„Spiegel“-Bericht über Klinik-Desaster

Untergang in Abu Dhabi

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Offenbach - Aus diesem Abenteuer sind die Stadt und ihr Klinikum wohl mit einem hellblauen Auge davongekommen: Die gescheiterte arabische Zukunftsvision dürfte kaum einen nennenswerten Beitrag zum übrigen finanziellen Desaster des bald nicht mehr kommunalen Krankenhauses geleistet haben. Von Thomas Kirstein

„Allenfalls ganz geringer Schaden“ ist nach Einschätzung des heutigen Klinikdezernenten, Bürgermeister Peter Schneider (Grüne), durch das Offenbacher Engagement bei einem medizinischen Immobilien-Projekt im Emirat Abu Dhabi entstanden. Nichts dran sei jedenfalls an der in einer anonymen Strafanzeige enthaltenen Behauptung, es seien drei Klinik-Millionen in einen geschlossenen Investmentfonds geflossen. Das ließ die ermittelnde Kriminalpolizei den Bürgermeister wissen.

Weitaus schmerzhafter ging das gleiche arabische Abenteuer bislang für die tatsächlichen Anleger aus. Nach einem Bericht des „Spiegel“ vom 13. Mai sind 96 Millionen Euro in der Wüste von Abu Dhabi verweht. Statt einer vom Klinikum Offenbach betriebenen Modellklinik für Herz-, Gefäß und Nierenmedizin sei in Abu Dhabi „die teuerste Betonplatte der Emirate – made in Germany“ zu finden. Der „Spiegel“: „Als anfang November 2012 einige Anleger die Baustelle sehen wollten, wurde kurzfristig ein Bulldozer gemietet – Potemkin in der Wüste.“

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3500 deutsche Anleger des Fonds „Middle East Health Care“ bei der Nürnberger Shedlin Capital AG seien immer noch nicht aus ihrem Traum aufgewacht, schreibt das Magazin. Sie haben sich anlocken lassen von – auch heute noch im Internet zu finden – Renditeversprechen von 14,28 Prozent im Jahr und respektablen Beteiligten: neben dem „erstklassigen arabischen Partner“ ein „deutscher Betreiber“ des „1. deutschen Krankenhauses in den Vereinigten Arabischen Emiraten“. Letzterer war das Klinikum Offenbach.

2008 besiegelten sie schöne Zukunftsvisionen: die Fonds-Initiatoren Oliver Schorn, Kamaran Amin und Markus Euler, Hans-Ulrich Schmidt und Alexander Heinz vom Klinikum Offenbach.

Initiatoren waren die Herren Kamaran Amin, Markus Euler und Oliver Schorn, laut dem Nachrichtenmagazin mit nur „homöopathischer Ahnung“ von Kliniken oder Projektmanagement, insgesamt aber fürstlich entlohnt. Im Juli 2008 unterzeichnete das Trio mit dem damaligen Offenbacher Klinikgeschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt und dessen Abu-Dhabi-Beauftragten Alexander Heinz öffentlichkeitswirksam den Vertrag über die Zusammenhang.

Am 20. Mai 2008 hatte Schmidt die Vision der Presse vorgestellt: Man werde das künftige „German General Hospital“ betreiben und verspreche sich davon die Überweisung Umsatz steigernder Patienten. Eine eigene Abteilung mit zehn Betten für anspruchsvolle Araber war für den Offenbacher Neubau im Gespräch; das Wort von der Hoffnung auf die Scheichs machte bald die Runde. Unsere Zeitung kommentierte damals, dass das Klinikum eigentlich andere Baustellen hätte, um die man sich kümmern müsste.

Ärztezeitung bejubelte die Kooperation

Noch im Jahr 2010 bejubelte die Ärztezeitung die Kooperation der Offenbacher mit Immobilienfonds in Abu Dhabi. Ihre Quelle für den Optimismus: Holger Strehlau, Präsident der Hessischen Krankenhausgesellschaft und als Chef der Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken einst Geschäftsbesorger und Beinahe-Partner in Offenbach. Es dauerte dann nicht mehr lange, da war das Abenteuer für die Offenbacher erledigt und wurde ohne großes Aufheben beerdigt. Der von Schmidt nach Abu Dhabi entsandte Berater wurde abgezogen. Dessen angeblich per Business-Class absolvierten häufigen Flüge an den Golf sind heute noch hin und wieder Thema am Klinikum.

Nicht ausgestanden sind juristische Nachwehen wegen eines Nebenaspekts. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt ermittelt gegen die frühere Geschäftsführung des Klinikums wegen Betrugs. Anzeige erstattet hat ein Anbieter medizinischer Transporte, dem gute Geschäfte mit Patientenflügen von Abu Dhabi nach Frankfurt/Offenbach versprochen worden waren.

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