Abwerber statt Bewerber

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Im neuen Klinikum Offenbach sind noch zahlreiche Mängel zu beheben.

Offenbach ‐ Wenn der Begriff Mangel dafür steht, dass etwas fehlt, hat Hans-Ulrich Schmidt, Geschäftsführer des Klinikums Offenbach, bei seiner gestrigen Neubau-Bilanz leicht untertrieben. Von Marcus Reinsch

Denn was den Betrieb des Klinikums momentan mehr beeinträchtigt als falsch gesetzte Steckdosen, abgeplatzte Latexfarbe in den Treppenhäusern, Dellen in Wänden und all die anderen Ärgernisse für Belegschaft und Patienten, ist Personalmangel.

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30 Fachkräfte, vor allem in der OP- und Intensivpflege, würde Schmidt lieber heute als morgen einstellen. Weil aber der Markt wie leergefegt ist, konnten beispielsweise noch nicht alle Betten in Betrieb genommen werden. In den auf 100 Plätze im Neubau ausgeweiteten Intensiv- und Beobachtungsstationen  sind erst 85 Betten verfügbar.

Das Patientenleitsystem muss beispielsweise nachgebessert werden, weil die bunten Schilder Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt zufolge in die Irre führen können.

Doch statt Bewerbern stehen Abwerber Schlange – eine Art „Kopfgeldjäger“, die vor allem spezialisierte Mediziner mit lukrativen Offerten an andere Kliniken locken wollen. Manchmal tauchen sie vor Ort auf und „werben Leute von der Station ab“, erklärt Schmidt. Aber meistens schreiben sie diskrete Mails.
Das seit Jahren defizitäre Offenbacher Klinikum kann sich kaum dagegen wehren. Im „Kampf um die Spezialisten“ (Schmidt) arbeitet auch die Geschäftsführung mittlerweile mit Headhuntern der von Provisionen lebenden Personalagenturen zusammen. Doch Schmidt hat wenig zu bieten. Im Klinikum gilt für die Masse der Belegschaft immer noch der unattraktive Sanierungstarifvertrag, und „bei übertariflicher Bezahlung können wir nicht mithalten“. Immerhin: Eine Betriebsvereinbarung erlaubt es, Neuen eine Art Begrüßungsgeld zu zahlen.

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Lange wird es dauern, bis auch alle juristischen Konsequenzen des Neubaus ausgefochten sind. Vier Jahre, eher fünf. Manche der etwa 60 am Neubau beteiligten Firmen wollten für ihre Fehler nicht einstehen und nachbessern. Das bedeutet: Gutachten, Klagen, Gerichtsurteile.

Geschätzte Verluste: Zehn Millionen Euro

Aber das lohne, weil es teils um hohe Summen gehe, heißt es. Und auf die kann der kommunale Gesundheitskonzern Klinikum auf keinen Fall verzichten. Nicht alleine der Umzug hat die Bilanz in dramatische Tiefen getrieben. Geschätzte Verluste: Zehn Millionen Euro, kalkuliertes Defizit dieses Jahr: ein zweistelliger Millionenbetrag.

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Den Durchbruch in schwarze Zahlen will Schmidt bis zum Jahr 2013 mit effizienteren Abläufen und einer höheren Belegung schaffen. Echte Hoffnung verbreitet da ein Blick auf die Statistik: Seit dem Umzug zieht die Patientenzahl kräftig an.

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