Nach Verkauf an Sana

Klinikum: Der Retter zeigt Flagge

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Offenbach - Spürbare Erleichterung bei den Verantwortlichen, zufriedene Gesichter bei der Pressekonferenz im Offenbacher Rathaus: „Ich bin sehr froh, dass es jetzt nicht mehr darum geht, am Klinikum Löcher zu schließen“, sagt Friedrich Grimminger, der für die Stadt und im Auftrag des Landes die Verhandlungen beim Verkauf des Klinikums Offenbach geführt hatte Von Peter Schulte-Holtey

„Jetzt geht es mit voller Kraft in die Zukunft.“ Fast überschwänglich lobt er den Käufer aus Bayern. Der Professor lächelt dabei erstaunlich oft. Er spricht von einem „würdevollen Verfahren“, die Übernahme eines Maximalversorgers sei ja eine besondere Herausforderung. Und er ist sehr zufrieden, weil Sana „die fachliche und wirtschaftliche Stärke mitbringt, um ein Haus wie Offenbach erfolgreich zu führen“. Grimminger lobt, dass „die Mitarbeiterinteressen gewahrt worden sind“. Sana habe schon an anderen Kliniken Vorbildliches geleistet. Und er sattelt noch drauf: „Ich bin absolut zuversichtlich, dass das Rhein-Main-Gebiet einen starken Partner bekommen hat. “

Dem Klinikum weiter vertrauen

Schulterklopfen auch bei den Stadtoberen. Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD): „Hunderttausende potentielle Patienten in der Region können dem Klinikum weiterhin vertrauen“. Bürgermeister Peter Schneider (Grüne) freut sich ebenso: „Das Krankenhaus der Maximalversorgung bleibt erhalten, das ist mir wichtig. Ein monatelanger Prozess der Verunsicherung ist zu einem guten Ende gekommen.“ Und der Klinikdezernent freut sich darauf, dass „der Altbau bald verschwunden sein wird; das soll ja schnell passieren“. Auch die Käufer aus München strahlen jede Menge Optimismus aus, legen aber immer wieder den Finger in die Wunden des Klinikums. „Wir müssen bei den Patienten und niedergelassenen Ärzten um neues Vertrauen werben“, betont der Sana-Vorstandsvorsitzende Michael Philippi. Die Akzeptanz des Klinikums in der unmittelbaren Umgebung sei zu gering. „Wir werden dann Spaß haben, wenn deutlich mehr Patienten aus der Region das Klinikum aufsuchen“, beschreibt er ganz deutlich, an welcher Stellschraube Sana vor allem drehen will. Die weitere wichtige Aufgabenstellung: „Wir müssen das Klinikum zu Ende bauen. Der Campus muss so gestaltet werden, wie er es verdient hat.“ In drei bis fünf Jahren erwartet Philippi bessere Zahlen. Mit allen beteiligten Verantwortlichen am Klinikum werde jetzt eine Bestandaufnahme gemacht. „Wir sagen nicht, es verändert sich nichts.“´

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Erreichen will der künftige Mehrheitsgesellschafter Sana die Sanierung „mit der richtigen Balance zwischen Patientenerwartungen, Erwartungen der Beschäftigten und wirtschaftlicher Tragfähigkeit“, fügt Finanzvorstand Thomas Lemke hinzu. Auch er verspricht entscheidende Fortschritte bei der „baulichen Infrastruktur“. Mit deutlichen Investitionen soll das Fundament für die Zukunft gelegt werden.

Sana steigt im Juli ein

Sana steigt zum 1. Juli ein. Ab diesem Termin trägt das Unternehmen das Defizit der Klinik. Wie riesig die Aufgabe in Offenbach für den Konzern ist, verdeutlichen die Zahlen: 2012 lief ein 35-Millionen-Euro-Defizit auf - der Gewinn der Sana Kliniken AG lag zuletzt mit rund 47 Millionen Euro nur knapp darüber. Man will sich auf die Aufgaben in Offenbach konzentrieren, mit einer neuen Geschäftsführung. „Wir gehen jetzt nicht auf Einkaufstour im Rhein-Main-Gebiet“, widerspricht Vorstandschef Philippi allen Mutmaßungen.

Sana und die Stadtoberen setzen also auf Tatkraft und Optimismus. Störfeuer kommt aber weiterhin vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in Rhein-Main. Er sieht die Sache mit dem Klinikverkauf unverändert kritisch: „Dass die Stadt Offenbach auf dem kompletten Schuldenberg sitzen bleibt und das Klinikum nun verschenkt wird, ist keine politische Glanzstunde“, rügt DGB-Regiongeschäftsführer Alexandre da Silva.

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