Geschäftsmann sieht sich abgezockt

Keinen Cent vom Klinikum

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Hubschrauber fliegen ein, die einst erhofften Patienten aus Abu Dhabi nicht.

Offenbach - Die Staatsanwaltschaft Darmstadt muss sich ein weiteres Mal mit dem Klinikum Offenbach und seiner früheren Geschäftsführung beschäftigen. Frühere Ermittlungen betrafen Untreue, die aktuelle Anzeige nennt als vermeintlichen Straftatbestand Betrug. Von Thomas Kirstein

Sie richtet sich namentlich gegen Ex-Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt , seinen damaligen Stellvertreter Gunnar Sevecke, den Ärztlichen Direktor Prof. Norbert Rilinger und dessen Vize Prof. Harald Klepzig.

Es geht um Verträge und Geschäfte im Zusammenhang mit der in großem Umfang beabsichtigten Behandlung ausländischer Patienten. Eine Rolle spielt dabei das von Ex-Chef Schmidt als zukunftsweisend gepriesene, später aber verschämt beerdigte Projekt eines von den Offenbachern mitgeplanten und betriebenen Partnerkrankenhauses in Abu Dhabi.

Nie Geld erhalten

Strafrechtliche Konsequenzen will Ulrich Link, Inhaber der in Fulda ansässigen Firma LFD medizinisches Consulting. Er wirft der ehemaligen und teils noch amtierenden Klinikspitze vor, mit ihm Vereinbarungen getroffen zu haben, für die er Vorleistungen erbrachte, aber nie Geld erhielt. Links LFD bietet die Rundum-Organisation von Patientenflügen aus dem Ausland zu deutschen Kliniken, Sanatorien und Reha-Einrichtungen, arbeitet weltweit mit Patientenvermittlern zusammen, sorgt neben medizinisch begleitetem Lufttransport etwa für die Unterbringung von Angehörigen in Hotels, für Visa, Dolmetscher und besondere Betreuung.

In Offenbach hatte man in erster Linie ein Auge auf betuchte kranke Araber geworfen, die über die Zweigstelle in Abu Dhabi akquiriert werden sollten. Laut Ulrich Links Darstellung und Strafantrag kam es 2009 auf Empfehlung eines Offenbacher Mediziners zu ersten Kontakten zwischen ihm und dem bereits Emirats-engagierten Klinikmanager Schmidt.

Aufträge für Flüge und Dienstleistungen blieben aus

Vereinbart worden seien mit ihm jährlich 120 Ambulanzflüge mit einem Auftragsvolumen von pro Jahr bis zu sechs Millionen Euro. Link erinnert sich an frühe Zweifel wegen der bereits bekannten finanziellen Schieflage des Stadtkrankenhauses. Schmidt, so schreibt er dem Staatsanwalt, habe ihm damals versichert: „Herr Link, machen Sie sich keine Sorgen, Geschäfte mit dem Klinikum Offenbach sind so sicher wie mit einer Bank.“

Der Unternehmer hat bis heute keinen Cent gesehen. Aufträge für Flüge und Dienstleistungen blieben aus. Erst als er hartnäckig nachgehakt habe, sei ihm „durch die Blume“ eröffnet worden, dass der Vertrag mit Abu Dhabi leider nicht mehr bestehe.

Von Geschäftsführer Schmidt erhielt Link dann nach seinen Angaben das Angebot, man könne zum Ausgleich für seine Verluste aus dem gescheiterten Abu-Dhabi-Projekt einen anderen Vertrag über die Vermittlung und Betreuung ausländischer Patienten weltweit abschließen. Mit Schmidt und seinem Vize Sevecke habe er 1500 Euro je Patient vereinbart. Doch auch dieser Vertrag bleibt für ihn ohne Ertrag. Link erhebt Ansprüche auf das Honorar für 130 Patienten im Jahr. Mahnungen über 230.000 Euro verpuffen in Offenbach. Er zieht vors Landgericht Marburg, das ihm aber nur die Vergütung für tatsächlich von ihm angesprochene 26 Patienten zuspricht – er geht in Revision. Aber auch die Minimalforderung 40.000 Euro erfüllt das Klinikum, jetzt unter neuer Leitung, nicht.

Strafanzeige

Dank seiner Vermittlungen, sagt er, wären das für 2010 für das Klinikum bis zu 750.000 Euro Mehreinnahmen gewesen. Tatsächlich sei er aber bei anscheinend nicht informierten Chefärzten abgeblitzt: „Weil die mit dem Schmidt nicht konnten, haben sie’s den Bach runtergehen lassen.“ Gegenüber unserer Zeitung kündigt der Geschäftsmann an, auch Regress für das entgangene Fünfmillionengeschäft mit Abu Dhabi einzufordern. Das beliefe sich auf fünf Prozent, etwa 250.000 Euro.

Seine Strafanzeige begründet Link mit dem Verdacht, dass das Klinikum nie die Absicht gehabt habe, Zahlungen zu leisten, weil ihm von vornherein die Mittel gefehlt hätten. Das deute darauf hin, dass er betrogen worden sei.

Der zuständige Dezernent, Bürgermeister Peter Schneider, und die Geschäftsführung des Klinikums bedauern, keine Stellung zu den Vorwürfen nehmen zu können, da es sich um ein laufendes Verfahren handele. Zudem bezögen sich die erhobenen Vorwürfe auf Vorgänge, „mit denen die heutige Geschäftsführung in keiner Weise befasst war oder ist“.

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