Kommentar: Schlimme Berateritis

Peter Schulte-Holtey

Und wieder ein neuer Beratungs- bzw. Prüfungauftrag fürs Klinikum Offenbach. Die Verwunderung vieler Mitarbeiter ist nachvollziehbar. Auch diejenigen, die jetzt erstaunlich zornig auf die Nachricht reagiert haben, werden auf Verständnis stoßen. Von Peter Schulte-Holtey

Riesige Beträge hat die Stadt in der Vergangenheit in horrend teure Beratungen gesteckt und viele aus dem Beratungssektor haben sich dabei eine goldene Nase verdient. Spürbares hat es nicht gebracht, das Klinikum ist weiterhin rasant schnell in die roten Zahlen gerutscht. Ein Trauerspiel - nicht nur für die Mitarbeiter, die um ihren Arbeitsplatz bangen

Tatsächlich ist die „Krankheit“ des Klinikums in den vergangenen Jahren erstaunlich fahrlässig stets nur in Ansätzen therapiert worden. Der erforderliche Handlungsbedarf wurde durch immer neue Schönwetterprognosen der Entscheider verdrängt. Auf die wirkliche finanzielle Situation hat die frühere Klinikleitung nie deutlich genug hingewiesen; sie hat nicht vehement genug für erforderliche Strukturveränderungen geworben oder bei den Verantwortlichen der Stadt kein Verständnis gefunden. Besonders ernüchternd: Zahlreiche Experten waren im Haus unterwegs, machten Vorschläge zur „Verschlankung“. Die Berateritis hat nichts an der Situation des schwierigen Patienten am Starkenburgring in Offenbach geändert; eher den Schlingerkurs noch verschlimmert.

Dass jetzt McKinsey-Fachleute gerufen wurden, gleicht einer Bankrotterklärung. Man wird den Eindruck nicht los, dass die Verantwortlichen die Klinik-Zahlen nicht mehr verstehen. Nur mit Nothilfe von außen können sie sich etwas Überblick verschaffen. Eine fatale Entwicklung.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare