Klinik-Insolvenz vorerst abgewendet

Kommentar: Entwarnung - bis wann?

Der gemeine Offenbacher traut sich schon nicht mehr aus der Deckung. Überall, wo er den Kopf rausstreckt, gibt´s was auf die Rübe. Von Frank Pröse

Herr unserer Finanzen sind wir schon lange nicht mehr und auch mit dem von OB und Kämmerer Horst Schneider überarbeiteten Etatentwurf ist zunächst nur die Hoffnung verknüpft, dass die Genehmigungsbehörde ein Auge zudrückt.

Nach dem Motto „Es wird schon gutgehen“ ist ganz offensichtlich auch beim Städtischen Klinikum verfahren worden. Es ist eben nicht gutgegangen! Erst haben Land und Regierungspräsident die Notbremse gezogen und damit eine überfällige Entscheidung quasi oktroyiert, zu der die verantwortlichen Offenbacher Politiker nicht fähig waren. Längst hätte sich die Erkenntnis durchsetzen müssen, dass sich Offenbach ein kommunales Krankenhaus nicht mehr leisten kann. Das ist wahrlich keine „Postoperative Klugscheißerei“, um ein geflügeltes Wort des Ex-OB Gerhard Grandke aufzugreifen. Wir stellen nur nachträglich fest. Im Prozess hatten andere das Sagen. Wir hatten keinen Einblick in die Akten, waren in den Aufsichtsgremien nicht vertreten, haben das Führungspersonal nicht rekrutiert und zugelassen, dass sich Kohorten von Beratern die Taschen vollgestopft haben. Wir haben nicht ahnen können, dass Unterlagen nicht vollständig waren, dilettantisch aufbereitet und wenig aussagefähig vorgelegt und dennoch akzeptiert wurden. Wir wollten bisher nicht allein aufgrund von wenigen spärlichen und natürlich nie autorisierten Hinweisen glauben, dass sich am Patienten Klinikum eine Laienspielerschar ausgetobt hat, um ein weiteres gern genutztes Bonmot aufzugreifen.

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Deshalb gehören auch wir zu jenen, die jetzt ebenso entgeistert wie die sich verschaukelt fühlenden Beschäftigten und eine um die Daseinsvorsorge besorgte Bevölkerung auf eine katastrophale Entwicklung blicken. Regelmäßig müssen sich die Gesellschafter mit der drohenden Pleite ihres Gesundheitskomplexes auseinandersetzen. Und das just zu Zeiten, zu denen auf verschiedenen Ebenen immer noch von der möglichen Sanierung bis 2015 die Rede ist. Die schönen Grafiken, die das belegen sollen, sie taugen nichts. Sie dokumentieren vielmehr Fehleinschätzungen von Geschäftsführung und städtischen Kontrollorganen. Die werden heute wieder in blumigen Worten Entwarnung geben - für die Zeit bis zum Verkaufstermin. Und dann sind wir gespannt, wer den Kopf rausstreckt und Verantwortung übernimmt für die Verschleuderung städtischen Vermögens in ungeahntem Ausmaß.

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