle „Tommy Hall“ ist vertraglich in den Klinik-Alltag eingebunden – allein, sie kann erst nach einem Abriss der Auffahrt-Rampe zum Altbau gebaut werden. Das Geld für den Bau hat die von der Behindertenhilfe in Stadt und Kreis, der Kinderhilfestiftung, dem Verein Lebensräume, dem sozialpädiatrischen Zentrum, den Städtischen Kliniken und unserer Zeitung getragene Initiative nach verschiedenen Spendenaktionen in etwa zusammen.

Das Klinikum hat sich verpflichtet, nach Fertigstellung den Betrieb zu finanzieren, zumal ihm vertraglich die Nutzung der Halle zugesichert wurde. Der Verein Bewegung für Menschen, der sich aus einer Spendenaktion anlässlich der letzten Aufführung des Tommy-Musicals im Büsingpalais 1996 gegründet hatte, löst sich dann auf.

  • Zum Engagement des Förderkreises zählen auch Benefizkonzerte, wie das am kommenden Sonntag, 16 Uhr, in der Marienkirche (Bieberer Straße 55) zugunsten des Brustzentrums mit dem Collegium Musicum Frankfurt. Karten zu 12,50 Euro gibt’s im OF-Infocenter, im Ringcenter und an der Tageskasse.

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