Käufer wird im Mai bekannt

Für Klinikum kein Erlös zu erzielen

Offenbach - Von der Vorstellung, einen Kaufpreis für ihr Klinikum zu erzielen, müssen sich die Offenbacher verabschieden. Seit gestern Mittag liegen die abschließenden Angebote der Interessenten vor. Von Thomas Kirstein

Wie viele in der engeren Wahl sind oder Namen darf der Verkaufsbevollmächtigte Prof. Friedrich Grimminger nicht verraten. Er versichert: „Was zustande gekommen ist, stellt das Beste dar, was rauszuholen war.“

Im November 2012 stand das Klinikum kurz vor der Pleite. Landesregierung, Magistrat und Geschäftsführung vereinbarten in letzter Minute, dass die Stadt ihr Krankenhaus mit weiteren Millionen am Leben erhalten darf, wenn die Privatisierung eingeleitet wird. Grimminger, Ärztlicher Direktor des Gesundheitszentrums Wetterau, wurde mit den Verkaufsverhandlungen betraut.

Käufer erst nach dem 2. Mai bekannt

Nun haben die Gremien der Stadt das Wort, dürfen aber nicht öffentlich beraten. Wer Käufer des Klinikums wird, soll erst nach dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung am 2. Mai bekannt werden.

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Gestern unternahmen die Verantwortlichen alles, um Befürchtungen im Zusammenhang mit der Übernahme des Krankenhauses durch eine private Gesellschaft zu zerstreuen. Grimminger, Oberbürgermeister Horst Schneider und Bürgermeister Peter Schneider als zuständiger Dezernent betonten als wichtigsten Erfolg, dass der Stadt auf jeden Fall ein Krankenhaus der Maximalversorgung erhalten bleibe. Die Interessenten hätten „das strategische Potential des Klinikums erkannt“ und gingen angemessene Verpflichtungen ein.

Arbeitsplätze sind nicht gesichert

Eine Bestandssicherung für Arbeitsplätze, derzeit 2 300, gehört nicht dazu. Grimminger geht aber davon aus, dass ein neuer Eigentümer das Leistungsspektrum eher ausbauen werde, weswegen er sich Personalabbau in großem Stil nicht vorstellen kann – zumindest nicht auf medizinisch-pflegerischer Ebene. Der Sanierungskurs soll weitergehen, die Altersversorgung der Mitarbeiter steht nicht zur Disposition.

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Der Verkauf, der am 30. Juni wirksam werden soll, wird der Stadt keine Reduzierung jener Schulden bringen, die mit dem weiterhin von ihr jährlich mit 17 Millionen abzuzahlenden Neubau verbunden sind. Bürgermeister Peter Schneider rechnet mit Lasten von bis 450 Millionen Euro – Baukosten und Altschulden –, mit denen der Klinik-Verkauf den städtischen Haushalt belasten wird.

Risiken der Zukunft liegen beim Bieter

Die Rede ist von „sehr fairen Angeboten“, bei denen die Risiken der Zukunft beim Bieter bleiben. Es besteht die unbegrenzte finanzielle Verpflichtung, eine Insolvenz für mindestens zehn Jahre abzuwenden. Einer der Bieter lockt mit einem Sozialplan. Zudem besteht laut Grimminger ein erheblicher Investitionsbedarf.

Offensichtlich ist ein Angebot in die besonders enge Wahl geraten. Es beinhaltet unter anderem den Rückfall des lukrativen städtischen Altenheims an die Stadt.

Einen ausführlichen Artikel zu den Hintergründen des Klinikum-Verkaufs gibt es hier. Außerdem: Ein Kommentar zum Klinikum Offenbach von Offenbach-Post Chefredakteur Frank Pröse.

Rubriklistenbild: © dpa

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