Muslimischer Gebetsraum im Klinikum

Gebetsraum im Klinikum: Kraftquelle für Patienten

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Das Freitagsgebet ist für Muslime sehr wichtig. Mit Imam Osman Cemil Bozkaya (links) können sie es künftig im Klinikum beten.

Offenbach - Der Freitag ist für Muslime heilig, das Gebet an diesem Tag das wichtigste der ganzen Woche. Muslimische Patienten im Klinikum mussten bisher darauf verzichten, mit einem Imam gemeinsam das Gebetsritual zu begehen. Von Veronika Szeherova

Seit vergangenem Freitag hat sich das geändert: Das Freitagsgebet ist nun ein fester Bestandteil im Angebot des Klinikums. Zum Auftakt gab es eine Feierstunde. Der Muezzin beginnt mit dem Gebetsruf. Die gesungenen arabischen Worte ertönen durch den langen Korridor im ersten Stock des Klinikums. Die Gläubigen ziehen ihre Schuhe aus, bevor sie den Andachtsraum betreten. Sie knien auf dem Teppich nieder, schließen die Augen, versinken im Gebet. Vorn betet im weißen Gewand Osman Cemil Bozkaya. Der Imam von der Selimiye-Moschee will künftig jeden Freitag ehrenamtlich hierher kommen und den Patienten, Angehörigen und Mitarbeitern Hoffnung, Zuversicht und Segen geben.

Ein Krankenhausaufenthalt kann sehr belastend sein. Nicht selten geht es um existenzielle Fragen. Kraft und Trost finden religiöse Menschen im Gebet. Eine Kapelle gehört zu jeder Klinik. In einer Stadt wie Offenbach mit 152 Nationen sollte auch ein Gebetsraum für Muslime und andere Religionen selbstverständlich sein. Doch erst im Jahr 2005 wurde ein solcher Raum im Altbau des städtischen Krankenhauses eröffnet. „Es war ein harter Kampf“, erinnert sich Abdelkader Rafoud, Vorsitzender des Ausländerbeirats.

Im Neubau bekam der Gebetsraum einen zentralen Platz neben der Kapelle. Er wurde 2011 als Gemeinschaftsprojekt auf Rafouds Initiative von den muslimischen Gemeinden auf eigene Kosten ausgestaltet. „Er wird sehr rege genutzt“, sagt Klinikum-Sprecherin Marion Band. „Das sieht man daran, dass immer viele Schuhe davor stehen.“ Wie hoch der Anteil an muslimischen Patienten ist, wird statistisch nicht festgehalten. „In den Fragebögen tragen nur die wenigsten ihre Religion ein“, erläutert Band. Neben Patienten und Angehörigen nutzen Mitarbeiter den Raum für Stille, Besinnung und Gebet.

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Der Wunsch des Ausländerbeirats, dort das Freitagsgebet fest einzuführen, stieß bei der Klinikumsverwaltung auf offene Ohren. „Es hat nur eine Woche gedauert, bis unser Gespräch in die Wirklichkeit umgesetzt wurde“, lobt Rafoud mit Blick auf die Geschäftsführerin Franziska Mecke-Bilz. Sie sah keine bürokratischen Hürden und „tat es einfach“: „Messen und Gottesdienste sind bei uns selbstverständlich, nun auch das Freitagsgebet. Die Patienten wünschen sich nicht nur gute medizinische Betreuung, sondern auch, dass ihre spirituellen Bedürfnisse Beachtung finden.“

Aufsichtsratsmitglied und Stadtrat Wilfried Jungbluth (SPD) sieht darin einen Bestandteil moderner, kommunaler Integrationspolitik. Er erinnert sich an die langwierigen Diskussionen, bis überhaupt der erste Gebetsraum entstehen durfte. „Am Anfang gab es Vorschläge, den Raum in einem anderen Gebäude unterzubringen. Das bedeutete religiöse Identität zum Preis der Ausgrenzung.“

Auch die Nachbarn von der christlichen Seelsorge sprechen zum Auftakt Grußworte. „Ein Krankenhaus steht für den Anfang und das Ende eines Menschenlebens“, sagt Pfarrerin Angelika Habicht-Preis. Es sei ein Ort des Schicksals, an dem Menschen ihr Leben in Gottes Hand legen. „Es gibt noch eine andere Wirklichkeit als die der Medizin“, so der katholische Pastoralreferent Andreas Hoffmann.

„Beten unterstützt beim Gesundwerden“, sagt Imam Mehmet Ergün von der Mevlana-Moschee. Rafoud wünscht allen, die künftig zum Freitagsgebet kommen, Gottes Segen – nicht zuletzt dem Klinikum selbst. Auch unter dem neuen Besitzer.

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